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Bildung Finnischer Schwung in mitteldeutschen Klassenzimmern
Leipzig Bildung Finnischer Schwung in mitteldeutschen Klassenzimmern
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20:15 23.04.2014
Testen das "Muuvit"-Abenteuer: Grundschullehrer Markus Rasser aus Leipzig hat seine Schüler auf eine virtuelle Europareise geschickt. Quelle: Benjamin Winkler
Leipzig

Das finnische Projekt "Muuvit" soll das ändern und die Kinder motivieren, mehr Spaß am Lernen zu entwickeln und sich mehr zu bewegen.

"Vielleicht gelingt es auch, den ein oder anderen zu animieren, sich im Sportverein anzumelden", hofft Markus Rasser, Lehrer an der Leipziger August-Hermann-Francke-Grundschule. Die vier Klassen der Bildungsstätte testen aktuell das Programm. Insgesamt sind derzeit 100 Schulklassen aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt angemeldet.

"Muuvit" stammt aus Finnland, dem jahrelangen Spitzenreiter der Pisa-Studie und wird dort schon seit 14 Jahren praktiziert. "Viel Bewegung fördert die Konzentrationsfähigkeit von Kindern und kann die schulische Leistung verbessern", meint Pressesprecherin Kristin Penker.

Problem sei, dass Jugendliche immer fauler werden. Das besagt auch eine Studie der Weltgesundheitsorganisation von 2013, nach der sich in Deutschland bei den 11- bis 15-Jährigen nur jeder fünfte Junge und nur 14 Prozent der Mädchen ausreichend bewegen.

Um sie für mehr Bewegung zu begeistern, gehen die Kinder 30 Tage lang auf Punktejagd. Bereits am ersten Tag haben die 18 Grundschüler aus der zweiten Klasse 276 Bewegungspunkte auf ihrem Konto gesammelt. Ein Punkt steht für zehn Minuten Bewegung, für den die Schüler ein Kreuz in ihrem Sammelheft machen können. "Jede Art von Bewegung zählt", so Rasser. Egal, ob man mit seinen Kumpels Fußball spielt, Seil springt, mit dem Rad zur Schule fährt, im Garten mithilft, Wandern oder Schwimmen geht - oder den Hund ausführt.

Dass der eine oder andere Schüler gerne mal flunkert, sei ihm bewusst. "Was als Bewegung zählt, wird vorher besprochen, die Regeln werden festgelegt", sagt Rasser. Es solle ja kein Wettbewerb um Punkte werden, sondern die Lust an der Bewegung wecken, so Rasser. Die gesammelten Punkte werden schließlich in Kilometer umgerechnet, auf einer Karte eingetragen - und so der Klassenverband auf eine virtuelle Europareise geschickt. Je mehr man sich in der Schule und in der Freizeit bewegt, desto weiter kommt die Klasse voran. Im Internet können Eltern und Kinder auch von zu Hause aus die Reise mitverfolgen. Zwar sitzen die Schüler dann für kurze Zeit wieder vorm Computer, sie lernen allerdings auf spielerische Art neues Wissen hinzu.

Als Startpunkt haben die Zweitklässler kurzerhand München festgelegt. Und die erste Station der Route heißt: Salzburg in Österreich, denn ein Musiklehrer war vor Kurzem dort. Bei einigen Kindern schnellen die Hände hoch, als die Frage aufkommt, welche berühmte Persönlichkeit hier gewirkt habe. Klar, Salzburg ist die Geburtsstadt des österreichischen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Markus Rasser hat dann noch weitere Informationen zu Sehenswürdigkeiten der Musikstadt parat.

Wohin die Reise weitergeht, sollen nun die Kinder mitbestimmen. In den kommenden Wochen wollen Lehrer und Schüler Europas Länder und Städte genauer unter die Lupe nehmen und mit "Muuvit" Lernen und Bewegungsförderung verbinden - jetzt schon werde das Punktezählen für Rechenspiele genutzt.

Lässt die Konzentration nach, können fünf Minuten Treppensteigen oder ein kurzer Sprint im Sportraum wieder für Aufmerksamkeit sorgen. Im Fokus stehen auch wichtige Tipps zu bewusster Ernährung, Gesundheit und Schlaf. Bisher haben in Mitteldeutschland 200 Klassen an "Muuvit" teilgenommen. Das sind etwa 3600 Kinder.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.04.2014

Benjamin Winkler

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