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"Die Gremien wünschen den Wechsel": Professor Hans Wiesmeth verlässt HHL

"Die Gremien wünschen den Wechsel": Professor Hans Wiesmeth verlässt HHL

Professor Hans Wiesmeth, der der privaten Leipziger Handelshochschule (HHL) seit 2005 vorsteht, gibt das Rektoramt Ende März auf. Er hätte durchaus für eine zweite Amtszeit zur Verfügung gestanden, aber Aufsichtsrat und Gesellschafter wollen den Spitzenposten neu besetzt sehen.

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Legt die Amtskette Ende März ab: Handelshochschul-Rektor Hans Wiesmeth.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Frage: Ihre fünfjährige Amtszeit als Rektor der Handelshochschule läuft Ende März ab. Warum ist keine zweite Amtsperiode drin?

Hans Wiesmeth: An der Hochschule ist es üblich, dass die Rektoren nur eine Amtsperiode dienen. Ich hätte mir durchaus vorstellen können, weiterzumachen, aber es gibt sicherlich auch gute Gründe, dass gewechselt wird, weil damit auch neue Netzwerke in die Hochschule hineingebracht werden. Insofern verstehe ich die Gremien, dass sie einen Wechsel wünschen.

Die HHL hat unter Ihrer Ägide an Profil gewonnen, belegt bei bundesweiten Rankings regelmäßig Spitzenplätze. Auf der anderen Seite schreibt sie rote Zahlen. Wie passt das zueinander?

Da gibt es durchaus einen Zusammenhang. Wir sind in einem Wachstumsprozess, die Mitarbeiterzahl ist von 65 auf 100 gestiegen, was der Lehre und Forschung zugute kommt. Es wurden neue Räumlichkeiten in der Innenstadt angemietet. Das alles ist mit Kosten verbunden, aber das sind Investitionen in die Zukunft, die sich bezahlt machen werden. Das Defizit hat auch damit zu tun, dass sich - bedingt durch die Bachelor-Master-Studienreform - die Zahl der Immatrikulationen und damit die Einnahmen aus Studiengebühren in den vergangenen Jahren nicht so entwickelt haben, wie wir uns das wünschten. Dieses Tal ist aber durchschritten, vor allem unser Kernprogramm Master of Science wird stark nachgefragt.

Hat die Wirtschaftskrise auf die HHL ausgestrahlt?

Sie ist nicht spurlos an uns vorbeigegangen, hat die Sponsorensuche erschwert. Und die Unternehmen haben weniger leitende Mitarbeiter zur Qualifizierung an die Hochschule geschickt. Die Situation hellt sich derzeit jedoch wieder auf.

Wie ernst ist das Finanzproblem?

Die negativen Zahlen sind aus meiner Warte nicht so gravierend, es gibt ein ausreichendes finanzielles Polster. In absehbarer Zeit, vielleicht schon 2011, dürfte die Hochschule aus der problematischen Zone heraus sein.

Zur Amtseinführung 2005 haben Sie das Ziel ausgegeben, die HHL in der internationalen Top-Liga der Business Schools zu positionieren. Wie weit sind Sie dabei vorangekommen?

Wir stehen sehr gut da, was die internationale Akkreditierung und Anerkennung anbelangt. Der eingeleitete Wachstumsprozess wird dazu beitragen, dass wir noch sichtbarer auf dem internationalen Parkett werden. Langfristig soll die Studentenzahl von aktuell 350 auf 600 und die Zahl der Professoren um 50 Prozent steigen. Damit wäre eine schlagkräftige Größe im weltweiten Wettbewerb erreicht. Vor Kurzem hat sich die HHL mit renommierten Business Schools im französischen Nantes und im italienischen Mailand verbündet, um den Studenten die europäische Unternehmenswelt weiter zu öffnen. Einem Netzwerk mit 100 Partnerhochschulen, die alle einen guten Ruf haben, anzugehören, ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Alleine in einer Klasse von den insgesamt 35 sind bei uns Studenten aus 16 Ländern vertreten.

Wenn Sie aus persönlicher Sicht auf die Rektoratszeit zurückblicken, was ist besonders haften geblieben - im positiven wie im negativen Sinne?

An der Hochschule herrscht ein Geist der Kollegialität. Hochschullehrer, Mitarbeiter und Studenten ziehen an einem Strang. Das ist eine sehr gedeihliche Atmosphäre, in der es Spaß macht, das Rektoramt auszuüben. Und es erfüllt einen Rektor mit Stolz, wenn - wie bei uns - viele Unternehmensgründungen aus der Hochschule hervorgehen und sich die vergleichsweise kleine HHL zu einem Katalysator für die wirtschaftliche Entwicklung der Region entwickelt. Andererseits waren die Rahmenbedingungen leider nicht so günstig, dass die Hochschule in dem Maße und mit der Geschwindigkeit quantitativ zulegen konnte, wie ich mir das gewünscht hätte. Damit muss man sich abfinden. Wir leben hier nicht auf einer Insel der Seligen.

Läuft die Suche nach einem Nachfolger, schließlich ist bis zu Ihrem Ausscheiden nicht mehr viel Zeit?

Ich hoffe, dass bis zum 1. April die Nachfolge geregelt und ein nahtloser Amtsübergang möglich ist. Die Gremien, vor allem der Aufsichtsrat, sind jedenfalls intensiv mit der Suche befasst.

Wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus?

Ich gehe wieder zurück an meinen Lehrstuhl an der Technischen Universität Dresden.

Mario Beck

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