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Zur Kunst? Bitte klingeln! – Leipziger Galerie ARTAe feiert Zehnjähriges

Doppelausstellung Zur Kunst? Bitte klingeln! – Leipziger Galerie ARTAe feiert Zehnjähriges

Wer in der Gohliser Straße in Leipzig 3 zur Kunst will, muss erst mal klingeln. Seit zehn Jahren befindet sich dort die Galerie ARTAe. Rund 90 Ausstellungen gab es bisher in den eigenen Räumen. Hinzu kommt die Organisation von Präsentationen in auswärtigen Einrichtungen.

Galeristin Sabine Elsner (rechts Arno Bojaks „Fleischpflanzerln on the balcony“).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Dass die Galerienszene in Bewegung ist, neue Namen auftauchen und andere verschwinden, spricht für die Dynamik des Kunststandortes Leipzig. Doch manche Galerien behaupten sich langfristig im rauen Markt, auch außerhalb der Spinnerei. So feiert ARTAe, nahe des Leipziger Nordplatzes situiert, gerade sein zehnjähriges Bestehen mit zwei Ausstellungen.

Die Entscheidung für diesen Ort sei eher Zufall gewesen, sagt Sabine Elsner. Als sich das aus Berlin stammende Paar entschied, in Leipzig eine Galerie zu gründen, kannten sie sich in der Stadt noch nicht besonders gut aus. Vorausgegangen waren mehrere Jahre Projektarbeit in Thüringen, wohin es die Kunsthistorikerin und ihren sich als Künstler Metulczki nennenden Mann gezogen hatte. In leerstehenden Läden hatten sie temporäre Ausstellungen organisiert und dabei gerade auf dem Lande einen Hunger nach Kunst gespürt. Für die logische Folge, eine feste Institution zu schaffen, wurde dennoch Leipzig gewählt.

Bekanntester Name: Thomas Kapielski

Dass der Künstlerstamm nicht allein aus Ortsansässigen besteht, erstaunt nicht bei dieser Vorgeschichte. Der bekannteste Name ist sicherlich Thomas Kapielski, ein Urberliner. Mit seiner an Fluxus orientierten Antikunst polarisiert er das Publikum. Jenseits dieser radikalen Position findet man ein breites Spektrum. Da gibt es viel Malerei, die bei Claudia Hauptmann an den kritischen Realismus der späten DDR-Zeit angelehnt ist, bei Arno Bojak eher an den Surrealismus. Fast schon fotorealistisch sind Metulczkis Huldigungen an bierselige Lokalitäten.

Petra Ottkowski kommt eigentlich vom Konstruktivismus her, bezieht aber zunehmend Figürliches in ihre Kompositionen ein. Jürgen Kellig, Sonomi Kobayashi und andere verzichten ganz auf Gegenständliches. Malerei und Grafik trifft auf Skulptur wie von Friedemann Grieshaber oder Installationen wie von Gaby Taplick.

Enrico Niemann ist der Jüngste unter den Künstlern, Priska Streit der neueste Zugang zum Stammbestand. „Was sie mit den anderen, die teilweise schon die ganzen zehn Jahre dabei sind, verbindet, ist der Humor“, sagt Sabine Elsner. „Und die Ernsthaftigkeit“, fügt sie noch hinzu.

Familiäre Atmosphäre

Gegenwärtig stehen 14 Namen als Kern im Verzeichnis der Galerie. Rund 90 Ausstellungen gab es bisher in den eigenen Räumen. Hinzu kommt die Organisation von Präsentationen in auswärtigen Einrichtungen, die Teilnahme an der Messe CAR in Essen wie auch das Engagement für die Leipziger Jahresausstellung.

Die Mischung von Handschriften und Haltungen, die unterschiedliche Sammlergeschmäcker anspricht, mag typisch sein. Ungewöhnlich ist aber die familiäre Atmosphäre der Galerie. Da kann es gut vorkommen, dass Kinder durch die Räume wirbeln. Für Leute mit Schwellenangst ist es sicherlich nicht optimal, an der Haustür klingeln zu müssen und dann in den ersten Stock zu steigen. Es hat sich eine Schar treuer Besucher gebildet, die weiter wächst. Und mit dem sogenannten Showroom, den ARTAe seit 2012 in der Menkestraße zusätzlich betreibt, wurde auch es Schüchternen leichter gemacht, sich anzunähern.

Galerie ARTAe (Gohliser Str. 3), geöffnet Mi-Sa 15-19 Uhr; Jubiläumsausstellung Vol. 1, bis 9. April; Jubiläumsausstellung Vol. 2, Eröffnung am 22. April, 18 Uhr

Von Jens Kassner

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