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Bildung Amtsgericht will Schüler „gefangen nehmen“
Leipzig Bildung Amtsgericht will Schüler „gefangen nehmen“
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00:29 09.01.2016
Mit diesem Plakat macht das Amtsgericht auf den Wettbewerb aufmerksam. In diesem nicht mehr genutzten Gefängnistrakt in Leipzig wurden auch schon Filme gedreht. Quelle: Margrit und Torsten Zühlke
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Leipzig

„Gefangen“ – unter dieses Motto stellt das Amtsgericht Leipzig seinen mittlerweile 11. Literarischen Wettbewerb. Schüler ab der 5. Klasse sind aufgerufen, Gedichte, Geschichten, Erzählungen zu diesem Thema zu schreiben oder auch Comics zu zeichnen. Im LVZ-Interview spricht Richterin Susanne Pfuhl, die Organisatorin, über die Modalitäten.

Allein schon das Foto, das auf Plakaten auf den Wettbewerb hinweist, nimmt den Betrachter gefangen. Zu sehen ist ein Gefängnis-Trakt. Wo wurde das Bild aufgenommen?

In der früheren Haftanstalt in der Alfred-Kästner-Straße, direkt neben dem Amtsgericht. Das Gebäude wurde um das Jahr 1900 erbaut. Bis 2002 diente es als Justizvollzugsanstalt. Nach dem Abriss ist nur noch ein Teil des Gefängnisses vorhanden, der uns als Motiv für die Aufnahmen gedient hat. Übrigens wurden in den Räumlichkeiten auch schon Filme gedreht, beispielsweise mit Veronica Ferres.

Soll es diesmal ausschließlich um Geschichten hinter Schloss und Riegel gehen?

Trotz der auf dem Plakat abgebildeten Justizvollzugsanstalt geht es uns – nicht nur – um Geschichten hinter Schloss und Riegel. Vielmehr soll das Thema offen sein. Daher wird auch in der Ausschreibung ausdrücklich auf andere Möglichkeiten der „Gefangennahme“ hingewiesen. Auch ein spannendes Buch, eine heikle Situation oder starke Gefühle können gefangen nehmen.

Haben Sie als Richterin auch schon Straftäter hinter Gitter gebracht?

Am Anfang meiner beruflichen Tätigkeit war ich knapp ein Jahr lang Richterin einer Jugendkammer am Landgericht Leipzig. Hierbei habe ich auch an der Verurteilung von Straftätern mitgewirkt. Die längste Zeit meines Berufslebens war und bin ich jedoch als Zivilrichterin tätig, was mir sehr viel Freude bereitet.

Themen waren bisher beispielsweise Mut, Freundschaft, Strafe, Friedliche Revolution. Die meisten Einsendungen – 245 Beiträge aus 13 Schulen – gab es jedoch zu „Die Sorge der Eltern – Zwischen Geborgenheit und Bevormundung“ . Können Sie sich erklären, warum gerade dieses Thema Kinder so gefangen nahm?

Da haben wir wohl einen Bereich gefunden, der alle Kinder und Jugendlichen bewegt. Anders als die zum Teil stark abstrahierenden früheren Themen wie Freundschaft, Gewalt und Mut wirkt sich das Spannungsfeld der elterlichen Erziehung unmittelbar auf die Kinder aus. Jedes Kind vermag die von den Eltern zu treffenden Entscheidungen tagtäglich am eigenen Leib erfahren. Vielleicht ist dies auch der Grund dafür, dass dieses Thema den Schülern und Schülerinnen leichter fiel. Wir haben weiterhin den Anspruch, dass unsere Teilnehmer auch zu komplexeren und abstrakteren Lebensinhalten Stellung beziehen.

Welche Schulen haben sich in den zurückliegenden zehn Wettbewerbsjahren am stärksten engagiert?

Es gibt viele Schulen, die den Wettbewerb fördern und auch viele Lehrer, die sich dafür engagieren. Besonders hervorzuheben sind die Thomasschule, das Robert-Schumann-Gymnasium und das Johannes-Kepler-Gymnasium. Deren Schüler und Schülerinnen haben in den vergangenen Jahren jeweils die meisten Beiträge geliefert.

Wer bewertet die Arbeiten?

Eine fachkundige Jury. Unter dem Vorsitz des Germanisten Professor Bernhard Meier sind das die Deutschlehrerinnen Solveig Schöber und Ulrike Gastmann, der Leiter des Kulturressorts der Leipziger Volkszeitung, Peter Korfmacher, sowie Christine Ludewig, Richterin am Amtsgericht.

Und wer stiftet die Siegerpreise?

Unsere neuen Sponsoren sind auch die alten. Es handelt sich um die Leipziger Volkszeitung, Porsche Leipzig, Belantis, die Sparkasse Leipzig, Cinestar und den Zoo Leipzig. Gefördert wird der Wettbewerb auch vom Sächsischen Staatsministerium der Justiz. Ich möchte mich herzlich bei der Jury, den Sponsoren und den Schulen sowie Lehrern bedanken, die sich für den Wettbewerb engagieren.

Bis wann können Arbeiten eingereicht werden?

Bis 29. Februar, damit der Jury ausreichend Zeit zur Bewertung bis zur Preisverleihung voraussichtlich im Juni 2016 verbleibt.

Apropos Gefängnis. Sollen Fotos aus dem alten Trakt möglicherweise in einer Ausstellung gezeigt werden? Auch der Abriss der Hauptgebäude der JVA an der Alfred-Kästner-Straße im Jahr 2003 war dokumentiert und in einer Schau festgehalten worden.

Die Idee, Fotografien aus dem alten Gefängnistrakt auszustellen, finde ich grundsätzlich gut. Konkrete Pläne haben wir dazu aber noch nicht.

Die Arbeiten können unter Angabe des Namens, der Schule und Klassenstufe über die Schule per E-Mail (verwaltung-P@agl.justiz.sachsen.de) oder schriftlich an das Amtsgericht, Bernhard-Göring-Straße 64 in 04275 Leipzig, geschickt werden.

Von Sabine Kreuz

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