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Bildung Antike Texte aus dem Wüstensand - Bewerbungen aus ganz Europa
Leipzig Bildung Antike Texte aus dem Wüstensand - Bewerbungen aus ganz Europa
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23:30 03.09.2014
papy Quelle: fragment

"Sie sind für uns kein toter Besitz, sondern werden konserviert, erforscht, digitalisiert und auch ausgestellt", sagt UBL-Direktor Professor Ulrich Johannes Schneider. Es ist aber nicht nur dieser Fundus, der auf die Teilnehmer des Kurses eine magische Anziehungskraft ausübt. Auch sein Motto "Antike Texte aus dem Wüstensand @ Digitales Handwerkszeug" und das dahinter stehende Programm wirken als Lockstoff für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Eine Woche lang tauchen die Teilnehmer unter der Anleitung versierter Dozenten und anhand von Objekten sowie Texten in die Welt des pharaonischen, griechisch-römischen und byzantinischen Ägyptens ein. "Vermittelt werden unter anderem paläographische Kenntnisse. Es gibt praktische Übungen zur Datierung und der Papyrusherstellung, Textanalysen und Arbeiten in der Restaurierungswerkstatt", zählt Professor Reinhard Scholl, der an der Uni Alte Geschichte lehrt und die Papyrus- und Ostrakasammlung betreut, einige der Kursinhalte auf. Der Forschungslesesaal der Albertina ist nächste Woche für die internationale Kursantenschar reserviert - und gleich zu Beginn wird ihr Auserlesenes wie der 3600 Jahre alte Papyrus Ebers präsentiert. 1872 hatte der Leipziger Ägyptologe Georg Ebers in Theben für 350 englische Pfund diese fast 19 Meter lange Schriftrolle erworben, auf der 800 Rezepte und anderes zur Arzneilehre notiert sind.

Als weltweit ältestes Medizin-Kompendium gilt dieses Dokument, um das sich reichlich Spekulationen ranken. Sein Schöpfer ist unbekannt, die Fundumstände sind unklar. Möglicherweise kam es irgendwann durch eine Raubgrabung wieder ans Licht. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Kostbarkeit auf das Schloss in Rochlitz ausgelagert, als sie nach Kriegsende wieder in die UBL kam, fehlten einige Blätter. Vielleicht wurden sie Beutegut der US-Amerikaner. Bis heute hat Scholl die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sie wieder auftauchen und in die Albertina zurückkehren. Wenn dem Antrag stattgegeben wird, könnte der Papyrus Ebers 2016 in das Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen werden. Scholl sieht dem erwartungsvoll entgegen, aber jetzt werde sich erst mal auf den Papyrologie-Kurs konzentriert.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.09.2014

Mario Beck

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