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16. Schule in Volkmarsdorf - auf den Spuren einer Baronesse

16. Schule in Volkmarsdorf - auf den Spuren einer Baronesse

Es steht inmitten eines Wohngebietes, das zu den sozialen Brennpunkten der Stadt gehört - das altehrwürdige Schulgebäude in der Konradstraße. Vor 124 Jahren eröffnet, beherbergt es heute die 16. Oberschule.

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Die 16. Oberschule in der Konradstraße in Volkmarsdorf.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die ist nicht irgendeine Bildungsstätte. Was nicht zuletzt daran liegt, dass sich die Einrichtung in Volkmarsdorf befindet. Jenem Ortsteil von Leipzig mit dem höchsten Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund (31 Prozent).

"Von den 400 Mädchen und Jungen der 16 Klassen haben 192 einen Migrationshintergrund. Bei uns werden Schüler aus mehr als 40 Nationen unterrichtet", sagt Schulleiter Uwe Hempel. Das schafft fast unüberwindliche Probleme, sollte man meinen. "Dem ist aber nicht so", betont Hempel, studierter Mathematiker, Physiker und Informatiker. "Natürlich sind die pädagogischen Anforderungen an die 37 Lehrer des Kollegiums und unsere sechs Gastlehrer besonders hoch." So würden Schüler aus anderen Kulturkreisen oft kein einziges Wort Deutsch sprechen, ja nicht einmal lateinische Schriftzeichen kennen. "Deshalb bringen wir ihnen in zwei Gruppen mit unterschiedlichem Ausgangsniveau erst einmal Grundlagen der deutschen Sprache bei", erläutert Hempel. Nach drei bis vier Monaten intensiven Deutsch-Unterrichtes werden die Mädchen und Jungen dann in die Regelklassen eingegliedert.

Typisch für den Geist, den die Bildungsstätte prägt, war die Suche nach einem Namen. "Die Schüler, aber auch alle Lehrenden, sollten sich mit ihm identifizieren und er sollte einen Bezug zum Wohngebiet haben", sagt Pädagoge Jens Tiburski, der das Verfahren zur Namensfindung leitete. Die Vorschläge von Schülern, Eltern und Lehrern mündeten in einer Wahlliste, die 15 Persönlichkeiten umfasste. Darunter jener von Regine Hildebrandt, der 2001 verstorbenen populären Sozialdemokratin. Auch Herrmann Julius Meyer, einst Chef des Bibliographischen Institutes und Gründer des Vereins zum Bau von Sozialwohnungen, und Kaufmann Franz Dominic Grassi, der sein millionenschweres Vermögen der Stadt Leipzig vermachte, befanden sich in der engeren Wahl. Nachdem Schüler, Lehrer, Eltern und Schulsozialarbeiter votiert hatten, setzte sich bei der Stimmenauszählung mit großem Vorsprung eine Frau durch, die im 19. Jahrhundert mit ihrem sozialen Engagement das Leben im Leipziger Osten maßgeblich prägte: die Baronesse Clara Hedwig von Eberstein. Die Herrin des einstigen Schönefelder Rittergutes setzte sich stets für die hiesigen Händler und Gewerbetreibenden ein. In der von ihr gegründeten Mariannenstiftung wurden mittellose Töchter unterstützt.

Ab 1. Januar 2014 will die 16. Schule nun ihren Namen tragen. Das bedarf freilich noch der Zustimmung des Stadtrates, der in seiner Dezember-Sitzung darüber befinden wird. Im Stadtbezirksbeirat Ost wurde Clara Hedwig von Eberstein bereits einmütig abgesegnet. "Die Schüler sollen Traditionen, Werte, Regeln und Normen der eigenen und anderer Kulturen kennenlernen und gegenseitige Achtung, Toleranz und Akzeptanz üben", begründet die Vorlage den Namensvorschlag. "Für unsere Schule ist dieser Anspruch zugleich Programm", betont Hempel.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.11.2013

Günther Gießler

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