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Absturz nach sechs Sekunden – Debatte am Leipziger Raumfahrtbildungsinstitut

Absturz nach sechs Sekunden – Debatte am Leipziger Raumfahrtbildungsinstitut

Zwei Fehlschläge binnen einer Woche: Am Leipziger Institut für Raumfahrtbildung (Isei) sorgen die Abstürze der Antares-Rakete und des Spaceship Two in den USA für Diskussionsstoff.

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Durch die Antares-Explosion beschädigte Startanlagen von Wallops Island.

Quelle: dpa

Ralf Heckel, der Chef des als Verein organisierten Institutes, ist nicht nur bestens mit der Nasa vernetzt, sondern verfolgt seit Langem auch die Aktivitäten privater Firmen, die sich dem Weltraumtourismus verschrieben haben oder Speditionsleistungen für die Nasa erbringen. Als im April 2013 das erste Antares-Projektil des kommerziellen Dienstleisters Orbital Science Corporation von Wallops Island auf der Rampe stand, war er vor Ort und interviewte Startplatz-Manager Darrell Gheen. Damals antwortete Gheen auf die Frage, ob er Lampenfieber habe: "Ich war 30 Jahre beim Space-Shuttle-Programm aktiv, habe zwei Katastrophen miterlebt und 14 Freunde verloren. Da lernt man mit allem umzugehen."

Als am Dienstag voriger Woche die Antares sechs Sekunden nach dem Abheben in einem Feuerball versank, wurde Heckel mit exklusiven Informationen von einem befreundeten US-Ingenieur versorgt, der 2013 am Isei zu Gast und nun Augenzeuge des Desasters war. "Panik breitete sich auf der Presseplattform aus. Die Hitze der Explosion brannte im Gesicht. Wir wussten nicht, ob Trümmerteile auf uns zufliegen", mailte Matthew Travis nach Leipzig. Seitdem versucht Heckel, sich einen Reim auf die Ursache des Absturzes zu machen. "Offenbar kam es zu einer Treibstoffinstabilität in der Turbopumpe eines Triebwerkes und so zum Schubverlust, auf den Kontrollcomputer routiniert, aber nicht richtig reagierten", meint er.

Zu bedenken gibt Heckel, dass bereits 24 Stunden vorher ein Countdown abgebrochen wurde, weil in der verbotenen Zone auf dem Atlantik vor Wallops Island ein Boot fuhr. "Die Rakete wurde ent- und später wieder betankt, das strapaziert massiv die technischen Systeme." Das Problem mit der Treibstoffinstabilität sei nicht neu, erklärt Heckel, der sich in der Raumfahrt-Geschichte auskennt. "Beim ersten Testflug der Saturn-V-Mondrakete trat es schon auf, allerdings ohne gravierende Folgen." Bei dem falschen Reagieren der Triebwerkskontrolle gebe es ebenfalls historische Parallelen. So schaltete beim Startversuch einer russischen Herkules-Mondrakete 1969 die Automatik fast den gesamten Schub ab. Der 3000 Tonnen wiegende Koloss fiel aus 200 Metern herunter und verwüstete bei der Explosion den Kosmodrom in Baikonur - genauso wie die gescheiterte Antares jetzt die Basis auf Wallops Island demolierte.

Wenn er morgen in der Schkeuditzer Sternwarte im Rahmen der Lehrerfortbildung einen Vortrag zur Zukunft der Raumfahrt hält, ist Heckel auch für Fragen zum Absturz des Spaceship Two der Firma Virgin Galactic am vergangenen Freitag bestens präpariert. In 15 Kilometern Höhe war die Maschine zerborsten, einer der Piloten landete verletzt, aber lebend am Fallschirm, der andere starb. Dass sich das Gefährt zerlegte, sei wohl einem Bedienungsfehler geschuldet, meint Heckel. Vereinfacht gesagt, wurden die Bremsklappen aktiviert, als das Spaceship noch in der vollen Beschleunigungsphase war. "Die wirkenden Kräfte haben es zerrissen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.11.2014.

Mario Beck

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