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Bildung An der Knospe geknabbert: Bäume erkennen Rehe und wehren sich
Leipzig Bildung An der Knospe geknabbert: Bäume erkennen Rehe und wehren sich
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21:49 12.09.2016
Rehe mögen junge Knopsen. Bäume mögen das gar nicht. (Symbolfoto) Quelle: dpa
Leipzig

Bäume können sich offenbar gezielt gegen Rehe wehren, die ihre jungen Knospen fressen. Leipziger Forscher der Universität und vom Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung haben das in einer gemeinsamen Studie herausgefunden. Sie untersuchten junge Buchen und Bergahorne und stellten fest, dass die Bäume unterscheiden können, ob ein Reh oder ein Windstoß einen Zweig abgebrochen hat.

Dabei verraten sich die Rehe offenbar durch ihren Speichel. Trifft dieser auf die frische Bruchstelle, schüttet die Pflanze Salizylsäure aus, ein Signalhormon, das die Produktion einer Extraportion Gerbstoffe anregt. Manche dieser Stoffe können die Rehe sogar in ihrem Fressverhalten beeinflussen: Sie verlieren einfach den Appetit auf junge Triebe und Knospen. Der ausgeschüttete Stoff sorgt außerdem für die Produktion von Wachstumshormonen, um den Verlust der Knospe schnell wieder auszugleichen.

Bricht ein Zweig dagegen durch einen Windstoß oder eine andere mechanische Einwirkung ab, schüttet der Baum diese Stoffe nicht aus. Stattdessen werden vor allem Wundhormone ausgeschüttet, um die betroffene Stelle zu verschließen.

Ihre Untersuchungen führten die Forscher im Leipziger Auwald durch. Sie tricksten die jungen Bäume aus und simulierten, dass ein Reh daran gefressen hatte. Dazu brachen sie einen Zweig ab und gaben auf die offene Stelle Rehspeichel. Anschließend untersuchten sie die Hormonzusammensetzung und die Gerbstoffe in der Pflanze.

Nach dieser Grundlagenforschung blicken die Wissenschaftler nun in die Zukunft: So wäre es für sie interessant, weitere Bäume auf ihre Strategien gegen Rehe zu untersuchen. Besonders junge Bäume haben unter den Fressgewohnheiten der Rehe zu leiden. Betroffene Bäume wachsen langsamer oder gehen sogar ganz ein. Wehrhaftere Exemplare könnten durch die Forschungen dann gezielter für Neupflanzungen in Wäldern ausgewählt werden.

pad

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