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Depeche Mode-Sänger Dave Gahan kann sich auch nach 25 Jahren noch genau erinnern: Nach einem Konzert im März 1988 in Ost-Berlin war seine Band im Hotel quasi eingesperrt; offiziell wegen einer „Sperrstunde“.

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Die britische Popband „Depeche Mode“ bei ihrem Konzert in Ost-Berlin in der Werner Seelenbinder-Halle im März 1988.

Quelle: dpa

Berlin. „Das finden 23-/24-jährige Jungs aus Essex natürlich seltsam, wenn ihnen die Freiheit genommen wird“, schildert der Brite in der MDR-Dokumentation „Mein Sommer “88 - Wie die Stars die DDR rockten“ (5. Juli, 20.15 Uhr).

Ob Depeche Mode, James Brown, Joe Cocker oder Bruce Springsteen: Ein Jahr vor dem Fall der Mauer bekamen die DDR-Jugendlichen auf Konzertbühnen plötzlich mehr zu sehen als Puhdys, Karat und Co. 90 Minuten lang bieten nun zahlreiche Zeitzeugen - Musiker, Fans und Veranstalter - einen abwechslungsreichen und amüsanten Einblick in das geschichtsträchtige Konzertjahr am Ende des Kalten Krieges. In dem Film von Carsten Fiebeler („Sushi in Suhl“) und Daniel Remsperger sind auch unveröffentlichte Mitschnitte der damaligen Konzerte zu sehen.

„Der Großteil der DDR-Bevölkerung - und vor allem der Jugendlichen - hatte sich innerlich schon verabschiedet von dem Land“, schildert City-Sänger Toni Krahl die damalige Situation. Und auf West-Berliner Seite wurde kräftig mit dafür gesorgt, dass die DDR-Jugend Hunger auf mehr bekommt. Die Doku erinnert auch an Konzerte am westlichen Teil der Mauer, wo etwa David Bowie, Michael Jackson und Pink Floyd spielten - und so manch junger Zuhörer auf Ost-Berliner Seite mithörte; Sprechchöre „Die Mauer muss weg“ inklusive.

„Wir schicken unsere besten Wünsche an all unsere Freunde auf der anderen Seite der Mauer“, sagt Bowie auf der Bühne. Und der West-Berliner Konzertveranstalter Peter Schwenkow schildert, dass Pink Floyd wollte, „dass ganz Ost-Berlin vibriert“. Weil er die Lärmauflagen nicht eingehalten habe, sei er von einem Gericht zu 95 000 DM Strafe verurteilt worden. „Das war es aber wert“, sagt er.

Roland Claus, damals Mitglied im FDJ-Zentralrat, schildert die Lage so: „Mit einer Reihe von Großkonzerten wollten wir einfach eine andere Facette als die der Konfrontation bedienen. Wir haben jungen Leuten Rockmusik angeboten, die auch sehr gut angenommen wurde.“

Mit 160 000 Zuschauern wurde der Open-Air-Auftritt von Bruce Springsteen zum größten Rockkonzert der DDR. Die Karten kosteten 20 Ost-Mark; umzäunt war das Areal aber nicht. Bei der Organisation blieben Probleme nicht aus: Das Konzert firmierte zunächst unter dem Motto „Ein Herz für Nicaragua“. „Wir brauchten etwas für die Legitimation“, sagt Claus. Allerdings wurden weder der Künstler noch das Management eingeweiht. Als diese Wind davon bekamen, war der Ärger riesig. „Jemand sagte mir: Nicaragua - das ist die Gruppe, die das Konzert sponsert; so wie Pepsi Konzerte in den USA“, erinnert sich Springsteens Manager Jon Landau. Dennoch wurden in letzter Minute alle Nicaragua-Banner entfernt, weil Springsteen und Co sich nicht politisch vereinnahmen lassen wollten.

Mehr Glück hatten die Organisatoren bei Depeche Mode: Die Briten traten am 7. März auf - dem FDJ-Geburtstag. Und so feierte die Ost-Jugendorganisation mit Gästen aus Feindesland. Joe Cocker wiederum war es nicht ganz geheuer, östlich des Eisernen Vorhangs auftreten zu dürfen. „Als wir die Grenze passierten, sagte unser Manager: „Macht hier nur keinen Aufruhr“! - Der Gedanke, dort für irgendetwas ins Gefängnis gesteckt zu werden, ging einem nicht aus dem Kopf“, erinnert sich Cocker heute.

Ob die Fans oder die Stars: Alle bezeichnen die Konzerte als unvergesslich. „Erst hab ich gedacht „Mann, ist der klein. Dann hab ich vor Freude richtig, richtig geheult““, erinnert sich Springsteen-Fan Andrea Jährling. Der „Boss“ selbst sagte in einer Konzertpause damals: „Es ist fantastisch. Es ist etwas, was ich schon lange wollte.“ Und er erinnert sich, dass die Fans US-Flaggen aus Stoffresten zusammengenäht hatten. Für Joe Cocker war die Show in Dresden „eines jener Dinge im Leben, die immer bestehen werden.“ Und der Ost-Berliner Musiker Dirk Zöllner, der im Vorprogramm von James Brown spielen durfte, schwärmt: „Es ging drunter und drüber. Es war ein Rausch. Für alle.“

Sophia-Caroline Kosel, dpa

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