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Bildung Desaster an Leipziger Gymnasien: Mehr Kinder als erlaubt in den Klassen – Arbeitsplätze fehlen
Leipzig Bildung Desaster an Leipziger Gymnasien: Mehr Kinder als erlaubt in den Klassen – Arbeitsplätze fehlen
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23:09 02.09.2014
Verwaltungsgericht Leipzig: Der Schulweg muss in einer Stunde zu schaffen sein. Quelle: dpa
Leipzig

Gerichtsentscheide im Eilverfahren machen das nötig.

Die Erfüllung der Beschlüsse des Verwaltungsgerichts stehe vor der Maßgabe des Schulgesetzes, erklärt Roman Schulz von der Bildungsagentur in Leipzig gegenüber LVZ-Online. Schulweg zu lang, Schulnetzplanung nicht eingehalten, Fehler in den Auswahlverfahren: In 38 Verfahren entschied das Gericht zehnmal zugunsten der Eltern. Die Bildungsagentur zog nach und half weiteren Widersprüchen ab, die in dieselbe Richtung gingen.

„Entsetzen“, so beschreibt Schulleiterin Petra Seipel die Reaktion in der Lehrerschaft, als kurz vor Ferienende klar war, dass das Reclam-Gymnasium elf Kinder mehr als geplant aufnehmen muss. Zwei Klassen starten nun mit je 30 Kindern ins Schuljahr. Sie zogen in 70 Quadratmeter große Klassenräume, „das sind die größten, die wir haben“, schildert die Rektorin. Doch Fachkabinette sind für so viele Kinder nicht ausgelegt.

Das Reclam-Gymnasium Leipzig, Deutsch-Französisches Bildungszentrum.

Das Reclam hat laut Verwaltungsgericht im Auswahlverfahren Fehler gemacht. Als unzulässiges Leistungsmerkmal schätzte die 4. Kammer in Leipzig ein, dass an der Schule französische Vorkenntnisse gefordert werden. „Das war mit der Bildungsagentur abgestimmt“, sagt Seipel. „Wenn das nicht gilt, müssen wir auch unser Konzept als Deutsch-Französisches Bildungszentrum überdenken.“

Schüler-Wanderungsbewegung gescheitert

Das Gericht entschied auch, dass der Schulweg für Fünftklässler nicht länger als eine Stunde sein darf. Damit wurde der Plan der Stadt Leipzig, eine Schüler-Wanderungsbewegung vom Westen und Süden der Stadt zum Gorki-Interim in Schönefeld und zum Gustav-Hertz-Gymnasium in Heiterblick zu organisieren, letztlich auf juristischem Wege abgestraft. In vier Fällen gaben die Juristen den Einwänden der Eltern Recht. „Diese Kinder gehen jetzt wohl alle zum Schumann-Gymnasium“, so Schulz. Die genaue Analyse stehe aber noch aus.

Das Robert-Schumann-Gymnasium in Lindenau.

Vier Kinder – das hört sich nicht dramatisch an. Doch das Schumann in Lindenau hatte bereits quasi bis unters Dach aufgestockt und fährt vierzügig, geplant waren 112 Kinder. Jeder weitere Schüler treibt die Klassenstärke übers Limit hinaus. Und das hat im Alltag skurrile Folgen: Eltern erzählen von einem „wandernden Tisch“, der je nach Unterrichtsfach in dieses oder jenes Klassenzimmer getragen wird, damit alle Fünftklässler einen Arbeitsplatz haben.

Viel Platz im Interim Schönefeld

Auch das Klinger-Gymnasium in Leipzig-Grünau muss drei Kinder mehr aufnehmen. Hier hat offenbar die Schulnetzplanung versagt: „Das Gericht sah bei der Aufnahmekapazität noch Luft nach oben“, so die Bildungsagentur, die das nicht weiter kommentieren wollte.

Luftig geht es dagegen im Interim des zukünftigen Gymnasiums Gorkistraße zu, das in der Löbauer Straße in Leipzig-Schönefeld aufgemacht hat. „Alles ist sehr gut hergerichtet. Die Stadt hat Treppenhäuser und Klassenräume malern lassen. Die Möblierung für die Zimmer ist nagelneu“, schildert Schulz. 63 Kinder sollten dort hingelenkt werden, geblieben sind 47.  

Doch weil es wohl gar nicht anders geht, könnte der Standort 2015 mehr Zulauf bekommen. „Die von der Stadt Leipzig geplanten neuen Gymnasien greifen frühestens ab 2016. In den jetzigen 4. Klassen befinden sich aber etwa 200 Kinder mehr als im vergangenen Jahr“, so die Bildungsagentur. „Die Situation wird sich auch 2015 nicht entspannen.“

Evelyn ter Vehn

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