Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bildung Die Leipziger spenden seit 85 Jahren ihr Blut
Leipzig Bildung Die Leipziger spenden seit 85 Jahren ihr Blut
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:27 12.12.2018
125 Spenden: Institutsdirektor Reinhard Henschler mit Lothar Richter, Frank Winter, Marianna Schönfeld, Siegfried Naudszus (von links). Bernd Noack fehlt auf dem Bild. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

125 Blutspenden. Selbst wenn man sich als Mann die jährlich erlaubten sechs Mal auf die Liege legt, dauert das mehr als zwei Jahrzehnte. Eine Frau benötigt bei vier möglichen Spenden pro Jahr rechnerisch sogar mindestens 30 Jahre, bis sie die 125 erreicht. Aber diese fünf Menschen haben es geschafft. 1975, mit 19, gab Lothar Richter zum ersten Mal sein Blut. „Besser, einfacher, bedenkenloser lässt sich anderen Menschen nicht helfen“, sagt der heute 62-jährige Eilenburger.

Insgesamt 80 Blutspendern und einer Stammzellenspenderin hat das Institut für Transfusionsmedizin des Leipziger Universitätsklinikums am Dienstagabend im Restaurant des Bayerischen Bahnhofs gedankt. Aber nicht allein 25, 40, 50, 75, 100 oder eben 125 geleistete Spenden galt es zu feiern – sondern auch einen runden Geburtstag: Fast auf den Tag vor 85 Jahren, am 8. Dezember 1933, suchte der Rat der Stadt Leipzig per Zeitungsanzeige Freiwillige, um erstmals in Deutschland ein überregionales Blutspenderegister aufzubauen. „Eine absolute Pioniertat“, jubelt Reinhard Henschler, seit Oktober neuer Institutsdirektor. Zuvor, seit Beginn des 20. Jahrhunderts etwa, hatten vor allem Krankenschwestern den Patienten ihr Blut überlassen.

König der Blutspender

„Der Blick in die Augen ist schon Dank genug“, notierte 1934 ein Leipziger Bäcker namens Karl Klaus – einer der ersten registrierten Spender seinerzeit. Sein Tagebuch ist der dritte Grund, aus dem hier gefeiert wurde: „Memoiren eines Idealisten“ heißt der Band, den die Transfusionsmedizinerinnen Elvira Edel und Brunhilde Haustein gerade im Leipziger Universitätsverlag herausgegeben haben. Als „König der Blutspender“ sollte Karl Klaus mehr als 200 Mal zu Ader gelassen werden. In den ersten Jahren saßen ihm die Empfänger gegenüber.

1948 spendete Volker Thierbach erstmals sein Blut. Von Anfang der 60er bis Ende der 90er-Jahre leitete der heute 88-jährige Arzt dann selbst den Blutspendedienst. Ein Fotoalbum, das er dem Medizinerkollegen Justus Claus 1967 nach dessen 100. Spende geschenkt hatte, schenkten dessen Kinder nun Thierbach und dem Nachfolger Henschler zurück – zusammen mit einigen Originaldokumenten des Blutspende-Pioniers Paul Morawitz. Das ist der Wissenschaftler, der vor fast genau 85 Jahren in Leipzig den Grundstein der heutigen Blutbank legte. Die Hinterlassenschaften sollen im Institut ausgestellt werden. Ein vierter Grund zum Feiern.

Von Mathias Wöbking

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schönes Geburtstagsgeschenk, das Professorin Beate Schücking zum Festakt 25 Jahre Sportfakultät da mitgebracht hatte. Die Rektorin der Universität Leipzig gab der „Spowi“ eine Bestandsgarantie mit auf den Weg.

08.12.2018

Der Chemiker Jens Meiler wird 2019 neuer Humboldt-Professor an der Universität Leipzig. Der 44-jährige Experte für computergestützte Modellierung von chemischen Wirkungen soll an der medizinischen Fakultät Professor für Pharmazeutische Chemie werden. Momentan forscht und lehrt er in den USA.

06.12.2018

Wer einen schlechten Abi-Schnitt hat, muss oft viele Wartesemester absitzen, bis er sein Lieblingsfach studieren darf. Oder man versucht, sich in die Uni zu klagen. Wie hoch sind die Erfolgsaussichten in Leipzig?

06.12.2018