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Zwang zur Genauigkeit: Am Montag feiert Kito Lorenc seinen 75. Geburtstag

Zwang zur Genauigkeit: Am Montag feiert Kito Lorenc seinen 75. Geburtstag

Als 14-Jähriger schickte Kito Lorenc erwartungsvoll ein paar Verse an den "Sonntag". Die Redakteure verwiesen ihn an die Zeitung "Der junge Pionier". Das ärgerte ihn so, dass er weiter für die Schublade schrieb, auf Deutsch übrigens, denn in seiner Jugend beherrschte der Autor, der zusammen mit Róža Domašcyna und Benedikt Dyrlich das Trio der führenden sorbischen Lyriker bildet, die Sprache seiner Ahnen nicht.

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Kito Lorenc an seinem Schreibtisch (2005).

Quelle: dpa

In einem Selbstporträt berichtet er: "Erst als ich mit einigen Jungen aus unseren Dörfern die gerade eingerichtete sorbische Internatsoberschule in Cottbus bezog, lernte ich allmählich ohne Scheu in die Häuser der Bauern zu gehen, lernte ich die Lieder der alten Kudzelina verstehen und singen, lernte ich auch die kleine, kalligraphische Schrift in Großvaters nachgelassenen Manuskripten lesen."

Heute vor 75 Jahren wurde Kito Lorenc als Sohn eines Sägewerksbesitzers in Schleife nahe Weißwasser geboren. Sein Großvater war der Schriftsteller Jakub Lorenc, der sich, Förster von Beruf, den Autorennamen "Zaleski", "der hinter dem Wald", zulegte. Er starb 1939 in Berlin, nachdem die Nazis ihn mit Schreibverbot belegt hatten. Diesem Mann, der mit seinem Roman "Die Insel der Vergessenen" Aufsehen erregte, eiferte der junge Kito nach. Noch größere Bedeutung für seinen literarischen Werdegang besaß jedoch die Begegnung mit Johannes Bobrowski (1917-1965), die ihn inspirierte.

Lorenc beschäftigte sich intensiv mit "der Sprache der Macht und der Macht der Sprache". Dabei legte er einen "Zwang zur Genauigkeit" an den Tag, den Rainer Kirsch rühmte. Schritt für Schritt entwickelte er jene unverwechselbare Tonart, die man aus seinem berühmtesten Gedicht "Rede-Wendungen" kennt: "Ich steh auf Messers Schneide/ knietief in der Kreide/ als fünftes Rad am Wagen/ und will ein Schnippchen schlagen.// Ich sauf im Sitzen Tinte,/ werf Korn in meine Flinte,/ streu Puder auf mein Haupt und jag/ die Katze aus dem Klammersack."

Nach dem Abitur hat Lorenc Slawistik in Leipzig studiert. Während dieser Zeit begann er, Strophen auf Sorbisch zu Papier zu bringen. Nach dem Diplom arbeitete er am Institut für sorbische Volksforschung in Bautzen, ehe er als Dramaturg ans dortige Theater wechselte. 1979 wagte er den Sprung in die Selbständigkeit und übersiedelte in einen Bauernhof nach Wuischke am Czorneboh. Rund ein Dutzend Gedichtbände veröffentlichte er seit seinem Debüt im Jahre 1962 und gilt weit über die Grenzen Deutschlands hinaus als Zugpferd und Galionsfigur sorbischer Wortkunst. Ulf Heise

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.03.2013

Ulf Heise

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