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ZDF-Literaturpreis: Clemens Meyer zieht nach Mainz

Leipziger Autor dreht Filmdoku ZDF-Literaturpreis: Clemens Meyer zieht nach Mainz

Der Leipziger Literat Clemens Meyer (37) wird Stadtschreiber von Mainz. Damit erhält er den Literaturpreis von ZDF, 3sat und der Stadt Mainz. Meyer wird in der Zeit außerdem eine Fernsehdokumentation produzieren.

Der Leipziger Autor Clemens Meyer wird Stadtschreiber in Mainz.
 

Quelle: Andreas Doering

Leipzig.  Von der Buchstadt Leipzig in die Fernsehstadt Mainz: Der Leipziger Autor Clemens Meyer wird der Mainzer Stadtschreiber des Jahres 2016 und ist damit der 32. Träger des Literaturpreises von ZDF, 3sat und der Stadt Mainz. Weit über die Grenzen Leipzigs hinaus machte sich der 37-Jährige vor allem einen Namen mit seinem Debütroman „Als wir träumten“, der unter der Regie von Andreas Dresen auch verfilmt wurde und in diesem Jahr in die Kinos kam.

Mit der Stadtschreiber-Ehre steht Meyer in einer Reihe mit dem 2013 verstorbenen Leipziger Literaten Erich Loest, der die seit 1985 vergebene Auszeichnung im Jahr 1998 entgegennehmen konnte. Josef Haslinger, der das Deutsche Literaturinstitut in Leipzig leitet, an dem auch Meyer ausgebildet wurde, bekam die Auszeichnung im Jahr 2010, der Dresdner Autor Ingo Schulze folgte 2011.

Die Jury hob für ihre aktuelle Entscheidung Meyers präzisen, einfühlsamen Erzählstil hervor, mit der er sich prekären Existenzen nähere. Zart und traurig berichte er von Freundschaften am Abgrund, von Bier, Gewalt und Boxen. Die Texte des Leipziger Autors seien kämpferisch und berührend. Der Preis ist mit 12.500 Euro dotiert und wird voraussichtlich im Februar 2016 vergeben.

Derzeit logiert noch der Essayist, Literaturkritiker und Filmemacher Feridun Zaimoglu in der Stadtschreiberwohnung im Mainzer Gutenberg-Museum. Wie Zaimoglu wird auch Clemens Meyer gemeinsam mit dem ZDF eine Dokumentation nach freier Themenwahl produzieren.

Deutschlandpremiere in Leipzig

Meyers aktuelles Filmprojekt „Herbert“ konnte im September auf der Filmkunstmesse in Leipzig Deutschlandpremiere feiern. Meyer schrieb das Drehbuch nach einer Vorlage von Paul Salisbury zusammen mit Regisseur Thomas Stuber. Das Duo erhielt dafür in diesem Jahr bereits den Deutschen Drehbuchpreis. Ex-Tatort-Kommissar Peter Kurth spielt in dem Film einen Boxer, der an der Nervenkrankheit ALS erkrankt. Der Film war 2014 in Leipzig und Halle gedreht worden und soll im Herbst in die Kinos kommen. Mit Stuber hatte Meyer bereits 2011 den Kurzfilm „Von Hunden und Pferden“ produziert, der unter anderem auf der Galopprennbahn im Scheibenholz gedreht wurde. (nöß)

Vom Möbelpacker zum Literatur-Dozenten

Meyer, 1977 in Halle an der Saale geboren und in einem Arbeiterviertel im Leipziger Osten aufgewachsen, wollte schon als Kind Schriftsteller werden. Die Zeit der Wende um 1989 erlebte er als „Tanz auf den Trümmern“. Meyer studierte von 1998 bis 2003 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, unterbrochen von einem Gefängnisaufenthalt in der Jugendarrestanstalt Zeithain.

Sein Studium finanzierte er mit Stipendien und mit der Arbeit als Möbelpacker, Gabelstapelfahrer und Wachmann. 2006 erschien sein erster Roman, mit autobiografischen Bezügen. In „Als wir träumten“ beschreibt er ein wildes Leben zwischen Techno-Partys, Drogen, Bier und Tätowierungen. 2015 wurde der Debütroman von Regisseur Andreas Dresen verfilmt. 2008 erschien der Kurzgeschichtenband „Die Nacht, die Lichter“, für den er den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt.

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Berlin/Leipzig. Der deutsche Regisseur Andreas Dresen startet mit seinem neuen Film „Als wir träumten“ im Wettbewerb der 65. Berlinale (5.-15. Februar 2015). Dresen wird die Verfilmung des Romans von Clemens Meyer als Weltpremiere auf dem Festival zeigen, wie die Berliner Filmfestspiele mitteilten. Der Streifen war zum Teil auch in Leipzig gedreht worden.

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Neben seiner Arbeit als Schriftsteller war Meyer als Gastdozent am Leipziger Literaturinstitut tätig. Sein drittes Buch „Gewalten. Ein Tagebuch“ (2010) versammelt Erzählungen, die in chronologischer Reihenfolge das Jahr 2009 abbilden. Zocker, Loser, Barbesucher, Amokläufer und Menschen in der Psychiatrie lässt Meyer hier zu Wort kommen.

2013 kam sein Roman „In Stein“ heraus, der sich mit Sexarbeit, Zwangsprostitution und den wirtschaftlichen Verwicklungen und Skandalen der Leipziger Realität der 1990er Jahre beschäftigt. 2015 hatte Meyer die vielbeachtete Poetikdozentur an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main inne, die den Titel „Der Untergang der Äktschn GmbH“ trug.

Fußball und Pferderennen

Clemens Meyer, der sich ebenso mit Theater wie mit der Bildenden Kunst beschäftigt, ist stolz auf seinen tätowierten Körper, liebt den Galoppsport und ist ebenso gern auf der Leipziger Rennbahn im Scheibenholz zu Gast wie beim Fußball. Er ist mit zahlreichen Preisen geehrt worden, unter anderem mit dem MDR-Literaturpreis (2001), dem Rheingau Literaturpreis (2006), dem Clemens-Brentano-Preis (2007), dem Preis der Leipziger Buchmesse (2008), dem Bremer Literaturpreis (2014) sowie, zusammen mit Thomas Stuber, mit dem Deutschen Drehbuchpreis (2015).

lyn (mit dpa)

Mainz 49.992862 8.247253
Mainz
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