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Zwei Frauen, ein Mord: „Elektra“-Premiere beim kleinen Leipziger Theaterfestival „Agon“

Mühlstraße 14 Zwei Frauen, ein Mord: „Elektra“-Premiere beim kleinen Leipziger Theaterfestival „Agon“

Ein kleiner Leipziger Festival greift in der Mühlstraße 14 noch bis 20. Mai die antike Tradition des Theaterwettstreits auf. Beim „Agon“ war am Donnerstag die Premiere einer modernen „Elektra“-Fassung zu sehen.

Schlüsselszene: Elektra (Karina Zetzmann) beobachtet, wie ihre Mutter Klytaimnestra (Nicole Otrebski) mit Hilfe des Geliebten Aigisthos (Daniel Bintener) ihren Vater Agamemnon (Jan Peukert) tötet.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Wie eine lächerliche Szene aus einem lächerlichen Theaterstück kommt Elektra ihr Schicksal vor, von dem sie sich einfach nicht befreien kann. Sie muss verkraften, dass die Mutter den Vater getötet hat. Am Donnerstag feierte das Gastspiel „Elektra“ in der Mühlstraße 14 im Rahmen des kleinen Leipziger Festivals des antiken Theaters „Agon“ Premiere. An der Geschichte der Elektra hat sich einst das große Dreigestirn der Tragödienschreiber versucht, Aischylos, Sophokles und Euripides. Für diese Fassung mit dem Beinamen „Schicksalsfäden zerreißen“ übernahmen Christian Petzold und Janet Treffkorn Regie, Text und Dramaturgie. Es ist die erste Produktion der bislang unbenannten Leipziger Truppe in dieser Zusammensetzung. Im Mittelpunkt der recht minimalistischen Inszenierung stehen zwei Frauen, Hauptfigur Elektra und ihre Mutter Klytaimnestra.

Es beginnt mit einem stolzen Mann, Agamemnon, der in blaues Licht getaucht auf der Bühne steht. Das Licht erlischt, geht wieder an, und er ist jeweils mit seinem Sohn Orestes und seiner Tochter Elektra zu sehen. Dann wird das Licht rot, ein Mann und eine Frau tauchen auf. Sie umarmt ihn, das Licht geht aus, es geht wieder an und Klytaimnestra erwürgt ihren Mann, während ihr Geliebter Aigisthos ihn festhält. In der Ecke kauernd sitzt die Tochter und sieht zu. Schnell werden die unterschiedlichen Perspektiven der beiden Frauen festgelegt. Während Elektra, die sein wollte wie der Vater, mit ihrer Identität hadert, wollte sich Klytaimnestra von einem lieblosen Tyrannen befreien.

Das Geschehen kommentiert der Tradition entsprechend ein Chor, und dessen Mitglieder treffen wir trinkend und Karten spielend an, während sie sich über Elektra unterhalten, die auch Jahre später noch in ihrer Verzweiflung versinkt. Es ist eine interessante Art, ein Element darzustellen, das nicht wirklich aus vielschichtigen Rollen besteht, sondern die Fragen von Recht und Moral stellt. Hier wirkt die Truppe manchmal noch nicht ganz aufeinander eingespielt. Aber tatsächlich versinkt Elektra weiterhin in Depressionen, zeigt sich selbst genervt davon, dass sie wie eine Platte, die einen Sprung hat, einfach nicht weitermachen kann.

Agon-Festival


Samstag
(heute)

20.30 Uhr: „Drei Tragödien und ein Satyrspiel“ (Premiere)

Sonntag
(morgen)

17.30 Uhr: „Elektra“

Donnerstag

20.30 Uhr: „Drei Tragödien ...“

Samstag, 20. Mai

20.30 Uhr: „Antwort des Adonis“, „Drei Tragödien ...“, Preisverleihung, Party

Alle Veranstaltungen in der Mühlstraße 14, Eintritt jeweils 9/7 Euro, am 20. Mai 10/8 Euro, davon ein Euro für Hilfsorganisation Medica Mondiale; theatereumeniden.de

Diese innere Zerrissenheit stellt Karina Zetzmann wunderbar dar. Von der Panikattacke zum zermarternden Grübeln oder Momenten der Stärke wechselt sie mühelos, mit einer Mimik, die die kleinste Gefühlsregung offenbart. Man kann sich also glücklich schätzen, dass nicht mehr alles so ist wie in der Antike, als Frauen nicht Theater spielen durften. Klytaimnestra ihrerseits kann auch kein Glück aus der Befreiung von ihrem Mann schlagen. Der Frust über ihr Leiden wird von Daniel Bintener als Aigisthos gut rübergebracht.

Auch auf die Beziehung zwischen Elektra und ihrem Bruder Orestes konzentriert sich das Stück. Zwei Hörspielsequenzen illustrieren das Verhältnis der beiden in der Kindheit . Diese sind schön gemacht, hätten vielleicht aber etwas kürzer sein können, da in dieser Zeit auf der Bühne nicht viel passiert. Mit dem Erscheinen von Orestes werfen komplexe Dialoge Fragen der Rache auf: was Recht ist und wer es sprechen sollte. Dazu bietet das Stück noch einen weiteren Ansatz – den der Annäherung. Das darf dann auch angenehm kitschig sein.

Von Miriam Heinbuch

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