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Drei Jahre umsonst: Leipziger Azubis bleiben ohne Abschluss

Verdorbene Ausbildung zum Zootierpfleger Drei Jahre umsonst: Leipziger Azubis bleiben ohne Abschluss

Die IHK erkennt eine Ausbildung zum Zootierpfleger an einer Ergänzungsschule nicht an – jetzt drohen Klagen.

Eingangsschild am Gebäude der Sächsischen Lehmbaugruppe am Campus West in der Lützner Straße 93-95.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Trauriges Ende eines Berufstraums: Mindestens 15 junge Leute stehen in der Messestadt ohne Berufsabschluss da, obwohl sie eine auf drei Jahre ausgelegte Ausbildung an der Leipziger Gesellschaft für Bildung und Arbeit absolvierten – und dafür pro Monat mindestens 355 Euro an die sogenannte Ergänzungsschule überwiesen haben. Unter dem Namen „The Animal School“ bot der Bildungsträger, der Teil der Sächsischen Lehmbaugruppe ist, noch bis vor wenigen Monaten den Bildungsgang „Tierpfleger, Fachrichtung Zoo“ an. Im Sommer 2014 sollte dann der erste Ausbildungsjahrgang die Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) ablegen. Doch dort wurden die Azubis laut IHK nicht zur Prüfung zugelassen. Das gleiche wiederholte sich 2015 beim nächsten Jahrgang. In einem Schreiben an einen der Azubis aus dem zweiten Ausbildungsjahr nennt die IHK dafür vor allem Mängel bei der praktischen Tätigkeit. Anders als bei betrieblichen Ausbildungen waren die Azubis nicht direkt bei einem Unternehmen angestellt, also etwa dem Zoo, sondern absolvierten nur Praktika. Einer der Auszubildenden, der anonym bleiben will, bestätigt gegenüber der LVZ: „Die Praxis haben wir nur in kleinen Anlagen gelernt.“

Ein Teilnehmer des zweiten Ausbildungsjahrganges hält der Lehmbaugruppe nun falsche Versprechen vor. „Beim Vorstellungsgespräch wurde gesagt, dass wir in richtigen Zoos wären.“ Eine andere Auszubildende wirft wiederum der IHK Untätigkeit vor. Auch eine Klage vor dem Verwaltungsgericht mehrerer Schüler auf Zulassung zur Prüfung gab es. Diese wurde aber in erster Instanz abgewiesen.

„Auf ihrer Internetseite hat die Schule damals mit einem IHK-Abschluss geworben und mit Bafög-Förderung“, erinnert sich einer der Auszubildenden. Doch die IHK weist die Vorwürfe zurück. Die Genehmigung dazu sei nie erteilt worden. Erst bei der Prüfungsanmeldung für den ersten Bildungsjahrgang Ende 2013 hätten die Unterlagen geprüft und die fachlichen Mängel festgestellt werden können. Zuständig für die Schule sei die Aufsichtsbehörde gewesen, also die Regionalstelle der Sächsische Bildungsagentur (SBAL). Laut dem dortigen Pressesprecher Roman Schulz müssen Bildungsgänge von Ergänzungsschulen allerdings nicht vorab genehmigt, sondern bei den Behörden nur angezeigt werden, geprüft werde erst später. „Es bleibt in der Verantwortung des Betreibers, welche qualitativen Ansprüche sie erheben“, so Schulz.

Das sächsische Kultusministerium, dem die SBAL unterstellt ist, verweist auf LVZ-Anfrage auf die von der Lehmbaugruppe eingereichten Unterlagen zum Bildungsgang. Auf Grund derer sei die Bafög-Gleichwertigkeit festgestellt worden. Das Kultusministerium stellt aber klar: „Der Schulbetrieb wurde mit Wirkung vom 7. Mai untersagt.“ Unklar bleibt allerdings, warum zwischen Bekanntwerden der angeblichen Mängel und der Untersagung des Schulbetriebes über ein Jahr verging. Das Kultusministerium verweist auf eine „sorgfältige Sachverhaltsermittlung“ und verschiedene Gespräche mit IHK und Schule.

Bei den Azubis herrscht aber nach wie vor völlige Unklarheit, wie es weiter geht. Einige wollen bald gegen die Lehmbauschule klagen. Die Lehmbaugruppe selber gibt auf LVZ-Anfrage kaum Auskunft. Sven Fischer aus der PR-Abteilung verweist auf die anfängliche Zustimmung des Kultusministeriums. Er räumt nur ein, dass der Bildungsgang aktuell nicht angeboten wird.

Einer der betroffenen Azubis glaubt, dass sich die Schule mit der Ausbildung zum Zootierpfleger „einfach zu viel vorgenommen hat“. Er will gegen die Lehmbaugruppe auf Rückzahlung des Geldes klagen. Etwas anderes bekommt er aber nicht zurück: „Das sind drei Jahre verlorene Zeit“, sagt er verbittert.

Von Lucas Grothe

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