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100 Jahre Meteorologie: Von der Zeppelin-Polarfahrt zur Jagd auf Eiswolken

100 Jahre Meteorologie: Von der Zeppelin-Polarfahrt zur Jagd auf Eiswolken

Die Erkundung klimarelevanter Prozesse in der Arktis wollen die Experten des Leipziger Uni-Institutes für Meteorologie (LIM) weiter intensivieren. Beim Festkolloquium am Donnerstag anlässlich des 100-jährigen Bestehens von meteorologischer Lehre und Forschung an der Alma mater sagte LIM-Direktor Professor Manfred Wendisch, derzeit werde der Antrag für eine koordinierte Forschungsinitiative ausgearbeitet, die sich auf das Polargebiet beziehe.

Leipzig. Nachdem Experten des Institutes bereits 2010 und 2012 mit Spezialflugzeugen in der Arktis unterwegs waren, werden sie im kommenden Frühjahr wieder dorthin aufbrechen, für 2016 ist eine Fahrt an Bord des Forschungsschiffes "Polarstern" geplant. Wendisch und seine Kollegen spüren unter anderem dem Phänomen der kalten Wolken nach, die nur Eiskristalle oder aber diese und Wassertröpfchen enthalten. Beim Einfluss solcher Wolkengebilde auf das Klimageschehen und die regionale Niederschlagsverteilung gibt es noch erheblichen Klärungsbedarf.

Zum Forschungsprofil des LIM, an dem über 100 Kommilitonen studieren und das jährlich bis zu 500.000 Euro an Drittmitteln für Wissenschaftsvorhaben einwirbt, gehören auch die Klimamodellierung, die bodengestützte Fernerkundung und die Sondierung der Hochatmosphäre. Uni-Rektorin Beate Schücking attestierte dem Institut eine hohe Ausbildungsqualität und eine starke Vernetzung mit Kooperationspartnern, insbesondere mit dem hiesigen Leibniz-Institut für Troposphärenforschung. Was den von den Meteorologen gewünschten Neubau betreffe, könne sie aber auch zum Jubiläum keine Versprechungen machen. "Ich bin nicht der Typ, der jetzt zum großen Geburtstag einfach mal so sagt, der Neubau wird schnell kommen", so die Professorin.

1993 war die 1968 im Zuge der DDR-Hochschulreform abgewickelte Uni-Meteorologie wiederbelebt worden und hat seitdem ihren Sitz im Turmbau in der Stephanstraße, in dem es - angesichts der 35 Mitarbeiter und der Studentenschar - beengt zugeht. Üppig war auch 1913 die Raumausstattung nicht, als der Norweger Vilhelm Bjerknes sein Amt als Direktor des neu gegründeten geophysikalischen Institutes der Uni antrat. Mit vier Assistenten arbeitete er in einem Hinterhaus in der Nürnberger Straße 57. Seine Antrittsvorlesung stellte der Gelehrte unter den Titel "Die Meteorologie als exakte Wissenschaft" und hielt ein Plädoyer für das Vorausberechnen des Wetters. Wenn das nur von einem Tag auf den anderen gelänge, wäre "der wissenschaftliche Sieg errungen".

Für die Rückschau war gestern Hans Volkert zuständig, der am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen Atmosphärenphysik betreibt und bei seinem Vortrag zum Festkolloquium munter durch die Leipziger Meteorologie-Geschichte streifte. Als Bjerknes 1917 nach Norwegen zurückkehrte, übernahm Robert Wenger das Geophysik-Ordinariat und wollte einen Flugwetterdienst etablieren. 1922 starb er an der Spanischen Grippe und Ludwig Weickmann wurde Institutsdirektor "Unsere Atmosphäre ist eine Wärmemaschine von außerordentlicher Genauigkeit. Wer sie nur punktuell beobachtet, wird nicht hinter ihre Gesetzmäßigkeiten steigen, sondern nur Willkür und Launen entdecken", notierte er 1927. Vier Jahre später fungierte er als meteorologischer Leiter einer Expedition mit dem Luftschiff "Graf Zeppelin". Eine 7000-Kilometer-Schleife über arktischem Gebiet wurde gezogen. Weickmann begründete damit jene Traditionslinie, die von den Uni-Meteorologen mit ihren Messflügen in polaren Gefilden nun kontinuierlich fortgesetzt wird.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.07.2013

Mario Beck

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