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Bedrohte Theaterwissenschaften in Leipzig – Direktor Günther Heeg setzt auf Gespräche

Bedrohte Theaterwissenschaften in Leipzig – Direktor Günther Heeg setzt auf Gespräche

Seit knapp einem Jahr ist das Leipziger Universitätsinstitut für Theaterwissenschaft von der Schließung bedroht. Die Universität setzt rigoros den Rotstift an.

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Protest der Leipziger Theaterwissenschaftler gegen die Schließungspläne. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Nach dem Bekanntwerden der Pläne rollte eine Protestwelle durch die Kultur-und Theaterszene. Das Institut wurde mit dem deutschen Theaterpreis Der Faust 2014 geehrt. Über die aktuelle Situation und die Perspektiven sprach Gitta Keil mit dem Geschäftsführenden Direktor Prof. Günther Heeg.     

Nach den großen Protesten, die in der Rektoratsbesetzung ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten, scheint Ruhe eingekehrt zu sein. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? 

Günther Heeg:

Es ist eine zwiespältige Situation. Einerseits erfahren wir Unterstützung und Anerkennung von allen Seiten. Gerade haben wir zwei vielbeachtete Symposien zum 20-jährigen Bestehen unseres Instituts veranstaltet und ein neues Buch vorgestellt, „Momentaufnahme Theaterwissenschaft“, das die grundlegende Bedeutung des Fachs im Konzert der Geisteswissenschaften zeigt.  Auf der anderen Seite hat sich die Haltung des Rektorats zum Stellenabbau, wenn ich es richtig sehe, nicht prinzipiell verändert. Bis 2020 sollen fünf Stellen gestrichen werden. Das würde in der Konsequenz das Ende des Instituts bedeuten. Das ist schon deshalb nicht hinnehmbar, weil Leipzig das einzige theaterwissenschaftliche Institut in den neuen Bundesländern ist.

Die neue Landesregierung will Kürzungen an den Hochschulen teils rückgängig machen. Haben Sie denn schon Signale, ob sich aus dem Koalitionsversprechen für das Institut Hoffnung auf ein Weiterbestehen ergeben könnte?

Günther Heeg:

Bislang leider noch nicht. Zwar sollen laut Koalitionsvertrag ab 2017 über 700 Stellen nun doch nicht gestrichen werden, aber das betrifft uns nicht direkt. Wir gehören zu einer früheren Streichrunde. Dennoch haben wir nun eine insgesamt veränderte wissenschaftspolitische Landschaft. Das wird Auswirkungen haben. Addiert man dazu die nun für jeden sichtbar gewordene Wertschätzung unserer Leistungen und die Pläne, die wir für die Zukunft haben, dann sind das zusammen genommen gute Gründe für die Wiederaufnahme von Gesprächen mit der Universitätsleitung. Jetzt ist die Zeit für neue Verhandlungen, um auszuloten, was geht und wie das Institut zu retten ist.

Wie attraktiv ist das bedrohte Institut denn noch für Studenten?

Günther Heeg:

Offensichtlich sehr. Trotz der drohenden Schließung ist ein Studium an unserem Institut stark nachgefragt. Wir konnten zum Wintersemester nur ein Zehntel der Bewerber immatrikulieren. Das hat sicher auch mit den guten Berufsaussichten unserer Studierenden zu tun. Unsere Absolventinnen und Absolventen finden einen Beruf, zentral innerhalb des Theaters, auch in herausgehobenen Positionen, sowie in der ganzen Bandbreite anderer Kultureinrichtungen  - das zeigt eine Alumni-Umfrage. Hier zahlt sich unsere langjährige Kooperation mit den Theaterhäusern in der Stadt und überregional aus. Die Theaterpraktiker wissen, was sie an unseren Studierenden haben.

Wo sehen Sie die Theaterwissenschaft in der Zukunft?

Günther Heeg:

Sie ist international aufgestellt. Wir nutzen derzeit unsere Forschungskontakte in aller Welt, um einen internationalen Masterstudiengang „Transcultural Theatre Studies“ aufzubauen. Und: Sie ist in der Universität bestens vernetzt. Wir sind dabei, uns mit den anderen Kunstwissenschaften der Fakultät noch enger zu verzahnen, natürlich ohne die Autonomie der einzelnen Fächer aufzugeben. Wir wollen keinen Fächermischmasch. Aber Kunstgeschichte, Musikwissenschaft und Theaterwissenschaft haben allesamt einen starken Akzent auf Osteuropa und erforschen die Geschichte der DDR. Hier bieten sich gemeinsame Forschungsprojekte und die Einrichtung eines Graduiertenkollegs geradezu an. Bedenkt man die Position der Stadt Leipzig als Drehscheibe zwischen Ost und West, dann liegt hier die Chance eines besonderen Leipziger Profils. 

ZUR PERSON: Günther Heeg ist seit 2003 Professor am Leipziger Institut für Theaterwissenschaft. Davor lehrte er unter anderem an den Instituten für Theaterwissenschaft in Frankfurt am Main, Gießen und Mainz. In Leipzig leitet er seit 2013 das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG geförderte Forschungsprojekt „Das Theater der Wiederholung“. Er ist Partner einer deutsch-japanischen Forschungskooperation zu Aspekten des Gegenwartstheaters in Deutschland und Japan und Vizepräsident der International Brecht Society.

Gitta Keil, dpa

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