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Worte, die zu Wellen werden: Starke Virginia-Woolf-Adaption in den Cammerspielen

Premiere Worte, die zu Wellen werden: Starke Virginia-Woolf-Adaption in den Cammerspielen

Mit ihrem postdramatischen Audiotheater „The Waves“ gelingt Regisseurin Gwen Kyrg in den Cammerspielen, Virginia Woolfs gleichnamigen Roman mit klaren Bildern und starkem Spiel auf die Bühne zu übersetzen.

Wie das Leben selbst wird auch Sven Glatzmaiers Bühnenbild im Lauf der Handlung immer verworrener.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Louis, Jinny, Susan, Rhoda, Neville und Bernard sind Freunde, irgendwie. Was sie verbindet, ist nicht offensichtlich. Die Mädchen und die Jungen gingen gemeinsam zur Schule. Susan (Eva Jaekel) ist eifersüchtig auf Jinny (Carina Sperk) – nicht nur weil sie Louis geküsst hat, damals. Louis (Olav Amende) hat diesen Akzent, weil sein Vater aus Brisbane kommt. Rhoda (Annika Gerber) bleibt lieber im Hintergrund. Neville (Marvin Neidhardt) ist in einen Jungen verliebt. Und Bernard (Markus Braun) erzählt diese Geschichten – doch sind sie wahr? Gemeinsam werden die sechs erwachsen, und doch haben sie kaum etwas gemein. „I am not one and simple but complex and many.“

„The Waves“ ist postdramatisches Audiotheater, frei nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf, das am Donnerstag in den Leipziger Cammerspielen Premiere gefeiert hat. Die mittels Crowdfunding finanzierte Inszenierung von Gwen Kyrg baut sich unstet auf, wie der Wellengang auf dem Meer. Und wie in Woolfs Roman leben die Charaktere mehr neben- als miteinander. Ihre Gefühle teilen sie nicht direkt mit dem Zuschauer, sondern sie nehmen einen Umweg: Den Großteil des Stücks arbeiten die Darsteller rein körperlich. Worte, Gedanken, Songs – eigens von Regisseurin Kyrg komponiert – sind aufgenommen und werden eingespielt.

Das Bühnenbild entsteht erst mit dem Spiel

Dabei zeichnet sich eine bruchstückhafte Geschichte. Originalpassagen aus Woolfs Roman in Englisch und Interpretationen dieser verweben sich miteinander, mit Bewegung und Musik. Als Projektion schlängeln sich Textfragmente unleserlich um Holzlatten, die verwinkelt über die ganze Bühne reichen. Die Worte werden zu Wellen, die sich brechen, die schäumen, die schweigen – ebenso wie die Gedanken.

Wie Jinny und Louis, Susan und Rhoda, Bernard und Neville – ihr Leben, ihre Wege, ihre Worte – entsteht auch das Bühnenbild erst mit dem Spiel. Während sich zu Beginn der Aufführung nur wenige Holzlatten aneinander reihen, werden es nach und nach mehr und die Wege verworrener – wie das Leben selbst. Von der Kindheit über die Jugend bis hin zum Erwachsenwerden, Erwachsensein.

Experimentell wie die Romanvorlage ist auch Kyrgs Inszenierung. Statt einer zusammenhängenden Geschichte erschaffen die Spieler eine Collage aus Bildern, Gedanken, Phrasen, Bewegungen, bei der jeder seine Spuren hinterlässt. Und mit klaren Bildern und starkem Spiel prägt das Ensemble eine ganz eigene Atmosphäre, die einen wehmütig und gleichzeitig wohlig zurücklässt. „Und wenn es keine Geschichte gäbe?“ – „Bernard says there is always a story.“

„The Waves“, Cammerspiele Leipzig (Kochstraße 132), weitere Termine Freitag und Samstag, je 20 Uhr, sowie 11. bis 14. Januar, Karten für 10/6 Euro: 0341 3067606; www.cammerspiele.de

Von Josephine Heinze

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