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Den Volkskrankheiten auf der Spur – Leipziger Forscher untersuchen 25.000 Menschen

Den Volkskrankheiten auf der Spur – Leipziger Forscher untersuchen 25.000 Menschen

Der Erforschung von Volkskrankheiten widmet sich ein einmaliges Projekt, das am Montag in Leipzig begonnen hat. Im Forschungszentrum für Zivilisationskrankheiten LIFE auf dem Medizin-Campus in der Liebigstraße werden bis 2013 rund 25.000 Menschen aufwendig untersucht.

Leipzig. „Wir wollen herausfinden, warum einige trotz erheblicher Risikofaktoren lange gesund bleiben und sehr alt werden, während immer mehr junge Menschen bereits an Gefäßerkrankungen leiden", sagte LIFE-Vorstand Joachim Thiery.

Das Projekt soll neue Einblicke in das Zusammenspiel von genetischer Anlage, Stoffwechsel, Umweltbedingungen und individuellem Lebensstil ermöglichen. Im Mittelpunkt stehen dabei Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen, Diabetes, Depressionen und Allergien, so Thiery.

Für die LIFE-Studie werden 10.000 Leipziger im Alter von 40 bis 79 Jahren als Freiwillige gesucht. „In Kooperation mit dem Einwohnermeldeamt der Stadt Leipzig bekommen bald viele Leipziger Post mit der Bitte, am LIFE-Projekt teilnzunehmen", sagt Vorstand Markus Löffler. Neben einer körperlichen Untersuchung, bei der unter anderem Blut entnommen und ein Ultraschall des Herzens gemacht wird, werden die Menschen zu ihrem Lebensstil und Lebensbedingungen befragt und die Daten anschließend mit den Ergebnissen von „Kranken-Vergleichsgruppen", die sich aus Patienten des Uniklinikums zusammensetzen, verglichen. Da viele Zivilisationskrankheiten ihren Ursprung bereits im Kindesalter haben, sollen auch 5.000 Kinder und Jugendliche auf Auslöser für Krankheiten wie Diabetes, Adipositas und Allergien untersucht werden.

Das LIFE-Projekt wird vom Freistaat Sachsen und der Europäischen Union mit rund 40 Millionen Euro gefördert. Das Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen ist nach eigenen Angaben das größte wissenschaftliche Vorhaben der sächsischen Landesexzellenzinitiative.

Das Forschungszentrum für Zivilisationskrankheiten ist im so genannten „Roten Haus" auf dem Medizin-Campus untergebracht. Dort befindet sich auch die neu eingerichtete Biobank, wo ein Teil jeder Blut- und Zellprobe in verschweißten Plastikhalmen für spätere Analysen lagert.

Dabei wird eine neue Gefriertechnologie, die mit flüssigem Stickstoff arbeitet und in dieser Form weltweit einmalig ist, erstmals eingesetzt. Die Proben werden bei einer Temperatur von minus 140 Grad Celsius in einer geschlossenen Kühlkette aufbewahrt und stehen so den Wissenschaftlern über mehrere Jahrzehnte zur Verfügung.

In den benachbarten Forschungslaboren werden die Proben der Leipziger unter der Leitung des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Diagnostik der Uniklinik Leipzig untersucht. Dabei kommen modernste Geräte für die Genomanalytik und hochsensitive Massenspektrometer zum Einsatz. „Wenn man ein Stück Würfelzucker im Cospudener See auflösen würde, könnte man ihn mit diesen Geräten noch im Wasser nachweisen", erklärte LIFE-Vorstand Thiery. Bislang wurden knapp fünf Millionen Euro in Analysetechnik investiert.

Anfang nächsten Jahres sollen die ersten Forschungsteilnehmer angeschrieben werden und gleichzeitig die Untersuchungen starten. Bis dahin finden im Roten Haus noch Probeläufe aller medizinischen Geräte statt. Außerdem wird das Personal geschult.

In den nächsten zwei bis drei Jahren wollen die Forscher erste medizinisch und wirtschaftlich verwertbare Ergebnisse vorlegen. „Wir sind sicher: Hier in Leipzig erhalten wir für mindestens eine oder zwei der großen Volkskrankheiten wegweisende und neue Einsichten für die Vorbeugung und für eine gezieltere Therapie, als dies heute möglich ist", so die LIFE-Vorstände Joachim Thiery und Markus Löffler.

Ines Christ

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