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euro-scene Leipzig: Doppelter "Tanz aus Prag" im Lofft

euro-scene Leipzig: Doppelter "Tanz aus Prag" im Lofft

Zweimal "Tanz aus Prag" gab es im Rahmen der euro-scene am Mittwoch im Lofft zu sehen. Und wer vor Kurzem zum Off-Europa-Festival noch staunen durfte, was an starkem Theater aus der Slowakei auf hiesigen Bühnen geboten wurde, hatte jetzt allen Grund neugierig zu sein, ob und wie da der tschechische Nachbar mithalten kann.

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Quelle: Jan Komarek

Zumal Choreographin und Tänzerin Andrea Miltnerová keine Unbekannte ist. 2011 gastierte sie schon einmal zur euro-scene, jetzt präsentiert sie ihren "Tanz der magischen Ballerina". Ein Stück, das faszinierend anhebt, wenn Miltnerová im klassischen Tutu vom wummernden Industrial-Sound in sich steigernde Rotationen eckig-akkurater Oberkörperbewegungen versetzt wird. Gleichzeitig stehen dazu die Beine fest auf einen Punkt fixiert - gelungene Verkörperung einer gespenstischen Zweigeteiltheit, die das ausladende Tutu ins Dramatische verstärkt. Exerzitien einer Puppe, die aus ihrer Mechanik ausbrechen will.

Das wirkt wie ein Traum Hans-Christian Andersens. Ein dunkler Kunstmärchen-Tanz vom Objekt, das sich beseelt und zu Metamorphosen gelangt, für die Miltnerová immer wieder schöne Bilder findet. Poetisch, wie da der Körper versinkt im Tüllweiß des Tutu, das sich um ihn breitet wie Schmetterlingsflügel.

Nur, dass sich derlei zunehmend reiht. Auch, weil die anfänglich martialische Musik plötzlich gern im ätherisch-sphärischen oder betulichen Lounge-Sound wabert. Auch, weil die Lichtdramaturgie in ihrer Vorliebe fürs diffuse Halbdunkel zum prätentiösen Getue verkommt. Was alles wiederum vor allem einen schlichten Grund hat: Die choreografischen Ideen verlieren an Dichte. Das Komprimierte dünnt sich aus ins Beliebige wie das Originelle ins Konventionelle.

Kein seltenes Problem, wenn Choreographie und Tanz eine Personalunion bilden. Zu oft fehlt da der strenge Regieblick von außen und somit ebenso oft der Mut zum Schnitt, die Einsicht zur Begrenzung, das Gespür fürs Timing.

Was auch die zweite Aufführung des Abends spüren lässt. Im Grunde kann man dem Tanzduett "Orbis pictus" passgenau die gleichen Vorwürfe machen wie der "Magischen Ballerina". Nur dass hier schon der Anfang ahnen lässt, wo es enden wird, umgarnen sich doch auf der Bühne Dagmar Chaloupková und Michal Záhora recht flugs in bedeutungsschwangeren Posen (inklusive biblischer Motive), wenn sie C.G. Jungs "Das Rote Buch" tänzerisch reflektieren. Das neben Záhora noch Lenka Bartùnková für die Choreographie verantwortlich zeichnet, also einen Außenblick markiert, hat nichts genützt. Zu gravitätisch, zu esoterisch auch, säuseln die Innerlichkeitsklischees in Ausgiebigkeit. Steffen Georgi

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.11.2013

Steffen Georgi

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