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Chef des Helmholtz-Zentrums Leipzig: "Wir sparen für zwei Neubauten an"

Chef des Helmholtz-Zentrums Leipzig: "Wir sparen für zwei Neubauten an"

Im Wissenschaftspark an der Permoserstraße wird es baulichen Zuwachs geben: Professor Georg Teutsch, der wissenschaftliche Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), sagte, in Planung seien zwei neue Gebäude.

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Georg Teutsch

Quelle: André Künzelmann

Leipzig. Das Investitionsvolumen liege bei rund 23 Millionen Euro. Gesichert sei für die nächsten fünf Jahre die Grundfinanzierung des UFZ, dessen Personalbestand aber nicht weiter zulegen werde.

Frage: 2014 startet die nächste Phase der programmorientierten Projektförderung des Bundesforschungsministeriums. Wie stehen die Zeichen?

Georg Teutsch:

Wir hatten 2013 eine große Begutachtung des UFZ. Diese Evaluierung ist sehr gut gelaufen und auf dieser Basis haben wir Planungssicherheit für die nächsten fünf Jahre bekommen. Das heißt, die Grundfinanzierung ist gesichert. Unsere Zuwendungsgeber sind ja zu 90 Prozent der Bund und zu je fünf Prozent die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt. Das sind in Summe jährlich rund 65 Millionen Euro. Zusätzlich stehen uns Drittmittel im Volumen von zirka 30 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, die im Rahmen des Wettbewerbes um Forschungsvorhaben eingeworben werden.

Am UFZ mit seinen Standorten in Leipzig, Halle und Magdeburg sind knapp 1200 Mitarbeiter beschäftigt. Personell wurde in der Vergangenheit immer zugelegt. Setzt sich das fort?

Wir werden absehbar nicht noch mehr wachsen. An Arbeit fehlt es nicht, aber wir stoßen an Platz- und Finanzierungsgrenzen. Grund- und Drittmittel stehen in einem vernünftigen Verhältnis, eine solche Balance ist wichtig, damit man sich nicht übernimmt.

Nach Ihrem Amtsantritt vor zehn Jahren gab es einen Strukturwechsel hin zu Departments, von denen es derzeit 34 gibt. Hat sich das bewährt?

Wer wie wir systemische Umweltforschung betreibt und auf vielen Handlungsfeldern unterwegs ist, der braucht einerseits die fachliche Kompetenz, die sich in den Departments abbildet. Und er benötigt andererseits für große übergreifende Vorhaben eine Art Matrix als Vernetzungsmechanismus, bei dem - je nach Forschungsbereich - Expertenwissen interdisziplinär gebündelt wird. Diese Mischung hat sich als ein sehr fruchtbarer Boden für produktives wissenschaftliches Arbeiten erwiesen. Es ist ja auch nicht so, dass es bei den Departments keine Veränderungen gibt, es gibt Fusionen, Schließungen und Neugründungen. 2014 kommen beispielsweise vier hinzu.

Während die Kooperation mit der TU Dresden durch die Gründung des Zentrums für Wasserforschung einen weiteren Schub bekommen hat, scheint die Zusammenarbeit mit der Leipziger Uni zu stagnieren -

Da muss man genauer hinhören oder wir müssen vielleicht auch lauter schreien - jedenfalls sollte nicht vergessen werden, dass wir beim neuen Zentrum für Biodiversitätsforschung, dem Idiv, mit der hiesigen Uni und denen in Halle und Jena eng beieinander sind. Fürs Idiv sind wir gerade für zwei Professuren in den Berufungsverhandlungen. Außerdem gibt es bereits viele zusätzliche Schnittstellen vom UFZ zu diversen Fakultäten der Alma Mater. Strategisch wird sich da sicher noch einiges tun. Der gemeinsame Wille von Uni-Rektorat und UFZ-Management dafür ist da, Ideen auch - etwa auf den Feldern der Systembiologie und Bioinformatik. Bei letzterer wird es bald eine gemeinsame Professorenberufung gegen.

Vor einigen Monaten ist unter Federführung des UFZ die Mega-Versuchsanlage in Bad Lauchstädt eröffnet worden. Sind weitere solcher Großinvestitionen in die Forschungsinfrastruktur geplant?

Was in Bad Lauchstädt entstanden ist, gilt als Mekka für die experimentelle Landnutzungs-, Biodiversitäts- und Wasserforschung. Aber ich will auch daran erinnern, dass wir von Magdeburg aus die Mobicos-Initiative koordinieren, bei der rund ein Dutzend mit Hightech-Geräten bestückte Container für die Gewässeranalytik zum Einsatz kommen. Und wir betreiben im Rahmen eines Großvorhabens namens Tereno ein Netz terrestrischer Observatorien in Deutschland, das als eine Art Referenz für ein späteres globales System der Erdbeobachtung der Helmholtz-Gemeinschaft dienen könnte. Am Hauptstandort in Leipzig planen wir im Zeitraum der nächsten vier Jahre zwei Neubauten. Das wird mit rund 23 Millionen Euro ein erheblicher Kraftakt, für den wir jetzt ansparen müssen.

Worum geht es genau?

Neben dem Veranstaltungsgebäude Kubus an der Permoserstraße ist ein Labor- und Bürotrakt vorgesehen. Und an der Torgauer Straße soll ein Gebäude für den neuen Bereich der technischen Katalyse entstehen. Zusätzlich wird auch ein bisher als Keller genutzter Trakt hergerichtet, wo sehr empfindliche Analysegeräte installiert werden.

Einst haben Sie in England studiert und dort Ihre Masterarbeit über ein Wasservorkommen in Katar geschrieben. Heute ist das UFZ erheblich im arabischen Raum engagiert -

Das war damals ein richtig spannendes Thema mit dieser Süßwasserlinse und den Fließsystemen, aber letztlich hat Katar ja dann auf die Entsalzung von Meerwasser für die Trinkwasserversorgung gesetzt. Zurzeit sind wir in Abu Dhabi beratend bei einem neuen Wasserzentrum recht aktiv, werden im Oman unser Knowhow bei einer Einrichtung einbringen, die wie ein kleines Helmholtz-Zentrum funktioniert. Tätig ist das UFZ ebenso in Syrien oder Israel und anderen ariden und semi-ariden Gebieten, wo Wasser eine Kostbarkeit und damit auch Konfliktstoff ist. Auf der Basis unserer Expertise etwa beim Monitoring gehen wir aus der Komfortzone Mitteleuropa heraus. Systemische Umweltforschung impliziert immer, dass auf der Grundlage einer wissenschaftlichen Gesamtschau Szenarien zur Konfliktbewältigung entwickelt werden. Sei es bei der Flächennutzung oder dem Schutz der Artenvielfalt, wo sich eben auch die Frage stellt, was Biodiversität bringt, was sie kostet und was uns die Ökosystem-Dienstleistungen der Natur Wert sind oder Wert sein sollten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.12.2013

Mario Beck

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