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Ein Physiker wird Lehrer – Seiteneinsteiger stärken Leipziger Schulen

Bildungswesen Ein Physiker wird Lehrer – Seiteneinsteiger stärken Leipziger Schulen

660 Lehrerstellen sind in Sachsen zum 1. Februar ausgeschrieben, darunter 166 für die Region Leipzig. Viele werden mit Seiteneinsteigern besetzt. Das muss keine schlechte Wahl sein, wie das Beispiel des Physikers Markus Flieger zeigt, der am Werner-Heisenberg-Gymnasium unterrichtet.

Physiklehrer Markus Flieger beim Unterricht mit den Schülern der Klasse 10.2. im Heisenberg-Gymnasium.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Jung, freundlich, kompetent: Markus Flieger (31) kommt mit einem Lächeln in die Klasse. Der gebürtige Salzwedeler ist einer der vielen Seiteneinsteiger, die zum Lehrer „umgesattelt“ haben. Seit mehr als einem Jahr unterrichtet der Physiker am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Möckern. „Er hat einfach das pädagogische Gefühl, arbeitet mit hohem Engagement und kommt bei den Schülern gut an“, sagt Direktor Ulrich Stein und weiß, dass der junge Mann für das Gymnasium „ein Glücksgriff“ ist. Das muss nicht immer so sein. Eins ist nicht nur dem erfahrenen Pädagogen Stein klar. „Seiteneinsteiger können auf Dauer nicht die Lösung für den Lehrermangel in Sachsen sein.“

Flieger zumindest scheint im Lehrerberuf seine Berufung gefunden zu haben, wurde im Kollegium der 54 Pädagogen am Heisenberg-Gymnasium gut aufgenommen. Der Familienvater hat in Halle an der Martin-Luther-Universität Physik studiert und hatte eigentlich immer eine wissenschaftliche Karriere vor Augen. Sein Spezialgebiet: Theoretische Festkörperphysik. Bereits dreieinhalb Jahre arbeitete er an seiner Promotion, die er aber aufgab. „Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass diese starke Spezialisierung in der Forschung nichts für mich ist. Schon im Studium war ich vielfältig interessiert, habe viele Kurse zusätzlich belegt“, erzählt der 31-Jährige. Er hat Seminare für Studenten gegeben, sich auf immer neue Themen gestürzt, diese sogar für Kollegen aufgearbeitet. Die stöhnten oft, wenn sie Lehrveranstaltungen halten mussten. Flieger wiederum fand es toll, genoss die Interaktion, fühlte sich weniger isoliert. „Ich habe meine Lebensweise überdacht“, konstatiert er. Deshalb war der Schritt, Lehrer zu werden, folgerichtig. „Ich weiß, Seiteneinsteiger werden von vielen als Notnagel betrachtet.“

Tempo in Vorlesungen zu langsam

Um seinen neuen Beruf richtig zu starten, wollte er zunächst ein Grundstudium als Lehramtsstudent in Halle machen. Doch in vielen Vorlesungen langweilte er sich, weil ihm das Tempo zu langsam war. Er fragte im April 2016 bei der Bildungsagentur nach, wo er sich eigentlich bewerben kann. „Mir wurde gesagt, die Bewerbungsfrist ist morgen. Deshalb habe ich meine Unterlagen abends fertig gemacht, am nächsten Tag persönlich vorbeigebracht“, erzählt er. Mit Schuljahresbeginn im August 2016 wagte er den „Sprung ins kalte Wasser“, nachdem er sich intensiv mit Lehrbüchern und Lehrplänen beschäftigt hatte.

Das Schuljahr startete für ihn gleich mit 28 Unterrichtsstunden, im Februar 2017 begann parallel die berufsbegleitende Ausbildung. Deshalb sind es derzeit ein paar Stunden weniger. Wie war das erste Mal vor der Klasse? „Ich war aufgeregt, habe in den ersten Wochen mächtig geschwitzt. Es ist etwas völlig anderes, vor Schülern als vor Studenten zu stehen.“ Nicht zuletzt an die Lautstärke der Kinder und Jugendlichen musste er sich gewöhnen. „Über das Verhältnis zu meinen Schülern kann ich nicht klagen“, sagt er heute. Das wurde ihm auch von den Ausbildern bei der Bildungsagentur bescheinigt. „Ich habe einfach den Ehrgeiz, Schüler für Naturwissenschaften zu begeistern.“

Modell funktioniert "überwiegend gut"

Das Landesamt für Schule und Bildung – vormals Sächsische Bildungsagentur – hat im August 2016 als Reaktion auf den immer gravierender werdenden Lehrermangel begonnen, verstärkt Quereinsteiger einzusetzen. „Das funktioniert überwiegend gut. Wie überall im Leben gibt es natürlich Einzelfälle, in denen gut ausgebildete Menschen in der Praxis nicht zurechtkommen“, sagt Roman Schulz, der Sprecher des Amtes. Los ging es damals mit Crash-Kursen, die durchaus eine Zumutung für die Beteiligten waren. Mittlerweile gibt es dreimonatige Vorkurse, die dem Einsatz in der Schule vorgeschaltet sind. Verpflichtend ist die berufsbegleitende Ausbildung.

Im Sommer 2017 wurden von 1400 zu besetzenden Stellen in ganz Sachsen 720 mit Seiteneinsteigern belegt. Zum 1. Februar 2018 sind vor allem in Grund- sowie Oberschulen 660 Stellen vakant, für die sich 323 ausgebildete Lehrkräfte (die meisten fürs Gymnasium) sowie 1700 Quereinsteiger beworben haben. Das Verfahren läuft noch. Die Region Leipzig braucht 166 neue Lehrer. Für die Grundschule (51 Stellen) und Oberschule (64 Stellen) werden es daher wieder verstärkt Seiteneinsteiger sein.

Markus Flieger schnuppert derzeit in Mathe rein, möchte es künftig verstärkt unterrichten. „Mathematik ist meine Leidenschaft.“ Und er bekennt: „Mit meiner Berufswahl bin ich zufrieden.“ Und das sehen wohl die meisten am Werner-Heisenberg-Gymnasium ebenso.

Von Mathias Orbeck

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