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Zaubermöbel in der Wunderkammer - Tischlerkunst aus Leipzig im Grassimuseum

Zaubermöbel in der Wunderkammer - Tischlerkunst aus Leipzig im Grassimuseum

Durch "möglichst billige Preise, promte Bedienung und ehrliche Behandlung" hoffe er, "das Zutrauen meiner hohen Gönner und meines angesehenenen Publikums ... auch fernerhin zu genießen".

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Möbelausstellung im Grassi Museum für Angewandte Kunst. „Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig von F.G.Hoffmann“„Ein Bureau fuer Damen“, um 1800

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. So wandte sich der Leipziger Kunsttischler Friedrich Gottlob Hoffmann 1795 an seine Kundschaft.

Das Zitat stammt aus der Vorrede zu seinem zweiten bebilderten Warenkatalog, der erste erschien 1789 - ein Novum im deutschsprachigen Raum. Man habe es hier mit einem Vorläufer heutiger Versandhauskataloge und damit in gewisser Weise auch von Ikea zu tun, erklärt Eva Maria Hoyer, Direktorin des Grassi Museums für Angewandte Kunst.

 Dass Hoffmanns Möbel nicht nur erheblich länger halten, sondern auch schöner und noch flexibler als die des schwedischen Möbelmultis sind, können Besucher ab morgen im Grassi erleben. Um 11 Uhr wird dort die opulente Sonderausstellung "Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig" eröffnet. Es ist die erste, die im Zeichen von 1000 Jahre Leipzig steht. Tatsächlich, so Hoyer, habe sie viel zu tun mit dem Phänomen dieser Stadt, die Hoffmann zum Ende des 18. Jahrhunderts mit Messe und Buchhandel perfekte Bedingungen bot.

Zu sehen sind rund 80 Möbel wie Schreibsekretäre, Wasch- und Toilettentische mit Nachtstuhl, Kommoden oder Sofas. Viele der gezeigten Stücke sind wahre Verwandlungswunder - mit integrierten Stühlen, versenkbaren Aufbauten, Geheimtüren, Spiegeln und anderen verborgenen Geheimnissen wie Spucknäpfen oder Bidets. Da man ihnen diese in der Regel nicht ansieht, informieren Videos über ihr überraschendes Innenleben.

 "Es sind Zaubermöbel", sagte die Direktorin bei der Pressekonferenz vor 23 Stühlen, die hinter ihr an der Wand angebracht sind - nur einer kann Hoffmann zugeschrieben werden. Neben ihr sitzen Thomas Rudi, Kurator für Historische Sammlungen im Grassi, sowie der Pforzheimer Restaurator Peter Atzig und Michael Sulzbacher, Antiquitätenhändler aus Havixbeck bei Münster. Die beiden sind Gastkuratoren. "Wir haben schon länger darüber nachgedacht, etwas zu Hoffmann zu machen", erzählt Rudi. Vor zwei Jahren etwa nahm man Kontakt zu Atzig und Sulzbacher auf, die sich aus der "Gesellschaft der Freunde von Möbel- und Raumkunst kennen" und Hoffmann-Experten sind. "Das Thema lag irgendwie in der Luft."

 Präsentiert wird bis 12. April nicht nur der Möbelbauer, der in seiner Fabrik Kunstwerke fürs und zum Leben baute, sondern auch der Unternehmer, der den Vertrieb revolutionierte - mit neuen Fertigungsmethoden, raffinierter Werbung und schnellem Reagieren auf neue Kundenbedürfnisse. Die Ausstellung betritt Neuland, es die erste überhaupt zu Hoffmann. Viele der Möbel wurden noch nie öffentlich gezeigt - und werden es wohl auch so schnell nicht wieder, denn sie stammen aus Privatbesitz.

Schon ein Blick auf die Zahl der Leihgeber deutet an, dass hier die Recherche nach dem Verbleib oder der Zuschreibung von in der halben Welt verstreuten Ausstellungsstücken einen Großteil der kuratorischen Arbeit ausmachte. Neben Museen aus ganz Deutschland stellten viele Privatleute ihre Schätze zur Verfügung.

 Nebenbei hat Peter Atzig die Biographie des 1741 auf dem Rittergut Puschwitz geborenen und 1806 gestorbenen Hoffmann zusammengepuzzelt. Als einfacher Tischlergeselle kam er nach Leipzig, beschäftigte in seinen beiden Werkstätten später bis zu 42 Mitarbeiter - üblich waren fünf -, was ihm immer wieder Ärger mit der hiesigen Tischlerinnung einbrachte. Der ihm 1796 verliehene Ehrentitel "Chursächsischer Hoftischler" befreite ihn von allen Beschränkungen durch die Kollegen. Begraben liegt der 1806 Verstorbene, wie Atzig herausfand, auf dem Johannisfriedhof. Das betreffende Areal befindet sich höchstwahrscheinlich direkt unter der Ausstellungsfläche. Eva Maria Hoyer: "Er ist also bei uns." Auf jeden Fall unter uns.

 Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig. F.G. Hoffmann - Hoftischler und Unternehmer: bis 12. April 2015 im Grassimuseum (Johannisplatz 5-11), geöffnet Di-So, Feiertage, 10-18 Uhr, Eröffnung morgen um 11 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.11.2014

Jürgen Kleindienst

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