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„Zum Glück brauche ich kein Geld mehr“: Albert Hammond im Interview

Tour mit Leipziger Symphonieorchester „Zum Glück brauche ich kein Geld mehr“: Albert Hammond im Interview

Albert Hammond hat Hits für die Hollies, Johnny Cash, Whitney Houston, Joe Cocker, Tina Turner und andere geschrieben. Selbst sang er darüber, dass es in Südkalifornien nie regnet (sondern schüttet). Auf der am Freitag beginnenden Tour bringt der 72-Jährige seine Evergreens mit dem Leipziger Symphonie­orchester auf die Bühne. Bis Donnerstag haben sie im Kulturhaus Böhlen geprobt.

Geboren 1944 in London, aufgewachsen in Gibraltar: Albert Hammond sang in den 70ern „It Never Rains in Southern California“ und „I’m A Train“. In den 80ern schrieb er Hits wie „Nothing’s Gonna Stop Us Now“ und die Olympia-Hymne „One Moment In Time“.

Quelle: David von Becker

Leipzig. Interview mit Albert Hammond:

Wie viele Hits muss man schreiben, um von den Tantiemen leben zu können?

Das hängt von der Art der Hits ab. Wenn Sie Evergreens schreiben, die – wie es das Wort sagt – für alle Zeiten gespielt werden, brauchen Sie gar nicht so viele. Wenn Ihr Hit aber zwar drei Monate in den Charts oben steht, man dann aber nie wieder etwas von ihm hört, dann sollten Sie in diesen drei Monaten so viel sparen, wie Sie können. Zum Glück habe ich viele Evergreens komponiert.

Aus jedem Radio der Welt dürften Ihre Evergreens früher oder später zu hören sein. Wie fühlt sich so etwas an?

Großartig! Nicht nur, dass meine Lieder auf der ganzen Welt im Radio gespielt werden. Sondern auch zu wissen, dass die Menschen die Musik genießen und zu einem Teil ihres Lebens gemacht haben. Es fühlt sich wundervoll an.

Dagegen dürften die wenigsten Ihrer Hörer Ihren Namen oder Ihr Gesicht kennen. Stört Sie das? Wären Sie gern eine Berühmtheit?

Nein, ich wollte nie eine Berühmtheit sein. Ich wollte nur das tun, was ich liebe. Das Schöne am Musikgeschäft ist es, dass man den Menschen etwas zurücklassen kann, sogar denen, die noch gar nicht geboren sind. Wenn ich die Welt verlasse, werden meine Lieder noch da sein. Im Alltag möchte ich jedoch einfach ein normaler Typ sein. Es ist fantastisch, wenn auf der Straße niemand weiß, wer ich bin. Ich kann nach wie vor durch die Stadt gehen, ohne aufzufallen.

Ihre Lieder laufen nicht nur kontinuierlich im Radio, sie haben sich nach Schätzungen auf 360 Millionen Platten verkauft. Warum mühen Sie sich mit 72 noch ab, machen ein Album, gehen auf Tour?

Erstens ist es keine Mühe, es ist ein Vergnügen. Auch wenn die Arbeit manchmal stressig ist. Zweitens möchte ich nicht den ganzen Tag herumsitzen: nicht zu Hause und ebenso wenig unter irgendeiner Palme. Was soll ich da mit mir anfangen? Ich habe jede Menge Energie. Das Symphonie-Projekt ist zudem ja sogar für mich mit meinen 72 Jahren etwas Neues. Ich bin richtig aufgeregt: Schaffe ich das überhaupt? Oder werde ich scheitern?

Wie sind Sie und das Leipziger Symphonieorchester zusammengekommen?

Ich wollte das Symphonie-Album schon lange machen und stand dazu vor Jahren mit einer Plattenfirma in Kontakt, die allerdings nur eine Veröffentlichung in der Schweiz plante. Dieses Label stellte damals den Kontakt nach Leipzig her, aber dann wurde doch nichts aus dem Projekt. Erst nach meinem Berliner Konzert vergangenes Jahr kam wieder Schwung in die Sache: Auf einmal wollte der Musikmulti BMG ein neues Album von mir. Ich antwortete: Es gibt nur noch eine Platte, die ich unbedingt machen möchte, und zwar mit klassischem Orchester. BMG war bereit, mir alle meine Wünsche zu erfüllen: Rob Mathes als Arrangeur, einen Studiotermin in der Abbey Road mit dem London Royal Philharmonic Orchestra und die Aufnahme der Rhythmusgruppe in einem feinen New Yorker Tonstudio. Nachdem das Album im Kasten war, kam ich auf die Idee mit der Tour – und da fiel mir das Leipziger Symphonieorchester wieder ein.

Wie haben Sie die zwölf Lieder des „In Symphony“-Albums und die 20 Stücke ausgewählt, die Sie nun live spielen? Viele Hits müssen Sie weglassen ...

Ja, und ich leiste mir sogar den Luxus, Lieder zu berücksichtigen, die nie Hits waren! Ich begann mit 100 Stücken und siebte mehr und mehr Songs aus. Natürlich sind ein paar der Klassiker wie „It Never Rains In Southern California“ dabei. Aber eben auch zwei Lieder in einer anderen Sprache, eines davon ein Duett mit mir selbst. Ich wollte unbedingt ein Duett haben und überlegte, mit wem ich es singen könnte. Doch wenn ich Kollegen gefragt hätte, hätten sie sich nur Entschuldigungen ausdenken müssen. Das wollte ich ihnen und mir ersparen.

Stattdessen greifen Sie ausnahmsweise zu einem Lied, das Sie nicht selbst komponiert haben: „Estrellita“ des mexikanischen Komponisten Manuel Maria Ponce. Sie haben das Stück schon als Achtjähriger gesungen, und es gibt davon sogar eine Schallplatte. Was ist das für eine Geschichte?

Damals kaufte sich mein Onkel eine Maschine, die Schellackplatten presst, 78 Umdrehungen pro Minute. Sie war kaputt, aber er reparierte sie. Und er wollte sie ausprobieren. Ich sang im Kirchenchor, und dann fragte er noch den Typen, der in der Schule Klavier spielte. Tatsächlich: Die Maschine funktionierte! Ich behielt ein Exemplar der Platte, suchte sie jetzt und fand sie sogar. Ich kopierte sie auf CD und versuchte, den Klang etwas aufzuhellen. Ponce schrieb „Estrellita“ 1912, und nun singt es der Albert Hammond von 1953 mit dem Albert Hammond von 2016 im Duett. Ich finde das großartig.

Von „Just Walk Away“, mit dem Céline Dion erfolgreich war, singen Sie ebenfalls – wie schon Josh Groban – eine spanische Version: „Alejate“. Warum?

Ich denke dabei an den hispanoamerikanischen Markt. In Lateinamerika und Spanien bin ich ja eher mit spanischen als mit englischen Liedern bekannt. Um das Album dort ebenfalls zu veröffentlichen, werde ich weitere Stücke auf Spanisch einsingen, vermutlich „When I Need You“, „The Air That I Breathe“ und ein paar mehr. Wobei mich auch die deutschen Fans oft auffordern: Sing doch mal spanisch!

Aber Englisch ist Ihre Muttersprache, oder?

Schon. Es ist die Sprache meiner Eltern und die Amtssprache Gibraltars. Aber wenn ich darüber nachdenke: Als ich aufwuchs, sprach ich beide Sprachen, ohne zu merken, dass es zwei sind. Als Kind redest du mal so, mal so, mischt beides und weißt gar nicht genau, was du da machst. Für mich war es immer eins – und auf eine bestimmte Weise ist es das noch immer. Ich denke nicht spanisch oder englisch und muss beim Reden nicht überlegen, welche Sprache gerade gefragt ist. Die Worte kommen einfach – plump – aus mir heraus.

Man übersieht manchmal, dass Ihre Lieder nicht nur von Liebe handeln. Auch politische Texte gehören zu Ihrem Schaffen. Worüber sollte ein politischer Liedermacher heute singen?

Ich glaube nicht, dass es politische Songwriter gibt. Es gibt nur Songwriter, die über Situationen schreiben, in denen sie leben. Persönlich finde ich, dass sich die Welt in die falsche Richtung entwickelt, weil wir verlernt haben innezuhalten. Alles muss immer nur schnell, schnell gehen. Ich bin auf dieser Welt nur ein kleines Sandkorn und habe keine Macht. Möchte ich auch gar nicht! Aber wenn ich etwas fühle, schreibe ich es auf und singe darüber. Das Album „Revolution Of The Heart“ von 2005 handelt größtenteils vom Irakkrieg, weil er mich damals eben beschäftigte. Und gut 30 Jahre vorher war „Down By The River“ der vielleicht erste grüne Hit der Popgeschichte.

Warum verließen Sie in den drei Jahrzehnten dazwischen weitgehend das Rampenlicht und agierten nur noch im Hintergrund des Musikgeschäfts?

Zum Teil, weil meine Plattenfirma nicht hinter mir stand. Ich gab dort eine Platte ab, die vier Hits enthielt, und sie sagten, da sind keine Hits drauf. Also überließ ich die Stücke anderen Künstlern – und sie landeten damit in den Hitparaden. An diesem Punkt musste ich mir eingestehen: Sie glauben nicht mehr an mich, dann mache ich eben etwas anderes ...

... mit Ihren Idolen ins Studio gehen beispielsweise.

In der Tat. Als Kind in Gibraltar gaben mir Buddy Hollys Lieder den Impuls, dass ich selbst Musiker werden wollte. Aber auch die Musik von Johnny Cash und Roy Orbison liebte ich und träumte davon, sie vielleicht eines Tages als Zuschauer zu erleben. Als ich Johnny und Roy Jahre später produzieren und Songs für sie schreiben durfte, war das wie ein wahrgewordener Traum, unglaublich. Das Leben hat es wirklich gut mit mir gemeint, und dafür bin ich sehr dankbar. Ich liebe es, Menschen glücklich zu machen. Mit der Orchestertour verdiene ich kein Geld. So viele Musiker mitzunehmen, ist sehr teuer, und wir spielen nicht in großen Stadien. Aber ich brauche ja zum Glück auch kein Geld mehr. Ich leiste mir die Tour, weil sie mir – und hoffentlich den Gästen – Freude bereitet. Ob sie wirtschaftlich aufgeht, ist egal.

Albert Hammond: „In Symphony“ (BMG). Die Tour beginnt am Freitag in Wolfsburg, weitere Termine (Auswahl): Sonntag, 23. 10., Chemnitz; Dienstag, 25. 10., Haus Auensee Leipzig; Mittwoch, 26. 10., Magdeburg.

Für das Leipziger Konzert kosten die Tickets im LVZ-Media-Store (Höfe am Brühl), den LVZ-Geschäftsstellen und unter 0800 2181050 ab jetzt bis zu 50 Prozent weniger als bei anderen Vorverkaufsstellen: je nach Platz 20,60 Euro bis 26,10 Euro.

Von Mathias Wöbking

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