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Betreuer, Psychologe, Dolmetscher zugleich: Erzieher wollen mehr Geld

Betreuer, Psychologe, Dolmetscher zugleich: Erzieher wollen mehr Geld

Leipzig. Der Regen kannte kein Erbarmen. "Der liebe Gott weint, weil er so traurig ist, dass wir heute hier stehen müssen", nahm Oliver Greie, der Chef des Verdi-Landesbezirks Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, es gelassen.

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Trotzen dem Regen: Erzieher von Kitas und Schulhorten fordern beim Warnstreik eine bessere Bezahlung.

Quelle: André Kempner

Gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte Verdi am Dienstag Erzieher und Sozialpädagogen zu einem Warnstreik aufgerufen, um eine bessere Bezahlung und vor allem eine gerechterer Eingruppierung ihrer Arbeit zu fordern. Mehr als 50 kommunale Kitas und Horte blieben geschlossen - knapp 800 Erzieher fanden sich laut Gewerkschaften am Vormittag zur Kundgebung vorm Neuen Rathaus ein.

Zu ihnen gehörte auch Sandra Kulemann. "Die Erwartungen an Erzieher, egal ob Kita oder Hort, sind sehr hoch. Wir leisten gute und qualifizierte Arbeit, aber das muss sich auch lohnen", betont die 40-Jährige. Die Anforderungen an die pädagogische Arbeit in Sozial- und Erziehungsberufen seien enorm gestiegen. So müssten beispielsweise immer mehr verhaltensauffällige und teilweise aggressive Kinder betreut werden. Neue Berufsfelder wie Heilerziehungspfleger oder Kindheitspädagoge seien entwickelt worden. In der Eingruppierung fürs Gehalt spiegle sich das aber nicht wider - die längst überholten Tätigkeitsmerkmale stammen zum Teil von 1971.

"Wir müssen oft Betreuer, Psychologe, Dolmetscher zugleich sein, auch für die Eltern." Christoph Schäfer (25), der in einer integrativen Einrichtung arbeitet: "Der Beruf ist attraktiv und macht Spaß - es fehlt aber die notwendige Anerkennung." Hinzu kommt: Die meisten Erzieher arbeiten in der Regel 30 Stunden. Einerseits sind viele geschafft, können eine längere Arbeitszeit kaum mehr bewältigen. Andererseits bekommen sie meist gar keine andere Chance - das ist für den Nachwuchs kaum eine Perspektive. "Dadurch wird es immer schwerer, den Fachkräftemangel zu beseitigen", ergänzte Anja Reichenbach (29).

Laut Greie bekommt eine Erzieherin bei 30 Stunden pro Woche rund 1100 Euro auf die Hand: "Wenn man dann noch die Miete oder ein Auto, um zur Arbeit zu fahren, abziehen muss, dann bleibt nicht mehr viel übrig." Die Arbeitgeber hätten zwar ihre Bereitschaft signalisiert zu verhandeln. Für eine generelle Verbesserung der Eingruppierung sehen sie aber keinen Grund. Gefordert wird auch, bei Wechsel des Arbeitgebers die Tarifstufe beibehalten zu können sowie beim Gehalt der Leitungskräfte auch die Zahl der Beschäftigten zu berücksichtigen. Der Streik betraf gestern kommunale Einrichtungen, könnte aber auch Auswirkungen auf jene der Freien Träger haben. "Große Träger wie die Arbeiterwohlfahrt oder die Johanniter erkennen unser Ergebnis als Leittarif an", so Gewerkschaftssekretär Andreas Giersch. "Wir sind mehr wert", erschallte derweil ein Sprechchor der Betroffenen, denen übrigens auch eine Abordnung der Amazon-Streikenden zur Seite stand.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.04.2015

Orbeck, Mathias

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