Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bildung 16. Schule in Volkmarsdorf - auf den Spuren einer Baronesse
Leipzig Bildung 16. Schule in Volkmarsdorf - auf den Spuren einer Baronesse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:59 28.11.2013
Die 16. Oberschule in der Konradstraße in Volkmarsdorf. Quelle: André Kempner

Die ist nicht irgendeine Bildungsstätte. Was nicht zuletzt daran liegt, dass sich die Einrichtung in Volkmarsdorf befindet. Jenem Ortsteil von Leipzig mit dem höchsten Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund (31 Prozent).

"Von den 400 Mädchen und Jungen der 16 Klassen haben 192 einen Migrationshintergrund. Bei uns werden Schüler aus mehr als 40 Nationen unterrichtet", sagt Schulleiter Uwe Hempel. Das schafft fast unüberwindliche Probleme, sollte man meinen. "Dem ist aber nicht so", betont Hempel, studierter Mathematiker, Physiker und Informatiker. "Natürlich sind die pädagogischen Anforderungen an die 37 Lehrer des Kollegiums und unsere sechs Gastlehrer besonders hoch." So würden Schüler aus anderen Kulturkreisen oft kein einziges Wort Deutsch sprechen, ja nicht einmal lateinische Schriftzeichen kennen. "Deshalb bringen wir ihnen in zwei Gruppen mit unterschiedlichem Ausgangsniveau erst einmal Grundlagen der deutschen Sprache bei", erläutert Hempel. Nach drei bis vier Monaten intensiven Deutsch-Unterrichtes werden die Mädchen und Jungen dann in die Regelklassen eingegliedert.

Typisch für den Geist, den die Bildungsstätte prägt, war die Suche nach einem Namen. "Die Schüler, aber auch alle Lehrenden, sollten sich mit ihm identifizieren und er sollte einen Bezug zum Wohngebiet haben", sagt Pädagoge Jens Tiburski, der das Verfahren zur Namensfindung leitete. Die Vorschläge von Schülern, Eltern und Lehrern mündeten in einer Wahlliste, die 15 Persönlichkeiten umfasste. Darunter jener von Regine Hildebrandt, der 2001 verstorbenen populären Sozialdemokratin. Auch Herrmann Julius Meyer, einst Chef des Bibliographischen Institutes und Gründer des Vereins zum Bau von Sozialwohnungen, und Kaufmann Franz Dominic Grassi, der sein millionenschweres Vermögen der Stadt Leipzig vermachte, befanden sich in der engeren Wahl. Nachdem Schüler, Lehrer, Eltern und Schulsozialarbeiter votiert hatten, setzte sich bei der Stimmenauszählung mit großem Vorsprung eine Frau durch, die im 19. Jahrhundert mit ihrem sozialen Engagement das Leben im Leipziger Osten maßgeblich prägte: die Baronesse Clara Hedwig von Eberstein. Die Herrin des einstigen Schönefelder Rittergutes setzte sich stets für die hiesigen Händler und Gewerbetreibenden ein. In der von ihr gegründeten Mariannenstiftung wurden mittellose Töchter unterstützt.

Ab 1. Januar 2014 will die 16. Schule nun ihren Namen tragen. Das bedarf freilich noch der Zustimmung des Stadtrates, der in seiner Dezember-Sitzung darüber befinden wird. Im Stadtbezirksbeirat Ost wurde Clara Hedwig von Eberstein bereits einmütig abgesegnet. "Die Schüler sollen Traditionen, Werte, Regeln und Normen der eigenen und anderer Kulturen kennenlernen und gegenseitige Achtung, Toleranz und Akzeptanz üben", begründet die Vorlage den Namensvorschlag. "Für unsere Schule ist dieser Anspruch zugleich Programm", betont Hempel.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.11.2013

Günther Gießler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Leipziger Edouard-Manet-Schule lädt am Donnerstag zu einem Schnuppertag für künftige Thomaner. Ab 16 Uhr begrüßen die Kinder der Thomaner-Klassen 1 und 2 das interessierte Publikum mit einem Konzert.

27.11.2013

Studenten der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) haben für das kommende Jahr zum nunmehr vierten Mal einen Bibliothekskalender fertig gestellt.

27.11.2013

Am kommenden Montag begeht die Universität Leipzig den Dies academicus. An diesem Tag findet kein gewöhnlicher Lehrbetrieb statt, dafür öffnet die Hochschule der Öffentlichkeit ihre Türen und zelebriert so den 604. Geburtstag der Alma mater Lipsiensis.

26.11.2013
Anzeige