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Zündend: Little Steven & the Disciples of Soul im Clara-Zetkin-Park

Konzert Zündend: Little Steven & the Disciples of Soul im Clara-Zetkin-Park

Manchmal kann das Einfachste so gut sein. Am Mittwoch gastierte auf der Parkbühne Steven van Zandt alias Little Steven mit seinen Disciples of Soul und bot dort ein Konzert, das für fast zwei Stunden das reine Destillat, den reinen Geist des Rock’n’Roll ans begeisterte Publikum ausschenkte.

„Soulfire“ ohne Konfettikanone: Steven van Zandt, 66, alias Little Steven mit den Disciples of Soul auf der Parkbühne

Quelle: Thomas Kube

Leipzig. Manchmal kann das Einfachste so gut sein. Am Mittwoch gastierte auf der Parkbühne Steven van Zandt alias Little Steven mit seinen Disciples of Soul und bot dort ein Konzert, das für fast zwei Stunden das reine Destillat, den reinen Geist des Rock’n’Roll in mal mehr, mal weniger variierenden musikalischen Mixturen des Hochprozentigen ans begeisterte Publikum ausschenkte. Eine wahrlich berauschende Angelegenheit. Und das ganz ohne irgendwelchen eventinösen Popzirkus-Budenzauber.

Aber wer braucht schon Schüsse aus Konfettikanonen, wenn die Musik reinstes „Soulfire“ ist? Der erste Song des Konzertes verkündet dann auch gleichsam dessen Programmatik, wenn sich, kurz nach 20 Uhr, eine elfköpfige Musikertruppe auf der Bühne verteilt. Ohne großes Getue geht es ans Werk, gibt die Rhythmus-Gitarre die trocknen, knappen Riffs vor, die bald darauf funky über den Keyboard-Teppich tänzeln. Dazu gesellen sich, trippelnd und swingend, die Percussions, während Bass und Schlagzeug hart und lakonisch den Beat grundieren. Eins kommt zum anderen, fügt sich ineinander, nimmt Fahrt auf. Alles schön straight ahead und mit einem kräftigen Bläserchorus-Zunder auf Tempo getrimmt.

Besagtes Feuer, es entzündet sich also ganz hübsch. Flammt aber noch mal entscheidend auf, wenn drei Backgroundsängerinnen, stimmlich wie optisch schlicht hinreißend, auf die Bühne schweben und dort die unwiderstehlichen Sirenen geben, denen dann natürlich Little Steven einfach nachfolgen muss. Mit Gitarre und in Mantel, samt unvermeidlichem Piratentuch. Ein Freibeuter des Rock’n’Roll auf musikalischer Kaperfahrt und mit seinen 66 Jahren vielleicht sexyer, in jedem Fall aber charismatischer, als es Karibikpiratchen Johnny Depp je sein könnte.

Schwächen, die sich in Stärken verwandeln

Zugegeben, das klingt jetzt hier alles eventuell etwas zu schwärmerisch. Und um auch deshalb grad mal kurz den nörgelnden Kritiker zu geben: Ja, die aktuelle Little-Steven-CD „Soulfire“ hat musikalisch partiell etwas Überfrachtetes, japst gelegentlich unter einem Zuviel der vielen möglichen Zutaten, die nicht nur eine zahlenmäßig so große Band wie die Disciples of Soul, sondern eben auch die große Tradition, an der man sich bediente, mit sich bringen kann.

Umso frappierender, wie sich diese Schwächen zum Konzert verflüchtigen, auflösen, in Stärke verwandeln. Der Grund ist simpel – Little Steven und Band sind eben vor allem Live-Musiker. Und zwar erstklassige.

Um somit also weiter zu schwärmen: Für zwei Songs lässt man zu Beginn die Flammen noch knistern, spielt sich gewissermaßen warm – bevor man dann mit Titel 4 ein bisschen Kerosin beigibt. „Love On the Wrong Side of Town“, der 1977er Southside-Johnny-&-The-Asbury-Jukes-Kracher, den einst Little Steven gemeinsam mit Kumpel Bruce Springsteen schrieb und der – man ist freilich nicht wirklich überrascht – so gut zündet wie eh und je.

Ein wenig Doo-Wop-Schmalz und Blaxploitation-Coolness

Dass sich Little Steven vor dieser Nummer seines Mantels entledigt, ist angemessen. Peitschend hymnische Bläserphrasen, ein souliges Keyboard zu den dazu passenden Background-Chorälen und dann ein erstes rotziges, flinkes Gitarrensolo – alles kraftvoll ohne Grobheit, akkurat in den Tempowechseln, eine perfekte Melange aus R&B und Rock. Und all das klangtechnisch sauber. Spätestens jetzt steht das Publikum in Flammen.

Natürlich weiß man auf der Bühne, dass man diese Flammen auch mal wieder etwas dimmen muss. Etwa mit ein wenig Doo-Wop-Schmalz („The City Weeps Tonight“), auf das man mit „Down And Out In New York City“ ein James-Brown-Cover folgen lässt, welcher mit Wah-Wah-Pedal an der Gitarre und Echoeffekt beim Flötensolo in grandioser Blaxploitation-Coolness flaniert. Dass dem dann „Princess Of Little Italy“ nach schlendert – so lässig leicht schweren Herzens – zeigt zudem ganz nebenher, mit wie viel klugem Bedacht hier auch die Dramaturgie der Stückabfolge gebaut ist.

So gelangt man selbst zum Reggae-Set mit politisierenden Texten („Solidarity“, „Leonard Peltier“, „I Am a Patriot“) genau so fließend selbstverständlich, wie von dort wieder zurück zum Rock’n’Roll ganz ursprünglichster Art: Mit Chuck Berrys „Bye Bye Johnny“ sagen Little Steven & The Disciples of Soul dem Publikum bye-bye. Fulminanter Schlusspunkt eines Konzertes, das noch lange in einem nachglüht.

Von Steffen Georgi

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