Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bildung Aus für Rektorin Beate Schücking: Hochschulrat der Uni Leipzig bleibt hart
Leipzig Bildung Aus für Rektorin Beate Schücking: Hochschulrat der Uni Leipzig bleibt hart
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Uni-Rektorin Beate Schücking darf sich nicht zur Wiederwahl stellen. Quelle: Andre Kempner
Anzeige
Leipzig

Vorsitzender Professor Reinhold Grimm sagte am Donnerstag der LVZ, es bleibe dabei, dass nur die zwei externen Bewerber ins Rennen geschickt werden sollen. "Dazu gibt es keine Alternative." Das Votum des Aufsichtsgremiums sei "sehr einmütig gewesen".

 Er verstehe zwar die Aufregung, dass weder Amtsinhaberin Professorin Beate Schücking (59) noch der Dekan der Fakultät für Physik und Geowissenschaften, Professor Jürgen Haase (56), einen Platz auf der Vorschlagsliste für die künftige Besetzung des Spitzenpostens bekamen, aber die Entscheidung sei nach einer überaus gründlichen Anhörung und Prüfung eingereichter Unterlagen gefallen. Jeder der vier Bewerber habe vor dem Hearing ein Exposé eingereicht, in dem vor allem die Vorstellungen über die künftige Entwicklung der Alma mater darzulegen waren. Außerdem habe es einen vom Hochschulrat eigens angefertigten Fragenkatalog gegeben. "Wir haben viel Aufwand betrieben, vorurteilsfrei und fair agiert", erklärte Grimm.

 Nach der Ausschreibung der Rektorenstelle, die zum 1. März 2016 neu zu besetzen ist, gab es sieben Anwartschaften, drei sortierte die Findungskommission aus. Ihr gehörten neben Grimm und seinem Stellvertreter Josef Lange auch die Mitglieder des Uni-Senates, Professorin Charlotte Schubert und Bert Klagges an. Beide nahmen dann auch bei der Anhörung der vier Kandidaten teil, bei der, so Grimm, jeder rund zwei Stunden dem neunköpfigen Hochschulrat Rede und Antwort stand. Der Vorwurf, das Gremium habe Schücking ausgebootet, weil sie in der Vergangenheit gegen die von der vormaligen schwarz-gelben Landesregierung verordneten Stellenkürzungen rebelliert habe, nannte Grimm "absurd". Er habe großen Respekt vor der von der Rektorin in den letzten Jahren geleisteten Arbeit in hochschulpolitisch schwieriger Zeit.

 Vehement wies er auch Mutmaßungen zurück, dass das früher als gespannt geltende Verhältnis zwischen Hochschulrat und Rektorat die Entscheidungsfindung beeinflusst haben könnte. Wie berichtet, hatte Ex-Generalbundesanwältin Professorin Monika Harms im Juni letzten Jahres vorzeitig die Hochschulratsführung niedergelegt, sich aus dem Gremium verabschiedet und der Uni-Leitung Konzeptions- und Ideenlosigkeit sowie Kommunikationsdefizite vorgeworfen. "Ich muss mir das nicht mehr antun", war ihre letzte Botschaft. Seitdem gab es im Hochschulrat allerdings mehrere personelle Veränderungen. Fünf seiner Mitglieder sind durch den Uni-Senat benannt, vier durch das sächsische Wissenschaftsministerium (SMWK).

 Auf LVZ-Anfrage hieß es jetzt, die Behörde habe die autonomen Wahlvorgänge an der Uni zu respektieren. Rechtliche Verfahrensfehler würden nach jetzigem Kenntnisstand nicht vorliegen. Aus dem Statement lässt sich jedoch auch herauslesen, dass Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) es wohl lieber gesehen hätte, wenn der derzeitigen Rektorin die Chance zur Wiederwahl eingeräumt worden wäre. Mit Schücking werde ein gutes Verhältnis gepflegt. Bei aktuellen Aufgaben wie der Hochschulentwicklungsplanung, der Verbesserung der Arbeitsbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, der Stärkung des Mittelbaus und der Erhöhung der Lehrqualität erfolge eine enge Abstimmung mit der Rektorin, der vom SMWK "großes Engagement" für die Alma mater bescheinigt wird.

 Schücking steht der Uni seit Februar 2011 vor und trat vor zwei Wochen eine heftige Debatte los, als sie ihre Nichtnominierung publik machte und sich "fassungslos" zeigte, dass sie erst vom Hochschulrat zur Bewerbung ermuntert wurde, nach dem Vorstellungsgespräch ein positives Feedback und dann doch keinen Platz auf der Nominierungsliste bekam. Auf dieser können drei Bewerber benannt werden. "Ich kann ihre Enttäuschung verstehen", sagte Grimm, aber es gebe aus Sicht des Hochschulrates Argumente dafür, sie nicht als Kandidatin zu benennen. Diese werde er dem akademischen Senat umfassend vortragen. "Und ich hoffe, dass sie dort nachvollziehbar sind." Bis dahin äußere er sich weder über die Beweggründe noch über die zwei externen Kandidaten.

 Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass das heiße Thema bereits Anfang September auf die Tagesordnung einer Senatssitzung kommt. Nun soll das aber erst Anfang Oktober passieren, wenn das Gremium neu formiert ist. Es hat aber kein Vetorecht in der Rektorfrage. Die eigentliche Wahl - voraussichtlich auch noch im Oktober - obliegt dann dem erweiterten Senat mit seinen mehr als 90 Mitgliedern. Zur Art und Weise, wie Schücking das Kandidatur-Aus mitgeteilt wurde, räumte Grimm ein: "Das ist unglücklich gelaufen." Er habe der Rektorin einen ausführlichen Brief zu dem Votum geschrieben, der aber durch den Poststreik in der Warteschleife hängen blieb. Später habe es dann ein Telefonat gegeben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.08.2015
Mario Beck

Anzeige