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Albtraum mit glücklichem Ende - KZ-Überlebende spricht in Leipzig mit Schülern

Albtraum mit glücklichem Ende - KZ-Überlebende spricht in Leipzig mit Schülern

Mit einem Mal ist es still in der Aula der Leipziger Thomasschule. 150 junge Augenpaare schauen gespannt auf die Frau, die am Rednerpult Platz genommen hat: braunes lockiges Haar, ein pinkfarbenes Oberteil, ein neugieriger Blick.

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Die Shoa-Überlebende Zahava Kohn (rechts) und ihre Tochter Hephzibah Rudofsky bringen den Schülern ihren außergewöhnlichen Lebenslauf nahe.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Zahava Kohn, so heißt die 78-Jährige, ist von London nach Leipzig gereist, um gemeinsam mit ihrer Tochter ihre Geschichte zu erzählen.

Im Mai 1943, Zahava Kohn heißt damals noch Zahava Kanarek, werden sie und ihre Eltern in ihrer Amsterdamer Wohnung von der SS abgeholt. Das Ziel lautet zunächst Westerbork, später deportieren die Nationalsozialisten die jüdische Familie ins Konzentrationslager Bergen-Belsen in Niedersachsen.

Die Begegnung der Schüler mit Kohn ist Teil des Religionsunterrichts. Zustande gekommen ist sie über den ehemaligen Pfarrer der Thomaskirche, Christian Wolff. "Ihr Mann ist gebürtiger Leipziger und dazu noch Bach-Fan", erklärt Wolff. "Die Musik war sozusagen die Brücke, um Zahava Kohn nach Leipzig zu holen."

Kohns Tochter zeichnet während des Vortrags auf Englisch die Zeit in Bergen-Belsen nach, zeigt alte Klassenfotos, Postkarten und den gelben Davidstern, den Zahava ab 1942 tragen musste. Doch im Mittelpunkt steht die Zeitzeugin selbst, die immer wieder das Gesagte ergänzt. Die Schüler schauen gebannt auf die rüstige Frau, als die vom Albtraum Konzentrationslager berichtet: Von kärglichen Unterkünften; von demütigenden Morgenappellen, barfuß im Schnee; von Krankheiten und Unterernährung, die allein in Bergen-Belsen 52.000 Todesopfer forderten. Und auch davon, dass sie noch heute Angst vor großen Hunden hat und keine Feuerwerke mag, weil sie das an die Zeit im Lager erinnert.

Zahava Kohn erzählt all das mit fester Stimme. Nur selten fehlt ihr das eine oder andere deutsche Wort. "Am Anfang fiel es mir sehr, sehr schwer, über das Erlebte zu sprechen", erklärt Kohn. "Inzwischen habe ich mich dran gewöhnt." In ihrer Familie sei die Zeit in Bergen-Belsen lange ein Tabuthema gewesen. Erst 2001 begann sie, Schülern in Großbritannien und später auch in Deutschland von ihren Erfahrungen zu berichten.

Als Kohn nach einer reichlichen Stunde mit ihrer Geschichte am Ende ist, stellt sie sich den Fragen der Schüler. Ob so etwas wie Freundschaft im Lager möglich gewesen sei, wollen die Schüler wissen, wie sie sich bei der Befreiung gefühlt habe und ob sie oder ihre Eltern denn nie den Glauben an Gott verloren hätten. Als die 90-minütige Veranstaltung zu Ende ist, hat längst nicht jeder seinen Wissensdurst gestillt. Eine Handvoll Schüler schart sich noch einmal um Kohn, um auch die letzte Frage loszuwerden.

"Ich war total gefesselt", sagt Zehntklässlerin Kristina Fingerle danach. "Wir haben gestern noch einen Schülervortrag zum Holocaust gehört, aber ich hatte das Gefühl, dass das Thema dort nicht ganz ernst genommen wurde." Bei Kohns Vortrag sei das völlig anders gewesen. Ihre Mitschülerin Andrea Herschel ergänzt: "Ich war überrascht, in was für einer guten Verfassung sie ist und wie ehrlich und persönlich sie über das gesprochen hat, was sie durchmachen musste."

Das liegt vielleicht auch daran, dass Zahava Kohns Geschichte ein glückliches Ende genommen hat. Im Januar 1945 werden sie und ihre Eltern in ein Gefangenenlager in Biberach verlegt, das drei Monate später befreit wird. Mehr als ein Jahr später findet die Familie auch Zahavas kleinen Bruder Jehudi wieder, den die Eltern vor der Deportation in die Obhut von Widerstandskämpfern gegeben haben. Alle vier Familienmitglieder haben überlebt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.06.2014

Stefan Lehmann

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