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"Your Song" - 12.000 Fans feiern Elton John vor dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal

"Your Song" - 12.000 Fans feiern Elton John vor dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal

Elton John spielte am Freitagabend am Völkerschlachtdenkmal seine Hits aus rund 40 Jahren vor über 12.000 Fans. Pünktlich, wie es kaum einer dem bekannten Partygänger zugetraut hatte, begann der Brite seien Auftritt.

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Quelle: André Kempner

Leipzig. Dem Leipziger Publikum wurde eine perfekt Show von einem wirklich großen Musiker geboten.

Flammenmuster und Friedenstauben zieren den Mantel, auf dem Rücken sieht man eine Kerze, die der Wind auszublasen droht. Doch „Candle In The Wind“, die zwischenzeitlich mal als Nekrolog für seine Freundin Diana verwendete, eigentlich für Marilyn Monroe gedachte Hymne wird Elton John nicht spielen. Es ist so ziemlich das einzige Versprechen, das an diesem Abend nicht eingelöst wird. „Achtung!“, scheint die Geste zu sagen: Fast auf die Sekunde ist er um 20 Uhr mit erhobenem Zeigefinger auf die Bühne gekommen. „Der issn Preuße“, murmelt einer im Publikum, der schon beim zweiten Song im Stehen mitklatscht. Mit „Funeral For A Friend“, eine Nummer aus dem Jahr 1973, legt er los, nutzt mit den Kollegen das ausgedehnte Vorspiel zu einem letzten Soundcheck, bei dem das eine oder andere Knarren abgestellt wird. Tausende Konzerte hat der 64-Jährige in seinem Leben gegeben. Der muss sich nicht warmspielen, der braucht keine Dehnungsübungen. Auch die Fans, in der Mehrheit wie der Meister im besten Alter, sind sofort da, tanzen, jubeln, singen mit und sammeln sich gegen Ende in ziemlich großer Traube am Bühnenrand.

Fotos: Elton John begeistert 12.000 Fans

Und wenn Elton schon mal in den frühen 70ern ist, kann er auch gleich noch „Saturday Night’s Alright For Fighting“ nachlegen. Freitagabend ist in Ordnung für Rock’n’Roll. Nochmal zwei Jahre zurück geht es mit „Madman Across The Water“, das eigentlich als Breitband-Ballade angelegt ist, hier jedoch einen schier unglaublichen Groove bekommt. Auf rund zehn Minuten dehnt man das Stück mit diversen Piano-Gitarre-Duellen zu einer genialen musikalischen Seifenoper.

Die Band um die seit Jahrzehnten bewährten Nigel Olsson (Schlagzeug) und Davey Johnstone (Gitarre) verzieren vier Backgroundsängerinnen nicht nur optisch. Das kroatische Duo „2 Cellos“ treibt die Songs mit klug und leidenschaftlich gesetzen Saitenhieben voran. Und Sir Elton scheint so schnell auf dem Piano zu spielen, dass die Bilder auf den Leinwänden nicht hinterherkommen. Großartig, was der kleine Weltstar mit den Fingern anstellt. Und die Stimme hält auch in den Höhen des verteufelt schwer zu singenden Refrains der „Yellow Brick Road“. So kann es weiter gehen. Geht es auch. „Dies ist für alle Damen“, kündigt der Sänger eine der schönste Balladen, die vielleicht jemals geschrieben wurden, an: „Tiny Dancer“ sorgt an diesem lauen Juniabend für die erste Gänsehaut.

Fotos: Elton-John-Fans vor Konzertbeginn

Wie stellt dieser Mann, der fast 900 Millionen Tonträger verkauft hat, seine Setlist zusammen? Alphabetisch? Per Zufallsgenerator? Augen zu und Finger drauf? So viel steht fest: Würde er alle seine seit 1968 entstanden Hits spielen, könnte er bis zum Morgen durchmachen. Also muss er grausam sein zu den Fans, die vielleicht auf die süße Sahne aus dem „König der Löwen“ gehofft hatten. Auch auf „I’m Still Standing“ verzichtet er an diesem Abend. Der Titel ist auch ungesungen Programm bei diesem Stehaufmännchen, das nach eigenem Bekunden in den frühen 90ern 1300 Treffen der Selbsthilfegruppen „Anonyme Alkoholiker“, „Anonyme Fresssüchtige“ und „Anonyme Bulimiker“ besucht hat. Irgendwie nicht zu glauben, dass der Mann einen Herzschrittmacher braucht. Er IST doch einer: So wie er „I Guess That’s Why They Call It The Blues“ tatsächlich den „Bluuuuuuuuuus“ hat. So wie er seinen „Rocket Man“ abheben lässt. Oder den „Crocodile Rock“ feiert.

Drei Songs vom im vergangenen Jahr erschienenen, mit Leon Russell aufgenommenen Album „The Union“ legt er dazwischen. Fast scheint es, als glaube er sich dafür zu entschuldigen zu müssen, auch sein neueres Schaffen vorzustellen. Muss er gar nicht. „Hey Ahab“ etwa geht live so energievoll ab, als hätte man den Titel seit 30 Jahren im Repertoire.

Da freut er sich wie ein Kind. Lächelt, winkt. Er sei gerne hier, sagt er, und das sieht man. Aber wie geplant ist nach zweieinhalb Stunden und nur einer Zugabe, dem traumhaften „Your Song“, gesungen vor einem Sternenhimmel auf der Leinwand, Schluss. Ist eben wirklich ein Preuße, der Mann.

Möge die Kerze noch lange brennen.

Jürgen Kleindienst

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