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Die 125. Oberschule in Reudnitz kämpft um ihre Sekretärin

Die 125. Oberschule in Reudnitz kämpft um ihre Sekretärin

Sie haben alles versucht, doch der Kampf um Kerstin Pörschmann ist wohl verloren. Das haben Lehrer, Eltern und Schüler der 125. Oberschule in Reudnitz seit Dienstag schwarz auf weiß.

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Unmissverständliche Botschaft: Die Mädchen und Jungen der 125. Schule hängen an ihrer Schulsekretärin.

Quelle: André Kempner

Leipzig. In einem Schreiben an das Lehrerkollegium stellt Nicolas Tsapos, Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Bildung, unmissverständlich klar: Ihre Stelle wird nicht verlängert.

"Trotz der guten Leistungen von Frau Pörschmann besteht derzeit für uns keine Möglichkeit, den Vertrag nochmals zu verlängern, so dass das Arbeitsverhältnis am 30. Juni 2014 endet", hieß es in dem Brief. Nun ist die Betroffenheit größer denn je.

Das Gefühl der Ohnmacht grassiert bei den Anhängern der beliebten Schulsekretärin - offizielle Funktionsbezeichnung: Schulsachbearbeiterin - eigentlich schon eine ganze Weile. In den vergangenen Wochen, ja Monaten hatte es in der Heinrichstraße 43/45 immer wieder Solidaritätsbekundungen gegeben, um Kerstin Pörschmann an der 125. Schule zu halten. Eine Unterschriftenaktion des Elternrates, von Schülern gebastelte Plakate, der (Einladungs-)Brief einer Klasse, allesamt an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) adressiert, blieben nicht nur ohne Erfolg, sondern auch ohne Reaktion. Das hat den Glauben an Mitbestimmung und Demokratie, vor allem aber an das Wirken von sozialer Kompetenz in der Bürgerstadt Leipzig arg erschüttert. "Es ist zum Fremdschämen", zürnen Lehrer und Eltern gleichermaßen.

Die Oschatzerin Pörschmann war in den vergangenen knapp zwei Jahren immer nur mit befristeten Arbeitsverträgen ausgestattet worden - als Vertretung für eine erkrankte fest angestellte Sekretärin. Letztere ist inzwischen aus dem Berufsleben ausgeschieden, doch die Hoffnung unter Pädagogen, Erziehungsberechtigten und Schülern, nunmehr könne der Posten an Kerstin Pörschmann gehen, erhielt sogleich einen Dämpfer. Die Stadt als Schulträger teilte mit, dass eine nochmalige Verlängerung oder gar Festanstellung der 44-Jährigen nicht erfolgen könne. Hintergrund: Die Kommune ist im Begriff, langfristig 13,1 Vollzeitstellen bei den Schulsachbearbeiterinnen abzubauen. Gegenwärtig sind rund 170 Vollzeit- beziehungsweise Teilzeitkräfte in Leipziger Schulsekretariaten beschäftigt.

Der Fall Pörschmann ist offenbar so etwas wie die Ouvertüre zum Personal-Streichkonzert - auch wenn die entsprechende Vorlage des Dezernates von Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD) über ein neues Stellenbemessungsmodell für Schulsekretärinnen die OBM-Dienstberatung erst noch passieren muss.

"Ausgerechnet bei uns", klagen sie an der 125. Schule, "zieht das Rathaus jetzt durch." Welche Wertschätzung Kerstin Pörschmann genießt, verdeutlicht der jüngste Brief des Lehrerkolle- giums an OBM Jung. "Unsere Schule liegt im Leipziger Osten und weist dadurch ein sehr schwieriges Klientel auf. Deshalb ist es für uns von großer Bedeutung, dass die Zusammenarbeit funktioniert. Eine unserer wichtigsten Stützen ist dabei unsere Schulsachbearbeiterin. Sie engagiert sich mit aller Kraft und Liebe. Sie ist stets einsatzbereit, unterstützt uns schnell und mit Übersicht und ist dabei stets freundlich und verbreitet im ganzen Haus Humor." Zudem, sagt Lehrer Jörg Becker, besitze Sekretärin Pörschmann die "unglaubliche Fähigkeit", von jedem Schüler der Bildungseinrichtung den Namen zu kennen. "Das ist überragend, das kann sonst keiner."

Es wird der Mittvierzigerin wohl nichts nützen. Ab 1. Juli kommt eine andere Schulsachbearbeiterin - eine mit festem Kontrakt, die vor einigen Jahren schon einmal an der 125. Schule war. Kerstin Pörschmann hingegen wird sich einen neuen Job suchen müssen. Knapp zwei Jahre lang ist sie zwischen Oschatz und Leipzig gependelt - "und ich habe das sehr, sehr gern gemacht." Jetzt wird sie sich ärgern, dass sie 2013 eine zugesagte Arbeitsstelle in Heimatnähe kurzfristig doch nicht annahm. Damals hielt die Stadt Leipzig sie mit der Verlängerung ihres befristeten Kontraktes lange hin. "Ich konnte die Schule, die Kinder einfach nicht im Stich lassen", sagt sie.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.06.2014

Dominic Welters

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