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Zauberhafte Kraft der „Nagel-Fetische“ - Grassi-Museum zeigt Skulpturen aus dem Kongo

Zauberhafte Kraft der „Nagel-Fetische“ - Grassi-Museum zeigt Skulpturen aus dem Kongo

Sie versprechen Heilung und Reichtum, sollen Schutz spenden, Glück im Krieg bringen und Wahrsagen. Die afrikanischen Minkisi-Skulpturen wurden im historischen Loango-Reich im heutigen Kongo einst wie Götter angebetet.

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Neue Ausstellung "Minkisi - Skulpturen vom unteren Kongo “ im Grassi Museum für Völkerkunde in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Doch die europäischen Kolonialherren bezeichneten sie abwertend als Götzen und Fetische und bezichtigten die Afrikaner der Zauberei. Heute werden sie von der modernen Ethnologie als rituelle Gegenstände für den Ahnenkult einer afrikanischen Gesellschaft verstanden. Eine magische Aura haftet den Holzfiguren noch immer an, wie eine Ausstellung im Leipziger Grassi-Museum für Völkerkunde zeigt.

In der Schau „Minkisi - Skulpturen vom unteren Kongo“ faszinieren die Holzskulpturen als Kunstobjekte, obwohl sie ursprünglich nicht als solche gedacht waren. Das Museum besitzt mit 118 Objekten eine der weltweit umfangreichsten Sammlungen dieser Figuren. Zu einem großen Teil werden sie nun erstmals ausgestellt.

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Leipzig. Sie versprechen Heilung und Reichtum, sollen Schutz spenden, Glück im Krieg bringen und Wahrsagen. Die afrikanischen Minkisi-Skulpturen wurden im historischen Loango-Reich im heutigen Kongo einst wie Götter angebetet. Doch die europäischen Kolonialherren bezeichneten sie abwertend als Götzen und Fetische und bezichtigten die Afrikaner der Zauberei. Heute werden sie von der modernen Ethnologie als rituelle Gegenstände für den Ahnenkult einer afrikanischen Gesellschaft verstanden.

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Die wertvollen Figuren aus dem 19. Jahrhundert, die teilweise über und über mit Nägeln und verschieden geformten Eisenstücken versehen wurden, hatten einen im Loango-Reich rituellen Zweck. Sie geben Aufschluss über einen religiös motivierten Ahnenkult an der Westküste Zentralafrikas, erzählen aber auch Geschichten vom Kulturkontakt zu den europäischen Kolonialherren.

„Daher wird der Begriff ’Fetisch’ heute nicht mehr von der Ethnologie verwendet. Viele Leute wissen das nicht“, sagt die wissenschaftliche Betreuerin der Sammlung, Christine Seige, der Nachrichtenagentur dapd. „In der Wissenschaft wird dieser Begriff abgelehnt, weil es in der Definition die religiösen Vorstellungen der Afrikaner verkennt und als Zauber abwertet“, fügt sie hinzu.

Mikisi-Rituale nicht einfach schwarze Magie

Dabei seien die Rituale „nicht einfach schwarze Magie“, sondern Ausdruck einer Glaubensvorstellung, die mit den Vorfahren zu tun habe, sagt Seige. Die Portugiesen hatten die rituellen Praktiken der Afrikaner, die aus europäischer Perspektive unverständlich und fremd erschienen, als Zauber bezeichnet - portugiesisch „feitiço“. Bis heute hat das Wort „Fetisch“ seinen abwertenden Charakter beibehalten: Wer einen „Fetisch“ hat, gilt als nicht normal, fehlgeleitet, sogar pervers. Die moderne Ethnologie nennt die rituellen Gegenstände aus Afrika heute meist Kraftfiguren.

„Minikisi repräsentieren eine verstorbene, mächtige Person“, sagt Seige. Sie seien im Königreich Loango von allen gesellschaftlichen Schichten, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Leben, eingesetzt worden, um unterschiedliche Ziele zu erreichen. Minkisi, die mit zahlreichen Nägeln versehen waren, zählen nach Angaben von Seige zu den kraftvollsten. Auch andere spitze oder glänzende Gegenstände, wie etwa Scharniere, Spiegel oder Schlüssel wurden integriert - oftmals Dinge, die die Kolonialherren aus Europa mitbrachten. Damit habe das Volk der Vili versucht, die Macht der Kolonialisten sich selbst anzueignen, erläutert Seige.

Die Schau zeigt rund 80 Kraftfiguren aus dem 19. Jahrhundert. Hinzu kommen Amulette und Repräsentationsgegenstände, die die Historie des Reiches vom 14. bis 19. Jahrhundert erklären. Ein Teil der Ausstellung informiert über den bedeutendsten Sammler von Leipziger Ethnographica aus Loango, Robert Vissler. Auch die Loango-Expedition (1873-76) im Auftrag des Gründungsvaters der Ethnologie, Adolf Bastian, wird vorgestellt.

Unwirksame Minkisi wurden entsorgt

Bei genauer Betrachtung der Minkisi fallen auch viele weitere Anhängsel auf, die den Figuren zusätzliche Kraft verleihen sollten. Der wichtigste Bestandteil ist aber der sogenannte Kraftbehälter, erklärt die Kustodin. Durch eine Öffnung am Bauch, Kopf oder Rücken konnte der Ritualist oder Heiler, „Nganga“ genannt, der Figur bestimmte Substanzen einführen. Dazu gehörten zum Beispiel Pflanzenfasern, Erde, Muscheln, Federn, Knochen oder Metalle.

Seine mythische Aura beweist die bedeutendste Figur der Ausstellung, der Nkisi N’kondi „Manjaka“, auch durch seinen eindringlichen Blick. Die reich benagelte Figur ist mit einem Meter Höhe gleichzeitig die Größte der Sammlung. Minikisi sollten jeweils bestimmte Zwecke erfüllen, konnten ihre Funktion aber auch ändern, sagt Seige. „Wenn sie ihren Zweck nicht erfüllten, wurden sie auch schon mal entsorgt.“ Verzaubern können die großen Figuren vielleicht auch heute noch. Sollten die Besucher der Ausstellung nicht begeistert sein, werden sie aber wohl kaum entsorgt.

Von Lisa-Marie Eckardt, dapd

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