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Zoten nach Noten: Knorkator im ausverkauften Werk 2

Zoten nach Noten: Knorkator im ausverkauften Werk 2

Nun sind sie im Mainstream angekommen - die Spaßvögel aus Berlin. Das neue Album "We Want Mohr" ist in die Top-20 eingestiegen und die Halle A im Werk 2 ausverkauft.

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Volles Haus: Knorkator im Werk 2.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Das heißt bei einem Knorkator-Konzert: Es ist wirklich voll. Schließlich reden wir bei den Fans der Band nicht über schmale Teenager. Hier schieben sich einige beeindruckende Bäuche unter schweren Lederjacken durch die Halle.

Ein derbes Volk tummelt sich im Werk 2 - Witzbolde rufen schon vor dem ersten Titel "Zugabe" und auch noch "Ausziehen", als Knorkator-Frontmann Gero Ivers alias Stumpen längst mit seinem genauso tätowierten wie trainierten freien Oberkörper über die Bühne springt und dabei ein bisschen aussieht wie eine Kreuzung aus Gollum nach der Mucki­bude und einem Flummi.

Nein, Knorkator-Konzerte sind nichts für Feingeister. Hier wird man "Schwanzlich willkommen" geheißen. Und gleich in diesem ersten Song nach dem Opener animiert Stumpen die Fans zum Mitsingen. Da ist kein Platz für die kleine Geste, aber stets genug Zeit für Entertainment.

Nach ein paar Titeln hat zum Beispiel LVZ-Fotograf Wolfgang Zeyen seinen Auftritt. Eigentlich will die Security den Mann gerade turnusmäßig aus dem Fotograben entfernen - aber nicht mit Stumpen. Der befiehlt: "Hochkommen!" Sodann stellt er den Fotografen neben dem Schlagzeug und seine Band am Bühnenrand auf. Die Fans dürfen im Bildhintergrund jubeln. Die Aktion ist witzig, dem Gesichtsausdruck nach sogar für den Kollegen Zeyen.

Auch nicht schlecht: die Live-Verlobung. Ein junger Mann hat der Band vorher gesteckt, dass er um die Hand seiner Holden anhalten möchte. Stumpen leitet die Nummer mit einer Vogelhochzeit-Improvisation ein ("Ich denk mir diesen Text grad' aus/ nicht dass ihr glaubt, ich reime so/ Fidirallala -") Dann holt er die beiden auf die Bühne, und es gibt das ganze Programm mit Schluchzen, Küsschen, "Ja, ich will". Stumpen weiß, wann wieder gut ist: "jetzt wieder runter, los! Scheiß-Liebe". Für beinahe alle Fälle hat Knorkator nach 20 Jahren Bandgeschichte einen passenden Hit im Rucksack. Nach der Turtelei besingt Stumpen die üblen Folgen von Beziehungen und tröstet sich, dass er als "alter Mann" damit nichts mehr zu tun hat.

So bekommt der Abend etwas von einer Revue. In steter Abwechslung folgen Stumpens derbe, aber dabei erstaunlich geschmacksichere Zoten und alberne Metal-Songs aufeinander. Selbst im Ernstfall bleibt es beim Ulk. Beim ersten gen Bühne fliegenden Bierbecher kaspert Stumpen noch etwas von einer Bierallergie ("wenn ich jetzt introvertiert arbeite, liegt es am Pöbel"), etwas später droht er recht unverhohlen mit Konzertabbruch ("wenn die Flüssigkeit die Seiten der Instrumente benetzt").

Das hilft. Schließlich geht es auch bei einem Knorkator-Konzert um Musik. Lauter hochqualifizierte Leute auf der Bühne (darunter, in Leipzig besonders gefeiert, Ex-((tam))-Bassist Rajko Gohlke). Manchmal ist es beinahe zu viel der Könnerschaft, dann klingen die präzisen Riffs und der Falsettgesang ein bisschen nach Musikhochschul-Metal. In aller Regel retten die garstigen Texte die Songs.

Bei den Stücken vom neuen Album schleicht sich ein neuer Ton in den Knorkator-Sound. So bekommt die endlose Aufzählung von Dingen und Produkten im Titel "Fortschritt" etwas Surreales - hier wird doch nicht etwas Hintersinn im Spiel sein? Und die Coverversion des Judas-Priest-Klassikers "Breaking The Law" kommt als Klavier-Ballade gänzlich ohne das erwartete Gebolze aus. Da hält sogar das Publikum kurz inne - bis es den nächste Kracher um die Ohren geknallt bekommt.

Der Single-Hit ganz zum Schluss macht das Geheimnis des Erfolges noch einmal überdeutlich: "Wir werden alle sterben" klingt nach Schlager-Metal mit britischem Humor. Eigentlich schön, wenn so etwas Mainstream ist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.02.2014

Uwe Schimunek

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