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Erloschene Vulkane im Visier von Leipziger Uni-Geophysikern

Erloschene Vulkane im Visier von Leipziger Uni-Geophysikern

Sie sind schon lange erloschen, aber nicht das wissenschaftliche Interesse an ihnen: Experten des Leipziger Uni-Institutes für Geophysik und Geologie nehmen jetzt zwei in prähistorischer Zeit aktive Vulkane und ihre Umgebung unter die Lupe - den Kammerbühl und den Eisenbühl im tschechischen Eger-Becken.

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Auch Leipziger Wissenschaftler forschen zu Vulkanen. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Ersterer ruht seit etwa 720 000 Jahren, Letzterer versank vor rund 300 000 Jahren im Tiefschlaf. Schon Johann Wolfgang von Goethe war in der Gegend unterwegs und verfasste 1823 einen Aufsatz, den er reißerisch titelte. "Uralte neuentdeckte Naturfeuer- und Glutspuren" überschrieb der geologisch beschlagene Dichterfürst sein Werk und regte an, einen Forschungsstollen in den Kammerbühl zu treiben.

Das Terrain ist seit jeher wacklig, immer wieder vibriert in Westböhmen und im Vogtland die Erde, für 1824 gibt es Überlieferungen von über 100 Erschütterungen, die in der modernen Seismologie als Schwarmbeben bezeichnet werden. "Solche Ereignisse werden schon seit Ende des 19. Jahrhunderts an der Leipziger Uni erkundet", berichtet Geophysiker Professor Michael Korn. Meist sind sie kaum fühlbar, zuweilen erreichen sie eine beachtliche Stärke - 1985 lag sie bei 4,6 auf der Richter-Skala, im Mai 2014 bei 4,4. Warum es in der Gegend ständig rumort, erklärt Korn mit dem magmatischen Geschehen in etwa 30 Kilometern Tiefe, wobei sogenannte Fluide aufsteigen, in denen Gase gelöst sind. Kommt es zum Stau und anschließenden Entladungen, bebt es in Serie. 2008 seien beispielsweise rund 20000 Erdstöße registriert worden, weiß Korns Institutskollegin Christina Flechsig. Allerdings hat sich der Zyklus, in dem große Schwärme auftreten, inzwischen verkürzt. Und es gibt asymmetrische Ereignisse, die sich nicht so recht ins Schwarmbeben-Geschehen einordnen lassen. Auch deshalb werden die Untersuchungen intensiviert.

Die Fachleute der Leipziger Uni sondieren dabei im Umfeld von Kammerberbühl und Eisenbühl den Untergrund, um Strukturen auszukundschaften und vielleicht die Aufstiegspfade der Fluide und Gase zu orten. Diese treten in Mineralquellen und in Mofetten - wassergefüllten Löchern - an die Oberfläche. Vorzugsweise bei diesen Mofettenfeldern installieren die Wissenschaftler ihre Technik. Per Geo-Elektrik wird in die Erde geschaut und mit Hilfe künstlich erzeugter Erschütterungen werden Tiefenprofile erstellt. Schon vor zehn Jahren hatten Spezialisten des Leipziger Helmholtzzentrums für Umweltforschung analysiert, was aus einem der Gas-Austrittslöcher strömt. Zu 99 Prozent war es Kohlenstoffdioxid (CO2), verzeichnet wurde aber ebenso ein steigender Helium-Anteil. Bezüglich des Verhältnisses der Helium-Isotope hieß es, der Wert sei sonst nur von aktiven Vulkanen bekannt. Fazit damals: Es tut sich etwas im Schoß des Eger-Beckens.

2016 soll dort ein Projekt mit weit größerem Forschungskaliber als bisher starten. Im Rahmen des internationalen Kontinental-Bohrprogramms sind dann bis zu sechs in einige hundert Meter Tiefe reichende Bohrungen geplant, in die Messsonden kommen. "Es soll ein Observatorium werden, das sich speziell dem Phänomen der Schwarmbeben und der diffusen CO2-Entgasung widmet", erklärt Professor Torsten Dahm vom Geoforschungszentrum Potsdam. "Ideal wäre es, wenn die Sondenstandorte 20 Jahre betrieben werden könnten", meint Korn. "Ob sich das finanzieren lässt, ist aber fraglich."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.09.2014

Mario Beck

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