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You-Tube-Star Julia Engelmann reimt und singt im Leipziger Haus Auensee

„Dein Leben ist ein Taxistand“ You-Tube-Star Julia Engelmann reimt und singt im Leipziger Haus Auensee

Poetry-Slammerin Julia Engelmann trat am Donnerstagabend im vollen Haus Auensee in Leipzig auf. Die 23-jährige Bremerin ist durch ein Video zum Song „One Day / Reckoning Song“ überraschend zum Star via Youtube geworden. Der Clip wurde millionenfach geklickt und geteilt.

Voller Lebenslust im Haus Auensee: Julia Engelmann vermittelt den Teenagern durch Gedichte, dass sie ihre Träume in die Tat umsetzen sollen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Eines Tages, Leipzig!!!“ hat Poetry-Slammerin Julia Engelmann am Donnerstagabend auf die schwarze Gastrotafel mit Kreide geschrieben. Ein Ausruf, der auf ihren Spiegel-Bestseller-Gedichtband „Eines Tages, Baby“ von 2014 anspielt.

„Ich heiße Julia – willkommen – danke, ohne dich wäre das nicht möglich“, sagt sie, als sie freudestrahlend die Bühne im mit rund 1300 Zuschauern gut gefüllten Haus Auensee betritt. Ganz unprätentiös steht sie im schwarzen Rollkragenpulli und schwarzer Leggins da und sagt ernst: „Ich trage Gedichte vor.“ Die Menge johlt.

Der Hype um die 23-jährige Bremerin hat mittlerweile eine Dimension erreicht, die sich fernab vom Massenmedium Youtube verselbstständigt hat. Für Engelmann war die Plattform ein Karrierebeschleuniger, als Anfang 2014 ein Video ihres Vortrags „Eines Tages, Baby“, ihre Interpretation von Asaf Avidans „One Day / Reckoning Song“, aus dem Bielefelder Hörsaal ins Netz gestellt und mit über acht Millionen Klicks zum Überraschungshit wurde. Nun versucht Engelmann, diese Begeisterung und Fannähe professionell zu nutzen. Dafür hat die Psychologiestudentin sogar zwei Urlaubssemester eingereicht.

Die entscheidungsunfreudige Generation Y

Engelmanns feinfühlig verpackte Message, Träume endlich umzusetzen, trifft den Nerv des jungen Publikums. Ihre Geschichten handeln von Liebe und Enttäuschung, von Angst vor dem Alleinsein und dem Erwachsenwerden, vom purem Lebensdurst und „melankomischem“ Stumpfsinn. Manchmal wirft sie klamaukhaft mit Denglisch-Vokabeln („Aka btw cu“) um sich. Ein anderes Mal transportiert sie scharfsinnige Selbsterkenntnis („Ich bin der Meister der Streiche / Wenn’s um Selbstbetrug geht“). Engelmann ist ein Produkt der entscheidungsunfreudigen Generation Y, was sie im Gedicht „Erwachsenwerden“ anspricht. Auch Engelmann, die von den Jugendlichen als Vorbild und weise Ratgeberin geschätzt wird, weiß noch nicht, was sie beruflich später einmal machen will.

Verblüffend ehrlich präsentiert sie ihre Gedanken in den Gedichten. Zwischendurch gibt es Gesangseinlagen mit Gitarre, zum Beispiel „Just A Boy“ von Angus und Julia Stone (2007). Während Engelmanns Entertainment-Qualitäten („fühlt sich an wie Lagerfeuer“) und wunderschöne Stimme perfekt harmonieren, ist ihr Gitarrenspiel, das sie sich nach WG-Partys autodidaktisch angeeignet hat, noch ausbaufähig. Mit vier Akkorden habe sie nach einer Flasche Rotwein mit einer WG-Freundin das Lied „Taxistand“ komponiert, erzählt sie. Beim Refrain „Dein Leben ist ein Taxistand / Es wird so viel von dir verlangt / aber trotzdem hab kein Kopfweh / Du packst das schon“, typische Engelmann-Mutmacher-Zeilen, stimmt das Publikum ein, obwohl der Song noch unbekannt ist. „Danke für die Festivalatmosphäre, Leipzig“, jubelt Engelmann hinterher stolz .

Die Fans dürfen Fragen stellen

Dann wird es intim: Die Fans dürfen ihrem Star in einer Fragerunde auf den Zahn fühlen. Jana will wissen, wie Engelmann die Textideen einfallen. Vanessa erzählt, dass das Gedicht „Bestandsaufnahme in drei Teilen“ Teil einer Deutschprüfung in ihrer Realschule gewesen ist. Und Olivia offenbart dem Star ihre Zuneigung: „Wie ist es möglich, dass du immer die Sachen in Reinform aussprichst, die ich im Kopf habe, und sie dann noch in Musik packst?“ Das Eis ist gebrochen.

Nach „Modelmädchen“, „Lass mal ’ne Nacht drüber tanzen“ und dem Klassiker „One Day“ verneigt sich die 23-Jährige, wirft buntes Konfetti in die Luft und verschwindet von der Bühne. Das Publikum lässt sie aber erst nach der Zugabe („Eichhörnchenmärchen“) gehen.

Von Melanie Steitz

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