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Bildung Diskriminierung am Einlass: Leipziger Studentenrat mit neuem Konzept für Clubs
Leipzig Bildung Diskriminierung am Einlass: Leipziger Studentenrat mit neuem Konzept für Clubs
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15:43 15.10.2012
Nach Vorwürfen gegen sechs Leipziger Diskotheken, sie würden eine rassistische Einlasspolitik betreiben, hat der Studentenrat (Stura) der Universität mit einem Fünf-Punkte-Plan reagiert. (Symbolbild) Quelle: André Kempner
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Leipzig

„Das ist ein bundesweit einzigartiges Konzept, um einen grundlegenden Standard zu gewährleisten“, bewertet Daniel Bartel vom Antidiskriminierungsbüro Sachsen (ADB) den Vorstoß der Studentenvertreter am Montag.

Das neue Konzept soll künftig verhindern, dass ausländische Studierende wegen ihrer Herkunft an den Türen von Clubs und Diskos abgewiesen werden. Der Plan, der ab Januar 2013 gelten soll, umfasst fünf Punkte, die die Diskos einhalten müssen. So soll ein fester Ansprechpartner für Beschwerden festgelegt werden, der wiederum vom Stura geschult werden wird. Außerdem soll ein Informationsplakat im Eingangsbereich der Clubs aushängen, das die Besucher über Beschwerdemöglichkeiten und Einlasskriterien informiert. Weiterhin ist eine unabhängige Stelle geplant, die die Beschwerden annimmt und bearbeitet. Zuletzt sollen alle Clubs ihre Hausordnung entsprechend des Konzepts ändern. „Das ist ein Zeichen für echte Nachhaltigkeit“, so Bartel, der nun hofft, dass so viele Einrichtungen wie möglich an der Initiative teilnehmen.

Bisher hat sich nur die Moritzbastei (MB) bereit erklärt, das Konzept umzusetzen. „Grundlegend müssen wir nichts ändern. Neu ist, dass wir nun einen Ansprechpartner festlegen“, sagt MB-Chef Mario Wolf und begründet seine Bereitschaft mit nackten Zahlen. „Wenn die 32 Fakultäten der Uni sich entschließen, ihre Partys nicht mehr bei uns zu feiern, ist das natürlich auch ein wirtschaftlicher Faktor.“

Denn falls sich ein Club gegen das Konzept entscheidet, wird er vom Stura künftig ignoriert. Das heißt: weder Studentenfeiern noch Werbung für den Club. Das kann sich eigentlich keine Disko leisten. Jährlich feiern etwa 80.000 Studenten in der MB, die damit auch der größte Studentenclub Europas ist.

Studentenvertreter sahen Handlungsbedarf

Der Stura vertritt etwa 28.000 Studierende in Leipzig. Als Erpressung will ADB-Sprecher Bartel den Plan nicht gelten lassen. „Ich verstehe das Konzept eher als Aufruf zum Dialog. Es geht nicht darum, eine Seite zu bestrafen. Der Stura möchte als Geschäftspartner ernst genommen werden.“

In den nächsten Wochen werden zahlreiche Einrichtungen in Leipzig vom Stura schriftlich über den Fünf-Punkte-Plan informiert. Obwohl die Reaktionen der Clubs auf die Beschwerden von Gästen über die Einlasspolitik bisher zurückhaltend ausfielen, sind die Initiatoren optimistisch, dass sich viele beteiligen werden. „Durch die Beschwerden fühlten sich die Clubs angegriffen. Das Konzept ist da etwas anderes“, meint Stura-Sprecher Gregor Grande.

Sowohl ADB als auch Stura sahen dringenden Handlungsbedarf, nachdem in einem Test von elf Einrichtungen vor einem Jahr drei Ausländer aufgrund ihrer Herkunft in sechs Fällen abgewiesen worden waren. „Nach dem Test haben wir die betreffenden Clubs angeschrieben, haben jedoch nur wenig Reaktionen bekommen“, erinnert sich Bartel.

Reik Anton

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