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Zipfelmützen-Archäologie: Sommerstück-Premiere des Theaters der Jungen Welt

Zipfelmützen-Archäologie: Sommerstück-Premiere des Theaters der Jungen Welt

Auch hinter den Kulissen mag am Sonntagabend "Panik in der Botanik" geherrscht haben, schließlich schüttete es noch Minuten vor der Freiluft-Premiere wie aus Gießkannen.

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"Sensationell!": Grimmiger Gartenzwerg-Archäologe (Gösta Bornschwein) trifft übereifrige Jungjournalistin (Anna-Lena Zühlke).

Quelle: TdJWTom Schulze

Die Vorführung selbst blieb dann aber trocken und bot den Gästen trotz ungeprobter Schlechtwetter-Variante liebevoll gemachtes Familientheater mit Herzblut und Witz. Intendant Jürgen Zielinski (künstlerische Gesamtleitung) hat hier Ideen sprießen und 80 Akteure zu einem riesigen, charmanten Ensemble zusammenwachsen lassen.

Er hat es nicht leicht, der gemeine Gartenzwerg. Von den größenwahnsinnigen Nazis wegen vermeintlicher Kleinmacherei der Deutschen verboten, von den russischen Besatzern (trotz roter Zipfelmütze) als Antikommunist verschrien, letztlich von den Chinesen kopiert und tausendfach schlecht angemalt in deutsche Vorgärten exportiert. Das ist zumindest die Meinung des ernst dreinblickenden Zipfelmützen-Archäologen unter der Plastikplane, einen halben Meter in den Boden des Botanischen Garten eingebuddelt. Erzählen darf er das alles einer ambitionierten Jungjournalistin Marke Karla Kolumna, die ihm unter schrillen "Sensationell!"-Rufen versehentlich ihren Kugelschreiber ins Herz rammt.

Es sind so einige skurrile Situationen, die in der Sommer-Gastspielstätte des Theaters der Jungen Welt (TdJW) ablaufen, hier, zwischen Mimosa pudica und Gunnera manicata, zwischen Radkappen-großen Seerosenblättern und Lastwagen-hohen Kakteen. Da gibt es den Vegetarier, der sich nach nichts so sehr sehnt wie nach einem blutigen Steak. Da gibt es den Pflanzenforscher, der meint, das Schuhwerk der Zuschauer sei zu laut, eine Hose zu hell, und das erschrecke doch die blühende Flora. Da gibt es den von einem Gabelstapler gen Himmel gefahrenen Schlagzeuger (Gastmusiker Clemens Litschko), der zu Nebelmaschine und Kettensäge martialisch trommelnd die Vermüllung der Umwelt anprangert.

"Panik in der Botanik" ist ein zauberhafter, unterhaltsamer Rundgang durch eine abergrüne Kulisse, durch Schmetterlings- und Mangrovenhaus, durch ein blühendes Labyrinth, das an neun verschiedenen Stationen neben den grandiosen Darbietungen des festen Ensembles auch die vielen theaterpädagogischen Projekte des TdJW vorspielen lässt.

Das Mehrgenerationen-Projekt etwa, bei dem zwei Großmütterchen eine Gruppe autonomer Jugendlicher terrorisieren. Oder den Studentenklub, der unterschiedlichste Pflanzenarten kostümiert in Szene setzt (herrlich komisch: das Espenlaub als immer zitternder Streber mit Gel-Haar, Pullunder und Hornbrille). Dem Publikum stets zur Seite: zwei taffe Tour-Guides (Dirk Baum als moosbehangener Guerilla-Gärtner mit Schnittlauch-Mütze, Violetta Czok als Stimmgeberin der fleischfressenden Horrorladen-Pflanze Audrey), die Interaktion und Spontan-Einlagen nicht auslassen.

Rund 80 Akteure wirken im Verlauf der 90-minütigen Vorstellung mit, neben den Schauspielern wird es musikalisch mit dem "Crazy Generation Chor", der hier und da Lieder anstimmt, sowie mit Gast-Sopranistin Margarita Tsoukarelas, die in ungemein ausdrucksstarken Passagen ein Stück Seele bewegt. "Panik in der Botanik" ist die elfte von zwölf Premieren einer mehr als fruchtbaren TdJW-Spielzeit unter dem Motto "Alles wächst?!", deren Zuschauer-Zuwachs sich mit dem Herzblut, der Kreativität und der fühlbaren Spielfreude aller Beteiligten erklären lässt - zu sehen eben auch in diesem Stück.

"Panik in der Botanik", 14. bis 16. Juni sowie 21. bis 23. Juni jeweils 18 und 19.30 Uhr, Botanischer Garten (Linnéstraße 1), Karten für 17/11 Euro: 0341 4866016

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.06.2013

Tobias Ossyra

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