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Film ab für die Hirnforschung am Leipziger Planck-Institut

Studie zu neuronalen Netzwerken Film ab für die Hirnforschung am Leipziger Planck-Institut

Leipziger Wissenschaftler spielen Probanden verwirrende Filmsequenzen vor und decken so einen neuronalen Interpretationsmechanismus auf.

Komplex des Leipziger Planck-Institutes für Kognitions- und Neurowissenschaften.

Quelle: Wolfgang Zeyen

LEIPZIG. Filmklassiker schauen und dabei der Hirnforschung behilflich sein: Am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften haben Probanden bei einer Studie diverse emotional verwirrende Szenen aus Filmen vorgespielt bekommen. Während die Versuchsteilnehmer in einem Magnetresonanz-Tomografen (MRT) lagen, wurden beispielsweise Sequenzen aus dem Streifen „Reservoir Dogs – Wilde Hunde“ eingespielt, den Regisseur Quentin Tarantino 1992 in die Kinos gebracht hatte. Die Leinwand-Story handelt von einem missglückten Raubüberfall und wurde von den Planck-Experten ausgewählt, weil sie ins Untersuchungsschema passte. Denn die Fachleute wollten herausfinden, wie das Gehirn auf zweideutige Situationen reagiert. In Tarantinos Gangsterorgie gibt es dazu folgende Begebenheit: Eine Person foltert eine andere, wobei sich der Quälgeist freut, tanzt und eine muntere Unterhaltung mit dem Opfer sucht.

Diese und andere filmische Begebenheiten stark widersprüchlichen Kalibers bekamen die Probanden zu sehen. Zugleich zeichnete der MRT-Scanner auf, was sich in ihrem Oberstübchen vollzog. Im Journal Human Brain Mapping haben nun Studienleiterin Christiane Rohr und ihre an dem Projekt beteiligten Kollegen die Ergebnisse publiziert. Zum Autorenteam gehören auch israelische Wissenschaftler von der Universität in Haifa. Heraus kam, dass es einen speziellen neuronalen Mechanismus gibt, mit dem doppelbödige soziale Situationen bewertet werden. Interpretationsbedarf gibt es dabei mehr als genug: Etwa, wenn jemand beleidigend auftritt und gleichzeitig lächelt, oder wenn positive Botschaften mit zynischem Tonfall über die Lippen gehen.

„Wir haben zwei Areale im Hirn identifizieren können, die als eine Art Fernbedienung wirken. Sie bestimmen, wie wir eine Situation einschätzen, und welches von zwei Netzwerken an- oder ausgeschaltet wird”, erklärt Christiane Rohr. Demnach ist das eine Netzwerk aktiv, wenn eine Szene als erfreulich empfunden wird, das andere im umgekehrten Fall. Den Wechsel übernehmen wiederum zwei Bereiche innerhalb dieser Netzwerke. Einer liegt den Untersuchungen zufolge im Schläfenlappen und ist für die Interpretation positiver Ereignisse zuständig. Der andere, für negative Empfindungen eingetaktete Sektor wurde Scheitellappen verortet.

In der Regel gelinge es den meisten Menschen durch dieses neuronale System gut, diffizile Situationen richtig einzuordnen, so die Wissenschaftler. Bei jenen, wo das nicht funktioniere, könne das aber zu Depressionen, Angstzuständen oder dem Abbau sozialer Interaktionen führen. Insofern hofft Christiane Rohr, dass die Studienergebnisse auch genutzt werden können, um neuronale Abweichungen zu identifizieren: „Letztlich wollen wir dazu beitragen, Therapien zu entwickeln, die Betroffenen helfen, schwierige Situationen adäquater einzuordnen.“

Von Mario Beck

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