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Es pocht, klopft und hämmert: Erster Notfall des Leipziger Herzzentrums wohlauf

Es pocht, klopft und hämmert: Erster Notfall des Leipziger Herzzentrums wohlauf

Diese Operation schrieb Geschichte: Es sind die Abendstunden des 10. Oktober 1994, schwach und müde fühlt er sich, so kurz nach dem Eingriff. Doch er lebt. Wolfgang Lehmann war der erste Patient, der im Leipziger Herzzentrum operiert wurde.

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Die Mythologie bezeichnet das Herz als Hort der Seele, der Volksmund als Pumpe. In jedem Fall geht ohne den Muskel mit seinen Kammern, Vorhöfen, Arterien und Klappen - im Hintergrund als überdimensional großes Modell - nichts. Professor Friedrich-Wilhelm Mohr (rechts) rettete Wolfgang Lehmann vor 20 Jahren in einer Notoperation das Leben.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Unzählige Male noch wird Professor Friedrich-Wilhelm Mohr den Tod überlisten. Der Herzchirurg ist damals wie heute Ärztlicher Direktor der Probstheidaer Klinik - und die war erst wenige Tage zuvor, am 16. September 1994, eröffnet worden.

"Wenn es das Herzzentrum nicht gegeben hätte, würde es mich nicht mehr geben", sagt der 55-jährige Lehmann, der eigentlich im Mai Geburtstag hat, doch im Oktober ein zweites Mal feiern wird - dann seinen 20. "Praktisch die zweite Geburt." Lehmann sieht blendend aus. "Mir geht es gut", sagt er. Er müsse kaum zurückstecken. "Nur Sachen, die schwerer als drei Kilo sind, darf ich nicht heben." Deshalb könne er auch nicht den Enkel auf den Arm nehmen, ein wenig traurig sei das schon. Tabletten braucht er, täglich. Einmal im Jahr muss er von Berlin zur Nachuntersuchung nach Leipzig reisen. Aber er ist froh, wenn er auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurückblickt.

Es ein Montagabend, an dem Lehmann um 19.45 Uhr notoperiert wird. Den Sonntag zuvor unternimmt er mit Freunden eine Ruder-Tour, als er das Boot anheben will, spürt er Schmerzen im Brustkorb. Am nächsten Tag geht er zur Arbeit, ins Brauhaus zu Reudnitz. Ein Arbeitskollege feiert Geburtstag, es gibt ein Glas Sekt für jeden. Nachmittags steht noch ein Personalgespräch an: "Weil ich mich ändern und verändern wollte" - das sorgt zusätzlich für Stress. In einer Beratung wird ihm übel, er muss sich mehrmals übergeben. Die Ärzte im Park-Krankenhaus Südost in Dölitz ordnen ein CT an, das wird auswärts gemacht. Die Röntgenbildern sind unbrauchbar, da kein Kontrastmittel gespritzt wurde - quälende Stunden. Ein weiteres Mal muss Lehmann in den Computertomographen. Die Diagnose erschreckt ihn: Die Hauptschlagader ist bis zur Becken- arterie gerissen. "Innerhalb der ersten 24 Stunden sterben bei einer solchen Diagnose 50 Prozent der Patienten", sagt Professor Mohr.

Lehmann hat Glück, er wird sofort ins neugebaute Herzzentrum gebracht. Dort rekonstruieren die Mediziner den Aortenbogen und setzen ihm eine künstliche Herzklappe ein. Nach Krankenhaus-Aufenthalt und Reha geht er zehn Wochen nach der OP schon wieder seinem Job nach.

1994 finden noch 273 weitere "beherzte Eingriffe" statt, bis heute sind es mehr als 71 000 Herzoperationen, darunter 5300 bei Kindern, 376 Herz- und 217 Lungentransplantationen. "14-Mal wurden Herz und Lunge zusammen verpflanzt", sagt Mohr am Sonnabend beim Patientenforum zum Klinik-Jubiläum. Viele sind gekommen, ehemalige Weggefährten, Mitarbeiter und Patienten, die ihre Geschichte erzählen wollen und wohl ein Leben lang dankbar sein werden. Zum Team gehören mittlerweile 1450 Mitarbeiter. Anfang der 1990er-Jahre ließ der damalige Bauherr und Träger - die Rhön-Klini- kum AG - den Komplex für 150 Millionen D-Mark errichten. Da waren es nur 174 Angestellte. Gemessen an den Leistungszahlen "gehört das Herzzentrum heute weltweit zu den fünf größten und renommiertesten Fachklinken", betont Mohr. Vor knapp einem Jahr wurde sie an den neuen Besitzer, den Fresenius-Konzern, verkauft. Ziel sei es, künftig die Kooperation mit der Leipziger Universität auszubauen - und weiter zu wachsen. Platz ist genug: Die Probstheidaer Flur ist weitläufig, das benachbarte Feld groß.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.09.2014

Benjamin Winkler

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