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Als jüdische Gelehrte ins Exil und in den Tod getrieben wurden - Symposium in Leipzig

Als jüdische Gelehrte ins Exil und in den Tod getrieben wurden - Symposium in Leipzig

Verleumdet, ausgegrenzt, ins Exil oder in den Tod getrieben: Mit der Diskriminierung und Verfolgung jüdischer Gelehrter vor und während der Nazi-Diktatur wird sich ein Symposium befassen, das die Leipziger Arnold-Sommerfeld-Gesellschaft (ASG) derzeit vorbereitet.

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Kernphysiker Werner Heisenberg (mit Armbinde) und seine meist jüdischen Seminaristen 1931 an Leipzigs Uni.

Quelle: Universitätsarchiv

"Wir wollen die Problematik anhand von Einzelschicksalen verdeutlichen und zeigen, wie verheerend der Antisemitismus wütete, akademische Karrieren brutal zerschlagen wurden und die Leipziger Universität wissenschaftlich massiv an Profil verlor", erklärt ASG-Vorsitzender Professor Manfred Füting. Zusammengetan hat sich der Verein für die Veranstaltung, die am 26. November im Felix-Klein-Hörsaal im Paulinum ausgerichtet wird, mit dem mathematischen Institut der Uni.

Im Vorfeld haben die Organisatoren schon aufwändige Recherchen zu jenen Wissenschaftlern betrieben, an die bei der Tagung mit Vorträgen und einer Ausstellung erinnert wird - "auch als ehrendes Gedenken", so Füting. Namentlich sind das die Physiker Rudolf Peierls, Edward Teller und Felix Bloch sowie die Mathematiker Felix Hausdorff, Aurel Wintner und Leon Lichtenstein. Vor allem im Uni-Archiv haben die ASG-Mitstreiter eine Vielzahl von Dokumenten gesichtet, um die Lebens- und Leidenswege möglichst detailliert nachzeichnen zu können. Der 1922 als Professor berufene Lichtenstein, eine Koryphäe bei aero- und hydrodynamischen Berechnungen, starb 1933 an einem Herzinfarkt, nachdem er an der Uni und in der Öffentlichkeit "als galizischer Jude" verunglimpft worden und einer regelrechten Hetzjagd ausgesetzt war. Hausdorff, der bis 1910 als Mathe-Professor an der Alma mater seine berufliche Heimat hatte und als Meister der Mengenlehre, Funktionsanalysis und Algebra galt, wechselte dann nach Bonn und wählte 1942 den Freitod, um einer Deportation zu entgehen.

Noch vor der Machtübernahme der Nazis ging Wintner, der 1929 an der Uni zur Theorie des Mondes promoviert hatte, in die USA. Sein Habilitationsantrag wurde 1931 in Leipzig wegen angeblicher Formfehler abgelehnt. Wie der Mathematiker Wintner hatte auch der Physiker Teller in Leipzig promoviert und emigrierte 1933 zunächst nach England und später in die USA, wo er maßgeblich an der Atombomben-Entwicklung mitarbeitete. Auch Bloch machte bei diesem sogenannten Manhattan-Projekt mit, allerdings nur kurzzeitig. An Leipzigs Uni hatte er sich 1931 habilitiert, sah sich dann einem zunehmenden Druck und der Beeinträchtigung seiner Lehrtätigkeit ausgesetzt und wurde als "nachweislicher Jude, schweizerischer Staatsangehörigkeit und kommunistischer Gesinnung" denunziert. 1933 floh Bloch auf Umwegen in die USA, 1952 bekam er den Nobelpreis für Physik.

Peierls, der zusammen mit Bloch in Leipzig gearbeitet hatte und hier 1929 seinen Doktor machte, wandte sich ebenfalls ab. Nach einer Assistenz in Zürich kehrte der gebürtige Berliner nicht nach Deutschland zurück, sondern emigrierte 1933 nach England und zog zehn Jahre später in die USA, um ebenfalls sein Wissen in das Atombomben-Vorhaben einzubringen. Peierls, Bloch und Teller hatten in Leipzig mit Professor Werner Heisenberg den Wegbereiter der Quantenmechanik als Mentor. 1932 mit dem Physik-Nobelpreis geehrt, stellte er sich vor seine jüdischen Assistenten und wurde deshalb von den Nazis als "weißer Jude" und "Einsteinjünger" attackiert.

Im Zuge ihrer Nachforschungen haben die ASG-Mitstreiter unter anderem die Dissertationen von Teller und Peierls ausgegraben, erzählt Wolfgang Eisenberg, der Ehrenpräsident des Vereins. Sachkundige Referenten für die Tagung, die als öffentlich deklariert ist, wurden schon gewonnen. Der Kreis der Akteure und Unterstützer soll in den kommenden Wochen noch vergrößert werden. Das verbinden die Initiatoren des Symposiums auch mit der Hoffnung, Sponsoren für die Herausgabe eines Tagungsbandes zu finden. "Das wäre etwas Bleibendes zu einem wissenschaftsgeschichtlich bedrückenden Thema, das noch immer viele Ansatzpunkte zur Aufarbeitung bietet", meint Füting.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.08.2014

Mario Beck

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