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Zum Tode des Schauspielers Frank Giering

Zum Tode des Schauspielers Frank Giering

Sein Gesicht kennt fast jeder, seinen Namen jedoch nicht: Schauspieler Frank Giering spielte einprägsame Typen. Einen Psychopathen in „Funny Games", einen Kommissar in „Der Kriminalist".

Hamburg. Jetzt starb er mit 38 - die Todesumstände sind unbekannt.

Er spielte den RAF-Terroristen Andreas Baader und den Kommissar Henry Weber in der ZDF-Krimiserie „Der Kriminalist". Frank Giering, deutscher Schauspieler mit einem einprägsam melancholischen Gesicht, ist tot. Der 38-Jährige starb am Mittwochabend in Berlin, wie seine Berliner Agentur am Donnerstag bestätigte. Über die Umstände und den Ort des Todes wurden keine Angaben gemacht. Seine Eltern hätten darum gebeten, die Privatsphäre zu respektieren. Es sei aber kein Freitod gewesen. „Wir sind tief bewegt über den viel zu frühen Tod dieses jungen, talentierten Schauspielers", sagte eine Sprecherin der Odeon Film, deren Tochterfirma Monaco Film mit Giering „Der Kriminalist" drehte. „Mit Frank Giering verlieren wir einen sehr geschätzten Kollegen, der uns die vergangenen vier Jahre begleitet und bereichert hat. Unser Mitgefühl gilt in dieser schweren Zeit besonders Frank Gierings Familie."

Haneke entdecke ihn für den Film

Noch bis in den Juni hinein hatte der gebürtige Magdeburger Giering laut Odeon Film für die ZDF-Serie eine weitere Staffel gedreht. Nur sechs der geplanten acht Episoden wurden fertig. Giering wurde vor 13 Jahren als fieser Killer in dem Spielfilm „Funny Games" von Michael Haneke bekannt. Auftritte in „Absolute Giganten", „Baader", „Hierankl", „Die Rosenzüchterin" und „Störtebeker" folgten. Einer seiner letzten Filme war das WDR-Sozialdrama „Keine Angst", in dem Giering einen Kinderschänder spielte. Giering studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam. Seine ersten Engagements hatte er am Staatstheater Cottbus. In der Saison 1994/95 stand er in einer Inszenierung von „Das geheime Tagebuch des Adrian Mole" auf der Bühne. Der österreichische Regisseur Haneke entdeckte ihn schließlich für den Film. In Interviews trat Giering laut „sueddeutsche.de" meist sehr bescheiden auf. Er habe von all den Problemen mit sich erzählt, mit denen er in nicht allzu ferner Vergangenheit zu kämpfen gehabt hätte. Zum Beispiel auch sein Gewicht. Dem „Spiegel" sagte er im Februar: „Ich habe 20 Kilo abgenommen - zum Glück. Ich hatte schon immer Komplexe wegen meines Gewichts. Bei einer Größe von 1,70 Meter wog ich 78 Kilo." Der Anblick habe ihn schwer deprimiert. „Hinzu kam, dass ich mich verliebt habe." Aber: „Als die Beziehung zu Ende war, hatte ich Liebeskummer. Das hat das Abnehmen beschleunigt." Zwei längere Beziehungen habe er in seinem Leben gehabt. „Zweimal wurde ich in meinem Leben von Frauen angesprochen, daraus wurden jeweils Beziehungen. Ich kann eben einfach nicht Nein sagen", sagte er lachend. „Nein, im Ernst: Ich warte noch auf die Richtige. Ich hoffe, sie war noch nicht dabei."

Giering, das Fossil

Der Sport war nicht sein Ding: „Der einzige Sport, den ich mache, ist Schachspielen. Das liegt hauptsächlich an traumatischen Erlebnissen in der Schule. Wenn ich mich an der Turnstange hochziehen sollte, hing ich traurige zehn Zentimeter über dem Boden, und das auch nur, weil ich höher nicht springen konnte." Auch moderne Technik war ihm suspekt: „Ich würde einen Laptop gerade einmal aufklappen können. Und das auch nur, weil ich das im Fernsehen gesehen habe. Twitter, Blackberry, iPhone - das ist mir alles fremd. Ich habe auch keinen Führerschein, ich bin ein Fossil oder ein hartnäckiges DDR-Überbleibsel. Oder ich wurde 1956 eingefroren und erst 1971 wieder aufgetaut. Vielleicht bin ich deshalb so altmodisch und zurückgezogen." Giering lebte lange zu Hause bei den Eltern. „Mein Kinderzimmer war der starke Kontrast zu den Fünf-Sterne-Hotels, in denen ich während Dreharbeiten untergebracht war. Wenn ich nach Wochen wieder in die Wohnung meiner Eltern zurückkehrte, wurde mir erst bewusst, dass ich nun den Traum lebe, den ich in diesem Zuhause immer hatte:

Schauspieler zu werden. Aber das war nur ein Nebeneffekt. Ich war schlichtweg zu faul, um auszuziehen." Das Hotel Mama verließ er vor neun Jahren. „Meine Agentur hat mir die Besichtigung für eine Wohnung in Charlottenburg organisiert, die erste in meinem Leben. Ich habe direkt zugesagt. Seither wohne ich da."

dpa

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