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ZDF-Krimi-Serie "Unter anderen Umständen" - Der Verlorene Sohn

ZDF-Krimi-Serie "Unter anderen Umständen" - Der Verlorene Sohn

Es gibt Schauspieler, wenn die bei einem Krimi auf dem Bildschirm erscheinen, weiß man gleich, dass sie die Täter sind. In 90 Prozent der Fälle trifft das dann auch zu.

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Das Ermittlerduo der ZDF-Serie "Unter anderen Umständen" Ralph Herforth und Natalia Wörner.

Quelle: dpa

Eine Nachlässigkeit, ein Besetzungsfehler, der offenbar nicht auszurotten ist. Die zehnte Episode der seit 2006 ausgestrahlten ZDF-Reihe „Unter anderen Umständen“ ist da leider keine Ausnahme. Das macht die erzählte und eigentlich recht spannende Geschichte natürlich arg vorhersehbar, und dennoch ist dieser Jubiläumsfall durchaus sehenswert.

Allein schon wegen der Hauptdarstellerin Natalia Wörner, die die Schleswiger Kommissarin Jana Winter überzeugend verkörpert. Sie ist eine energische, gleichwohl einfühlsame Polizistin, deren Lebensweg sich von einer Schwangeren bis zur alleinerziehenden Mutter eines jetzt achtjährigen Sohnes durch die Krimireihe zieht. Als regelmäßiger Zuschauer nimmt man all die Jahre über also teil an privaten Dingen und sieht die Entwicklung dieser Person. Was dann eine Nähe zu dieser Figur herstellt und ihr zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht. Ganz ähnlich gut funktioniert das ja auch bei „Bella Block“, die allerdings demnächst beim ZDF nach unglaublichen 21 Jahren in Fernsehrente geht.

Der Fall „Das verschwundene Kind“, den wie alle Episoden zuvor die Schweizer Regisseurin Judith Kennel (nach einem Drehbuch von Daniel Schwarz und Thomas Schwebel) inszeniert hat, geht Jana Winter besonders nah. Das Kind namens Sascha, das hier plötzlich über Nacht verschwindet, ist genauso alt wie ihr Sohn. Der Junge stammt jedoch aus äußerst schwierigen Verhältnissen. Seine psychisch labile Mutter (Marie Leuenberger) hat sich schon vor Jahren von seinem chaotischen Vater (Hinnerk Schönemann) getrennt. Der wiederum ist vorbestraft, auch wegen Misshandlung seines älteren Sohnes Marius (Bjarne Meisel), der inzwischen in einer von einer Sozialarbeiter-Karikatur geleiteten therapeutischen Wohngruppe für Jugendliche lebt. Außerdem stand der eigenbrötlerische Vater schon einmal in Verdacht, ein Kind entführt zu haben, wurde allerdings freigesprochen. Dennoch wird jetzt erst einmal fieberhaft nach ihm gefahndet. Eine andere Spur haben die Ermittler nicht. Und vielleicht weiß er ja mehr.

Als der Vater dann schließlich gefunden wird, hat er jedoch ein stichfestes Alibi. Und das verschafft ihm ausgerechnet Jana Winters Chef (Martin Brambach). Ein trockener Alkoholiker, der wegen privater Schwierigkeiten in dieser Episode allerdings einen Wodka-Rückfall erleidet. Das alles ist ganz schön trist, ganz schön bedrückend, passt jedoch gut zur düsteren Stimmung in diesem Film, der eine Atmosphäre vermittelt, wie man sie sonst in Schwedenkrimis findet.

Gegen die sich breitmachende skandinavische Melancholie spielt das durchweg sympathische und für einen Krimi ungewöhnlich freundliche Ermittlerteam zudem recht erfolgreich an, allen voran Mathias Hamm (Ralph Herforth) und sein jüngerer Kollege Ole Jessen (Max von Pufendorf). Doch ihre Arbeit erweist sich als schwierig, und da die erste heiße Spur im Sande verläuft, durchleuchten die Ermittler nun noch intensiver die Familiengeschichte des verschwundenen Jungen. Sie suchen dabei nach Motiven, stoßen schließlich auf ein weiteres Verbrechen und ein dann alles erklärendes dunkles Geheimnis. Doch für Fans von deutschen Fernsehkrimis ist das aus den anfangs genannten Gründen keine große Überraschung mehr. Was jammerschade ist.

Unter anderen Umständen – Das verschwundene Kind läuft am Montag im ZDF um 20.15 Uhr.

Ernst Corinth

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