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Zweiter Sammelband der „Lesedüne“ um Marc-Uwe Kling und Leipziger Julius Fischer

„Über Arbeiten und Fertigsein“ Zweiter Sammelband der „Lesedüne“ um Marc-Uwe Kling und Leipziger Julius Fischer

Bei der Berliner Lesebühne namens „Lesedüne“ gehört satirische Gesellschaftskritik zum Grundton. Seit 2011 zählt der Leipziger Humor-Tausendsassa Julius Fischer zu dem Quartett, das zwei Mal im Monat in Kreuzberg auftritt. Das neue Lesedünen-Buch „Über Arbeiten und Fertigsein“ ist jetzt beim Leipzig-Dresdner Verlag Voland & Quist erschienen.

Julius Fischer, Marc-Uwe Kling, Sebastian Lehmann und Maik Martschinkowsky (von links) sind zusammen die Lesebühne „Lesedüne“.

Quelle: Hendrik Schneller

Leipzig. Montags herrscht relative Leere in den Kulturkalendern deutscher Städte. Die Menschen sind offensichtlich satt vom Wochenende. Was die Kreuzberger Lesebühne „Lesedüne“ mit Recht nicht davon abhält, ihre Veranstaltungen jeden zweiten und vierten Montag im Monat anzusetzen: Das Publikum füllt treu den Saal. Und wer wissen will, warum das so ist, aber montags lieber zu Hause bleibt, der kann das mit dem Buch „Über Arbeiten und Fertigsein“ ergründen. Bei Voland & Quist ist jetzt der zweite Sammelband der Düne erschienen, zu der seit 2011 der Leipziger Humor-Tausendsassa Julius Fischer gehört. Neben Marc-Uwe Kling, Sebastian Lehmann und Maik Martschinkowsky.

Dünenanspruch ist es, nicht als literarisch verbrämter Comedy-Club zu versanden. Satirische Gesellschaftskritik gehört zum Grundton. Meist geht es neben Berlin-Zumutungen um die Lebensbedingungen im Neoliberalismus und Arbeitsmarkt-Darwinismus. Ein Kontext, vor dem besonders Lehmann und Martschinkowsky gern kokett ihre Biografien als Endlosstudenten ausspielen. Aus Perspektive der verschulten neuen Bachelor-Welt hiesiger Universitäten wirken die akademischen Magister-Biografien von Anfang-Dreißigern irgendwie Mammut-artig anachronistisch. Was Lehmann in einer Story so beschreibt: „Repression und Überwachung kannten wir Magisterstudenten nur aus den Büchern Michel Foucaults, die Bachelors erfuhren es am eigenen Leib. Sie hatten Anwesenheitspflicht, mussten während der Seminare den Dozenten die Füße massieren (...)“

Entlarvende Gegenwartskritik, die sich harmlos anschleicht

Groteske Übertreibung ist das gängige, meist zündende Stilmittel der Kurzgeschichten. Julius Fischer erzählt vom Packer beim Umzug, der sich den Arm wieder ins Gelenk steckt, wenn mal was reißt. Lehmann nimmt die Auswüchse des modernen Großstadt-Tourismus unter die Lupe. Seine Freundin hat die Wohnung über Airbnb vermietet, er flüchtet ins Hotel – und triff fast alle aus gleichen Gründen getürmten Nachbarn.

Marc-Uwe Kling verpackt seine entlarvende Gegenwartskritik, die sich gern harmlos anschleicht und dann in einem Nebensatz entlädt, in Anekdötchen über sein Leben mit einem kommunistischen Känguru. Das hat ihm drei Bestseller beschert. Und sorgt auch im vorliegenden Band für die satirischen Höhepunkte. Kling kann es aber auch ohne Beuteltier: Analog zum Märchen vom dicken, fetten Pfannkuchen macht sich ein Arbeitsplatz auf und davon, läuft allen Bewerbern davon, um sich in einem Land ohne Arbeitsstandards drei armen Kindern zu schenken. Die dürfen jeden Tag 16 Stunden arbeiten. Kleines Märchen, große Globalisierungskritik.

Kling, mit deutschem Kleinkunst-, Hörbuch- und Sonstwaspreis überhäuft, ist fraglos der Star der Lesebühne. Da muss sich sogar Julius Fischer, immerhin mit der MDR-Sendung „Comedy mit Karsten“ im Fernsehen präsent und am Sonntag mit dem Fuck Hornisschen Orchestra im ausverkauften Leipziger Täubchenthal, hinten anstellen. Und wie er das und die Kollegen tun, gibt dem 170-Seiten-Sammelband einen sympathischen roten Faden im TV-Soap-Gewand. Die Autoren nehmen die Kollegen oder sich selbst aufs Korn. Fischer beschreibt, wie sie auf dem Weg zum Auftritt erkannt wurden. „Hey, seid ihr nicht Marc-Uwe Kling und die drei anderen? Ja, riefen wir drei anderen begeistert.“

Die Lesedüne: „Über Arbeiten und Fertigsein“. Voland & Quist; 176 Seiten, 9,99 Euro

Von Dimo Rieß

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