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Abgänger ohne Abschluss - Leipzig ist Negativspitzenreiter in Sachsen

Abgänger ohne Abschluss - Leipzig ist Negativspitzenreiter in Sachsen

Die Caritas, der Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche, hat bundesweit ausgewertet, wie viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen. Für Leipzig sprang eine gute und eine schlechte Nachricht heraus: Zum einen ist dort die Quote der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss rückläufig, betrug zuletzt knapp 12,5 Prozent (2012).

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Das Zeugnis bringt es ans Licht: Manchmal können Schüler ihre schlechten Noten nicht mehr rechtzeitig ausgleichen.

Quelle: dpa

Leipzig. Im Jahr zuvor waren es noch rund 14,2 Prozent. Doch leider liegt das alles deutlich überm Sachsen- und Bundesdurchschnitt. Im Freistaat beträgt die aktuelle Quote rund 8,3 Prozent (2011: 9%), bundesweit 6 Prozent (2011: 5,6%). Bezogen auf Sachsen liegt Leipzig auch noch an der Spitze, gefolgt von Chemnitz mit 11,2 Prozent. Am besten schnitt hier der Erzgebirgskreis ab - mit 6,4 Prozent.

Roman Schulz, Sprecher der regionalen Bildungsagentur, sieht unter anderem eine Ursache in der "Besonderheit der Förderschulstruktur in Leipzig". Laut Caritas macht in der Messestadt der Anteil der Förderschüler an allen Schülern allgemeinbildender Schulen rund 6,5 Prozent aus, anderswo in Sachsen sind es weniger. "Bei uns vor Ort können überhaupt nur 20 Prozent dieser Schüler an einigen speziellen Förderschulen einen Haupt- oder Realschulabschluss erwerben. Die anderen erhalten einen gesonderten, der jedoch nicht als Hauptschul- oder Realschulabschluss zählt", erläutert Schulz.

"Wenn man bedenkt, dass es sehr schwer ist, ohne Schulabschluss einen Ausbildungsplatz und damit auch beruflich eine Perspektive zu finden, ist jeder betroffene junge Mensch eben einer zu viel", bewertet Leipzigs Caritas-Geschäftsführer Tobias Strieder die jüngsten Zahlen. Die jetzige Studie ist für ihn daher auch ein Plädoyer für Schulsozialarbeit; explizit für Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Doch gerade aus dieser Finanzierung ziehen sich Bund und Freistaat zurück. Entsprechende Proteste hagelte es zuletzt mehrfach. Wie berichtet, sammelte der Stadtelternrat Unterschriften. Auch nach dessen Ansicht gehört Schulsozialarbeit an jede Schule. "Doch davon sind wir in Leipzig momentan noch weit entfernt", sagt Strieder. "Schulen in freier Trägerschaft sind bisher von einer öffentlichen Finanzierung sogar ganz ausgeschlossen."

Ein Antrag für Schulsozialarbeit am Bischöflichen Montessori-Schulzentrum in Grünau etwa sei erst jüngst abgelehnt worden, obwohl die psychosozialen Belastungen von Kindern und Jugendlichen in diesem Stadtteil besonders hoch seien, und diese Erscheinungen auch vor einer freien Schule nicht Halt machten, betont er. Zwar gebe die Stadt ob ihrer begrenzten Möglichkeiten in puncto Schulsozialarbeit ihr Bestes. Man dürfe jedoch nicht außer Acht lassen, dass es weiterer "Bausteine" und der Zusammenarbeit verschiedener Arbeitsfelder und Zuständigkeiten bedarf, damit Schüler mit Mehrfachproblemen im Schulalltag Unterstützung erfahren, so Strieder. "Das betrifft Rahmenbedingungen und Lernklima ebenso wie die Größen von Schulklassen oder den Anteil von Ausfallzeiten mit dem einhergehenden Lehrermangel sowie frühe Hilfsangebote - möglichst schon in der Grundschule -, die im System Schule so nicht vorgesehen sind", sagt er.

Strieder führt an dieser Stelle freie Träger der Jugendhilfe ins Feld, zu denen auch die Caritas gehört. Etwa mit ihrem Grünauer Familienzentrum. Im Prinzip, so der Caritas-Mann, trage jeder offene Jugendtreff, der sinnvolle Angebote in der Freizeit anbietet, sein Scherflein bei. In diesem Bereichen sieht Strieder noch Reserven, um vor Ort die Zahl derer, die ohne Schulabschluss ins Leben starten, weiterhin zu drücken.

Freie Träger wie Plan L in Leipzig stimmen ihm zu, machten indes gerade kontraproduktive Erfahrungen. Zwei Jahre bot die gemeinnützige GmbH ein Projekt für schulmüde- und -verweigernde Jugendliche an. "Die Förderung, es waren Mittel der EU, lief Ende Juni aus. Weiter geht es momentan nicht", bedauert Plan-L-Mitarbeiterin Monika Then.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.07.2014

Angelika Raulien

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