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Zum siebenten Mal erhalten Studierende der HGB den imagefördernden Studienpreis

Zum siebenten Mal erhalten Studierende der HGB den imagefördernden Studienpreis

Ein bisschen war es wie zu Weihnachten, wenn die Kinder endlich in die Gute Stube gelassen werden. So blieb auch die Galerie mit den Arbeiten der zwölf Nominierten für den diesjährigen Studienpreis verschlossen, solange nicht Florian von Spieß, Vorsitzender des Freundeskreises, die drei Preisträger verkündet hatte.

reundeskreises, die drei Preisträger verkündet hatte. Erst dann durfte man mit leuchtenden Augen eintreten. Offizielle Begründung dieser Zeremonie war, dass die Jury tatsächlich bis zur letzten Minute um die bestmögliche Auswahl gerungen hatte.

Solch eine Entscheidung ist bei ganz disparat angelegten Arbeiten tatsächlich immer mit einem gewissen Gefühl der Ungerechtigkeit verbunden. Doch eine hohe Messlatte legte der Juryvorsitzende selbst auf: "Aufgabe der Kunst ist es, Fragen an die Gesellschaft zu stellen." Reiner Ästhetizismus müsste also darunter durchrutschen. Wie stringent dieser Anspruch durchgehalten wurde, konnte man nach der feierlichen Türöffnung überprüfen.

Nach Fragen an die Gesellschaft sieht die wandfüllende Collage aus, die dem Besucher zwangsläufig als Erstes auffällt. Der Titel, den ihr Paul Bowler und Georg Weißbach gaben, ist wie bei vielen anderen Arbeiten der Ausstellung in Englisch gehalten: "Art 'n' more". Bemerkenswert ist neben der Größe, dass die beiden Schöpfer in unterschiedlichen Fachrichtungen studieren: Buchkunst/Grafikdesign der eine, Malerei/Grafik der andere. Der in der Überschrift angedeutete Mehrwert bei dem an Streetart erinnernden Konglomerat liegt in Zitaten wie "Steigende Opferzahlen im Bereich Esoterik", frechen Bemerkungen wie "Fick dich Paul Klee", einem Skizzenbuch und einer ebenfalls collagierten TV-Präsentation zu finden.

Doch wie weitere 8 von den unter insgesamt 84 Einreichern Ausgewählten erhielt das Werk keinen Preis. Manche Arbeiten wie Thomas Taubes Video "Sorry That I Asked" oder Nobert Reissigs Tableau "Ships Will Come" waren schon früher vor Ort zu sehen.Vielleicht könnte man ja die Ausschreibung auf bisher Unveröffentliches begrenzen?

Auf den dritten Platz kam Christian Weigel mit drei Bildern von silhouettenhaft dargestelltem, ruhiggestelltem Astwerk, als "Dioramen" bezeichnet. Er studiert Fotografie, die Kennzeichnung als Renderings verdeutlicht aber, dass die Idyllen komplett einer Rechnerplatine entspringen.

Zweitplatzierte wurde Stefanie Heinze mit "Snappy Affairs". Diese zackigen Angelegenheiten - Malerei auf zwei großformatigen Tafeln - sind ein Zusammenstoßen massiger, und dennoch fragil wirkender Farbflächen, ein koloriertes Treibeismeer. Als subtil-subversiv bezeichnet es Florian von Spieß. Sicherlich weiß er, wo die heutige Subversion an dieser abstrahierenden Darstellungsweise liegt, die vor 60 Jahren ihre Hochkonjunktur hatte.

Cosima zu Knyphausen heißt die Empfängerin des Hauptpreises. Bei einem Aufenthalt in Mexiko hat sie sich des Phänomens der "Estorbos" angenommen - Hindernisse, mit denen Bewohner der Megacity sich rare Parkflächen am Straßenrand reservieren. Die Künstlerin hat einige solcher rustikalen Platzhalter durch ästhetisch andersgeartete ausgetauscht und die Aktion gefilmt. Da stellen sich natürlich Fragen an die Gesellschaft. Ist diese forcierte Aneignung ohnehin knappen öffentlichen Raumes nicht das Gegenteil einer Bewegung wie Reclaim the Streets, die eine Rückeroberung für die Bevölkerung anstrebt?

Die Befürwortung einer ungehemmten Privatisierung hat doch eher neokonservative Züge. Und warum wurde das Projekt nicht an einem Ort durchgeführt, wo es mehr Erregung erzeugt hätte? Leipzig beispielsweise. Unmittelbar vor der HGB gibt es einen eigentlich kommunalen Straßenabschnitt, den jemand okkupiert hat. Wie wäre es denn, diese Absperrpoller mal gegen soziale Skulpturen auszutauschen? Das sind nur mal so Fragen an die (lokale) Gesellschaft jenseits des zertifiziert Künstlerischen.

Studienpreis des Freundeskreises, bis 23. November; Hochschule für Grafik und Buchkunst, Wächterstr. 11, geöffnet: Di-Fr 14-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.11.2013

Jens Kassner

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