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Fast vergessener Leipziger: Vom Finanzkalkulator zum Sternenkundler

Fast vergessener Leipziger: Vom Finanzkalkulator zum Sternenkundler

Mit doppelten schwarzen Sternkarten versehen, durchgehend verbessert und mit den jüngsten astronomischen Entdeckungen vermehrt. So beworben, kam anno 1799 der "Neueste Himmelsatlas" druckfrisch auf den Markt.

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Kartenauschnitt von Goldbachs Himmelsatlanten.

Quelle: AlbireoVerlag

Sein Schöpfer war mit Christian Friedrich Goldbach ein Mann, der zu jener Zeit in Leipzig als Kalkulator in der Ratseinnahmestube und als Observator in der Ratsbibliothek sein Geld verdiente. Weil sich der gebürtige Tauchaer nebenher schon mit einigen geografischen Ortsbestimmungen und Untersuchungen des Firmaments einen Namen gemacht hatte, hielten ihn damals die Protagonisten des Himmelsatlanten genau für den Richtigen, um das "für den Schul- und akademischen Unterricht" bestimmte Werk inhaltlich zu füllen. Das gelang ihm vorzüglich, wie eine jetzt anlässlich des 250. Geburtstages von Goldbach erschienene Reprintausgabe offenbart. Limitiert auf 300 Exemplare, hat der Kölner Albireo-Verlag die bibliophile Kostbarkeit der Astronomie-Geschichte herausgebracht.

"Wir haben den Gedanken, diesem fast vergessenen Bürger Leipzigs ein ehrenden Zeugnis zu widmen, aufgegriffen und seinen Atlas wieder zu neuem Leben erweckt", erklärt Verlagsinhaber Karl-Peter Julius, der sich im Zuge des Projektes mit Leben und Werk Goldbachs intensiv vertraut gemacht hat. Demnach war dieser ausgangs des 18. Jahrhunderts von dem Weimarer Kaufmann Friedrich Justin Bertuch und dem Direktor der Gothaer Sternwarte, Franz Xaver von Zach, beauftragt worden, das bis dahin verfügbare astronomische Wissen anschaulich in einem Folianten zu bündeln. Und zwar so, dass "Anfänger und Liebhaber" der Astronomie gleichermaßen Erkenntnis daraus ziehen mögen.

Goldbach ließ sich nicht lange bitten, stürzte sich erst in die aufwändige Recherche und machte sich dann ans Anfertigen der einzelnen Himmelskarten. 56 sollten es schließlich werden, auf denen über 10 000 Sterne als helle Punkte auf schwarzem Grund verzeichnet waren. Dazu gesellten sich kosmische Nebel und figürliche Sternbilder. Rastlos war er für das ambitionierte Projekt tätig, dem wirtschaftlicher Erfolg beschieden sein sollte. Auf die erste Auflage 1799 folgte schon 1803 eine zweite. Der Name des Leipziger Ratsangestellten sprach sich in Fachkreisen herum - bis nach Moskau, an deren Universität Goldbach später als Professor berufen wurde. Verwendet hatte sich für ihn der aus Leipzig stammende und dann in Paris zu Forscherehren gekommene Astronom Karl Burckhardt. Allerdings erwiesen sich die Versprechungen der Russen als trügerisch: Vor seinem Wechsel war Goldbach versichert worden, er bekomme in Moskau ein neues Observatorium. In einem Bericht des Astronomischen Jahrbuches von 1806 hieß es, Goldbach habe sich nun samt Familie von Leipzig nach Russland begeben, um sich dort auch der zu erbauenden Sternwarte zu widmen. Daraus wurde nichts. Als er 48-jährig anno 1811 in Moskau starb, war das Observatorium noch immer fern der Realisierung.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.11.2013

Mario Beck

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