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Die Leipziger „Sprachschule Kinderleicht“ muss Ende Oktober die Riemannstraße verlassen

Umzug wider Willen Die Leipziger „Sprachschule Kinderleicht“ muss Ende Oktober die Riemannstraße verlassen

Letztes Sprach-Sommercamp in der Südvorstadt: Die Sprachschule von Kerstin Schilling und Michael Hull muss zum dritten Mal seit ihrer Gründung umziehen. Ein letztes Mal, wie die beiden Inhaber hoffen. Das neue Domizil ist schon gefunden.

Inhaber und Lehrer Michael Hull während des Englisch-Unterrichts in der Sprachschule Kinderleicht.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die „Sprachschule Kinderleicht“ muss raus. Zum dritten Mal in ihrer 17-jährigen Geschichte steht für das Inhaber-Paar Kerstin Schilling und Michael Hull ein Standortwechsel an. Das heißt auch: Letztes Sprach-Sommercamp in der Südvorstadt.

Die Geschichte der Sprachschule beginnt im Jahr 2000: Kerstin Schilling ist gerade aus Taiwan zurück, wo sie Zweieinhalbjährigen spielerisch Englisch beibrachte. Wieder in Leipzig will sie das Konzept auch hierzulande ausprobieren. In der Begegnungsstätte Mühlstraße, im Haus Steinstraße und in Kindergärten gibt die heute 49-Jährige erste Kurse. Die Idee kommt an - die Schülerzahl wächst. „Wir wurden förmlich überrannt“, sagt Schilling. Hilfe erhält sie von ihrem aus England stammenden Mann, Michael Hull, und einer taiwanesischen Freundin.

Wenig später beziehen sie die ersten eigenen Räume in der August-Bebel-Straße. 70 Schüler zählt die Sprachschule innerhalb kurzer Zeit. 2007 werden es zu viele - größere Räume werden gebraucht. Auf der Karl-Liebknecht-Straße finden Schilling und Hull ausreichend Platz und bleiben bis Mitte 2012. Dann kommt die Kündigung: Die Kinder seien zu laut, die Sprachschule passe mit den übrigen Mietern nicht mehr zusammen. Und so steht der zweite Umzug an. Im Juni 2012 wird die Riemannstraße das neue Domizil der Fremdsprachenlehrer. „Wir waren einer der ersten Mieter im Haus“, sagt Schilling, „der Eigentümer war froh uns gefunden zu haben und auch mit den anderen Mietern war das Verhältnis immer gut.“

Im Sommer 2016 wurde der Sprachschule mitgeteilt, dass ein neuer Eigentümer das Haus gekauft habe. Wenig später dann die Kündigung durch die „I.S. Objekthandels GmbH“, die auch als „Immoscoring GmbH“ in Leipzig auftritt. „Da ist für uns die Welt zusammengebrochen“, erinnert sich Schilling. Auslöser sei das an der Hauswand befestigte Werbeschild gewesen: Bei Fassadenarbeiten habe eine Baufirma das Schild heruntergerissen. Eine übrig gebliebene und aus der Wand ragende Stange wurde von Passanten herausgebrochen, sodass die renovierte Fassade beschädigt wurde, vermutet sie. Daraufhin sei der Sprachschule – trotz vorliegender Genehmigung – untersagt worden, erneut ein Werbeschild anzubringen. Da die Schule es dennoch montierte, sei die Kündigung erfolgt. „Es gibt 50 andere Sprachschulen in Leipzig, wir mussten einfach weiter werben“, erklärt die Schulleiterin. Eine schriftliche Nachfrage der LVZ per E-Mail an „Immoscoring“ blieb unbeantwortet; auf telefonische Nachfrage heißt es nur: „Zur ,Sprachschule Kinderleicht‘ werden Sie von uns keine Antwort erhalten.“

Um sich nicht mehr der Gefahr eines Rauswurfs auszusetzen, schauten sich Schilling und Hull nach zum Verkauf stehenden Räumen um. Ein Objekt in der Inselstraße schien den beiden geeignet. Die Finanzierung schien schwierig. Während der Kaufvorbereitungen fiel den beiden Lehrern auf, dass sie für die Sprachschule nach Paragraf 4 Nr. 21 a)bb) Umsatzsteuergesetz (UStG) keine Steuer abgeben müssen – es aber über 17 Jahre hinweg getan haben. Das Geld hätten beide lieber in den Kauf von Räumen investiert. Dass sich Schilling und Hull darüber früher informieren hätten können, wissen die beiden Inhaber. Sie fragen sich aber, ob es nicht auch dem Finanzamt oder den von ihnen bezahlten Steuerberatern hätte auffallen müssen. Von der Regionalstelle Leipzig der Sächsischen Bildungsagentur (SBAL) heißt es dazu: Die SBAL sei nach UStG zwar für die Prüfung zuständig, ob eine Bildungseinrichtung die Voraussetzung des Paragrafs 4 erfüllt, doch geschehe dies nur auf Antrag. Erfüllt der Antragsteller alle Bedingungen, werde die Bescheinigung durch die SBAL an das zuständige Finanzamt weitergereicht. Die „Sprachschule Kinderleicht“ habe allerdings 17 Jahre keinen Antrag gestellt und dies erst 2016 rückwirkend getan. Der Pressesprecher des sächsischen Finanzministeriums, Stephan Gößl, verweist in dem Fall auf das Steuergeheimnis. Grundsätzlich sei es Finanzämtern aber nicht möglich, steuerberatend tätig zu sein.

Mittlerweile hat Kerstin Schilling eine Kreditzusage für die neuen Räumlichkeiten in der Inselstraße 13 bis 15 erhalten. Im Oktober sollen diese bezogen werden. 240 Quadratmeter stehen dann den rund 400 Schülern und 15 Lehrern zur Verfügung. Alle Kinder werden auch am neuen Standort von zertifizierten Muttersprachlern in Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Und natürlich wird es auch wieder ein Sprach-Sommercamp geben.

Infos zu Schule und Kursen gibt’s unter www.sprachschule-kinderleicht.de.

Von Mathias Schönknecht

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