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Ansteckungsgefahr – 400 Mediziner diskutieren in Leipzig über Viren, Bakterien und Impfstoffe

Ansteckungsgefahr – 400 Mediziner diskutieren in Leipzig über Viren, Bakterien und Impfstoffe

Neues beim Thema HIV oder Infektionen durch Haustieren – das sind nur einige Themen, die bei einem Doppelkongress in Leipzig von rund 400 Medizinern diskutiert werden.

Leipzig. Vom 31. März bis um 2. April tauschen die Wissenschaftler Erfahrungen mit Impfstoffen, Antibiotika und ansteckenden Krankheiten, die durch Viren oder Bakterien übertragen werden, aus. Veranstalter sind die Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und die Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI).

Unter Grippe kann sich jeder etwas vorstellen, aber was ist eigentlich der Boca-Virus? Die Kongressteilnehmer beschäftigen sich auch mit noch weniger gut erforschten Viren. „Aber keine Angst, der Boca-Virus ist nicht die neue Schweinegrippe“, sagt Professor Bernhard R. Ruf von der Klinik für Infektiologie, Tropenmedizin und Nephrologie im Leipziger Krankenhaus St. Georg, der zugleich einer der drei Kongresspräsidenten ist. 

Der Virus wurde vor fünf Jahren entdeckt und kann bei Kindern schwere Atemwegserkrankungen auslösen. „Wie viele Fälle es davon schon gab, wissen wir nicht. Dazu ist der Virus noch zu unbekannt. Oft steht man auch vor dem Problem, dass man eine Krankheit gut diagnostizieren kann, man aber kaum Erfahrungen mit der Behandlung hat“, so Ruf. Sind die Atemwege gereizt, müsse man sich nicht gleich Sorgen um einen Boca-Virus machen.

Zum Punkt Grippe sagt der Professor: „Auch hier werden ständig verbesserte Impfstoffe entwickelt. Man achtet immer auf die saisonalen Viren, da es nicht jedes Jahr die gleichen sind, die im Umlauf sind.“ Wer sich beispielsweise jetzt einen Grippeschutz holen möchte, sei gleichzeitig gegen den Schweinegrippe-Erreger geimpft.

Überhaupt seien Impfungen ein wichtiges Thema auf dem Kongress. So gebe es beispielsweise einen neuen Impfstoff gegen Rotaviren, die Durchfallerkrankungen auslösen können und vor allem für Säuglinge gefährlich sind. Ruf geht sogar so weit und sagt: „Impfungen sind mit das beste, was wir auf unserem Gebiet haben. Mit Vorbeuge kann man viel erreichen.“

Gegen den HI-Virus gibt es allerdings noch keine Impfung. „Das ist einer der trickreichsten Viren, die ich kenne“, sagt Ruf. „Ich erwarte nicht, dass man hier in den nächsten zehn bis 15 Jahren einen Impfstoff entwickeln wird. Allerdings sind wir bei der Behandlung schon sehr erfolgreich. Aids-Kranke haben jetzt schon häufig eine ganz normale Lebenserwartung – ganz anders als manche Tumorpatienten.“

Professor Ruf sagt: „Der Austausch auf dem Kongress ist vor allem wichtig, um sich über Neuheiten zu informieren und Erfahrungen weiterzugeben. So kann man besser behandeln.“ Bahnbrechende Studien seien nicht zu erwarten. „Das wird alles veröffentlicht, sobald es ein Ergebnis gibt“, so Ruf.

Auch die Übertragung von Erregern durch Haustiere ist auf dem Kongress ein Programmpunkt. So können Ratten unter anderem Affen- und Kuhpocken übertragen, Reptilien Salmonellen. Wer von einem Hund oder einer Katze gebissen wird, kann beispielsweise eine Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung bekommen.

Beispiele für andere Infektionskrankheiten sind Tollwut, Pilze oder Katzenpocken. In einer Studie des Robert-Koch-Institutes heißt es: „Einerseits ist es möglich, dass die Tiere selbst an Infektionen mit Viren, Bakterien, Pilzen und Parasiten wie Würmern und Insekten erkranken, die auch bei Menschen Krankheiten auslösen können. Andererseits ist es möglich, dass klinisch gesunde Heimtiere Dauerausscheider oder Träger von humanpathogenen (den Menschen krank machenden) Erregern sind.“ Wie oft eine Übertragung vorkommt, kann jedoch nicht genau gesagt werden.

Außerdem besagen Daten des sozioökonomischen Panels, dass es sich eher positiv auf die Gesundheit auswirkt, wenn man ein Haustier hält. Bei der Studie wurden 10.000 Personen, die ein Haustier haben, von 1996 bis 2001 befragt, wie es um ihre Gesundheit steht. Das Ergebnis ergab zudem, dass die Tierbesitzer ein Zehntel weniger einen Arzt aufsuchen als Menschen, die kein Tier halten.

Magdalena Froehlich

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