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Altlindenau: Steht die Nachbarschaftsschule vor dem Aus?

Altlindenau: Steht die Nachbarschaftsschule vor dem Aus?

Die Nachbarschaftsschule (Nasch) in Altlindenau wird von Land und Kommune als einzige Gemeinschaftsschule in Leipzig ausgewiesen - und zugleich als Schulversuch, der bis 2017 befristet ist.

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Bettina-Heckmann-Reinhardt (43, Elternrätin) vor der Nachbarschaftsschule in der Gemeindeamtsstraße in Altlindenau.

Quelle: Chrstian Nitsche

Angesichts steigender Schülerzahlen in der Stadt fürchten Elternvertreter nun um die Existenz des Nasch-Konzepts, argumentieren mit dem bisherigen Erfolg des reformpädagogischen Bildungshauses - und wehren sich dagegen, weiterhin nur als Experiment abgestempelt zu werden.

Bettina Heckmann-Reinhardt und Agnes Bohley machen sich Sorgen. Darum, wie es mit der Nasch in Zukunft weitergehen kann. "Es ist ein Kampf um den Erhalt des Konzepts geworden", sagt die 43-jährige Elternvertreterin Heckmann-Reinhardt. Einer ihrer Söhne (14) sitzt in einer 8. Klasse der Bildungseinrichtung an der Gemeindeamtsstraße, ihre Tochter (12) in einer 7. Klasse. Bohley pflichtet Heckmann-Reinhardt bei. "Der Versuch besteht seit mehr als 20 Jahren und hat sich in vielen Punkten bewährt", so die 35-jährige Mutter von drei Kindern - vier, sechs und acht Jahre -, die den Nasch-Kindergarten sowie die Klassen 1 und 3 besuchen. "Wann ist das Land bereit, uns als das festzuschreiben, was wir sind?", will Bohley wissen.

Beide Mütter wollen nicht nur für sich, sondern auch viele andere Eltern sprechen, die ihre Kinder an der Nasch gut aufgehoben sehen. Den Erziehungsberechtigten wäre es wichtig zu wissen, erklären Heckmann-Reinhardt und Bohley, dass die Schule in ihrer besonderen Form auf mehr Akzeptanz stößt. Also nicht der ewige Testlauf bleibt. Nach dem Selbstverständnis der Nasch sieht das Konzept unter anderem altersgemischte Eingangstufen bis zur 4. Klasse vor. Hinzu kommen gemeinsame Unterrichtseinheiten und Projektwoche in den Klassen 1 bis 10. Individuelle Förderung von Schülern und selbstständiges Lernen stehen ebenso auf der Agenda. "Es wäre schade, wenn das jetzt kaputt geht", meint Heckmann-Reinhardt. Zumal die Köpfe pro Klasse im Zuge des Leipziger Schulnetzplans sukzessive aufgestockt werden sollen. "Der Druck und die Unsicherheit werden größer, wie das dann noch zu schaffen sein soll, auch bei den Lehrern", erklärt die Elternvertreterin.

Das sächsische Kultusministerium bescheinigt der Nasch den Status einer "Schule mit besonderem pädagogischen Profil". Im Freistaat gibt es insgesamt neun Mittelschulen, die nach einem derartigen Versuchsmuster gestrickt sind. Wobei die Nasch neben dem Chemnitzer Schulmodell nach Angaben des Landes einen historischen Sonderfall darstellt: Beide Bildungsstätten wurden kurz nach der Wende aus der Taufe gehoben. Seither evaluiert die TU Dresden die Nasch Jahr für Jahr. Laut jüngster Zwischenbilanz der Wissenschaftler kann die Leipziger Gemeinschaftsschule glänzen: Knapp 93 Prozent der Schüler machten hier im Schuljahr 2010/2011 ihren Mittelschulabschluss. Im vergangenen Schuljahr waren es gar fast 98 Prozent.

Aktuell werden an der Nasch 479 Schüler in 20 Klassen unterrichtet, teilt die Stadt Leipzig als Träger auf Anfrage mit. Mit Blick auf die Klassenbelegung müsse aber die Bedarfsentwicklung im hiesigen Schulnetz insgesamt beachtet werden. "Die steigende Nachfrage wird in absehbarer Zeit nicht mehr mit den bestehenden Kapazitäten ausgeglichen werden können", heißt es. Um das Konzept der Nasch nicht zu gefährden, habe die Verwaltung die Obergrenze bei 27 Schülern pro Klasse festgelegt. Ebenso hält Roman Schulz, Sprecher der Sächsischen Bildungsagentur Leipzig, fest: Die Nasch "hat ihren festen Platz in der Leipziger Schullandschaft." Zwar sei das Haus aufgefordert, an der Konzeptfortschreitung zu arbeiten. Aber, so Schulz, "das tut die Schule auch".

Für Eltern wie Heckmann-Reinhardt und Bohley ist es damit allerdings nicht getan. "Wir verstehen, dass es gewisse Zwänge gibt", sagt Bohley, "die Frage ist einfach, was das perspektivisch für uns bedeutet." Felix Kretz

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.04.2013

Kretz, Felix

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