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Beleidigungen im Internet: Leipziger Studenten sprechen mit Schülern über Cybermobbing

Beleidigungen im Internet: Leipziger Studenten sprechen mit Schülern über Cybermobbing

Die Sechstklässler der 16. Mittelschule wissen seit Montag, wie sie damit umgehen sollten. Lehramtsstudierende der Uni Leipzig machten die Jungen und Mädchen in Workshops gegen diese Art des Mobbings stark.

Schulleiter Uwe Hempel will seine Augen

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Leipziger Lehramtsstudierende haben in einem Workshop mit Schülern über Cybermobbing gesprochen.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Die Sechstklässler der 16. Mittelschule wissen seit Montag, wie sie damit umgehen sollten. Lehramtsstudierende der Uni Leipzig machten die Jungen und Mädchen in Workshops gegen diese Art des Mobbings stark.

Schulleiter Uwe Hempel will seine Augen nicht vor dem verschließen, was auf den Profilen seiner Schüler manchmal vor sich geht: „Wir haben das Thema Cybermobbing de facto auf der Tagesordnung“, bringt das Oberhaupt der 16. Mittelschule das Problem auf den Punkt. „Die Schüler mobben sich im Internet und das wird dann in der Schule ausgetragen“, berichtet der 54-Jährige. Um die Kinder vor Beleidigungen im Internet zu schützen, hat er in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk „Schule mit Zukunft Leipzig-Ost“ und der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig ein Projekt ins Leben gerufen. In Workshops sollen die Kinder lernen, wie man sich im Netz richtig verhält.

Den Projekttag entwickelten die Uni-Dozenten Michael Brock und Sebastian Rahtjen im Vorfeld gemeinsam mit Lehramtsstudierenden in einem Seminar. Im Interimsgebäude der Fakultät näherten sich die 75 Sechstklässler am Montag in fünf Gruppen dem Thema an. „Es ging vor allem darum, erstmal zu schauen, was Cybermobbing überhaupt ist und welche Folgen es haben kann“, erklärt Michael Brock. Des Weiteren wurde thematisiert, warum Datenschutz wichtig ist und was möglicherweise problematisch ist an bestimmten Informationen, die man in den Netzwerken preisgibt. „Die Workshops haben stark an den Erfahrungen und Meinungen der Schülerinnen und Schüler angedockt“, so der 31-Jährige.

Spirale aus Mobben und Zurückmobben

Zu Beginn der Workshops schauten die Kinder ein Video an, das die Studierenden erstellt hatten. Darin schildert die dreizehnjährige Clara, ein fiktives Cybermobbing-Opfer, ihre Erfahrungen und zeigt gleichzeitig beleidigende Einträge auf ihrem Facebook-Profil. Die Schüler machte das nachdenklich. Michael Brock beschreibt die Besonderheit dieser Mobbing-Art folgendermaßen: „Beim Cybermobbing ist es zum Teil so, dass die, die selbst gemobbt werden, auch zurückmobben. Dann gerät man in so eine Spirale aus beleidigt werden und selbst zurückbeleidigen – das schraubt sich dann in relativ starke Dimensionen hoch.“ Aber nicht immer wird jedes Opfer auch zum Täter: „Diese Kinder haben dann mit den Folgen zu kämpfen: Sie fühlen sich unwohl, gehen nicht mehr zur Schule oder bekommen psychische Beeinträchtigungen.“

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Anhand fiktiver Chat-Einträge haben die Leipziger Studenten den Schülern verdeutlicht, wie Cybermobbing abläuft.

Quelle: Universität Leipzig

Um weiteres Mobbing zu verhindern, hilft laut Michael Brock vor allem eins: „Nicht zurückmobben!“ Außerdem rät er dazu, Beweise zu sammeln, da aktives Cybermobbing durchaus strafbar sein kann: „Verleumdungen und Angriffe mit Beleidigungen sollte man auf jeden Fall nachweisen können. Wenn es in den kriminellen Bereich abdriftet, kann man auch Anzeige erstatten.“

Bevor jedoch rechtliche Schritte eingeleitet werden, solle man versuchen, auf Beleidigungen konstruktiv zu reagieren: „Man muss zum Ausdruck bringen, dass einem missfällt, wie mit einem umgegangen wird“, rät der Pädagoge. In den Workshops wurden die Kinder auch darauf hingewiesen, dass sie in einer solchen Situation Hilfe suchen sollten: „Es gibt Stellen, an die man sich wenden kann, zum Beispiel an den Vertrauenslehrer oder den Schulleiter.“

Der Lehramtsstudent René Wötzel hat eine der fünf Workshopgruppen geleitet und ist zufrieden mit dem Projekttag. „Konkrete Fälle von Mobbing im Internet gab es in der Gruppe noch nicht, zumindest haben die Schüler nichts in dieser Richtung mitgeteilt. Trotzdem waren sie sich dessen bewusst, dass es so etwas gibt“, erzählt der 22-Jährige. Etwa 80 Prozent der Schüler seiner Gruppe sind bei Facebook. „Sie konnten sehr gut mitreden und haben die Problematik verstanden.“ Er zeigte den Schülern auch, wie man ein sicheres Facebook-Profil erstellt: „Gerade mit den Öffentlichkeitseinstellungen gibt es vieles, was man machen kann“, weiß René Wötzel.

Sich wehren, ohne jemanden zu verletzen

Die Mädchen und Jungen diskutierten auch über Beleidigungen, die sie selbst nutzen, und deren Wirkungen. Darüber hinaus lernten sie, auf die Beleidigungen zu reagieren, ohne jemandem mit ihren Äußerungen weh zu tun. „Die Schüler sollten lernen, dass Beleidigungen verletzen – das war unser Ziel“, sagt der angehende Deutsch- und Gemeinschaftskundelehrer.

„Wir waren sehr überrascht, wie viel Erfahrung die Sechstklässler schon haben und was sie teilweise auch schon alles im Internet machen“, lautet das Fazit von Projektkoordinator Sebastian Rahtjen. „Da waren Schüler dabei, die schon 500 Facebook-Freundschaften haben“, ergänzt er. „Sie geben teilweise alles preis, was sie so im Alltag machen. Es ist ganz wichtig, sie in dieser Hinsicht zu sensibilisieren. Deswegen haben wir auch so früh angesetzt.“ Auch in Zukunft wollen die Leipziger Studenten die Mittelschüler zum Thema Cybermobbing coachen: „Den Kids hat es gefallen und ich denke, wir werden das Projekt fortführen“, freut sich Michael Brock.

Felix Forberg

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