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Bildung Flüchtlinge in der Türkei: Leipzigerin gründet Hilfsprojekt in Istanbul
Leipzig Bildung Flüchtlinge in der Türkei: Leipzigerin gründet Hilfsprojekt in Istanbul
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23:18 30.03.2016
Julia Mayers Flüchtlingsinitaitive Quelle: Privat
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Leipzig

Julia Mayer hat Ende vergangenen Jahres drei Monate in Istanbul als Austauschstudentin gelebt. Die 24-Jährige erlebte vor Ort, wie es Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien in der Türkei ergeht. So gebe es in ganz Istanbul keine offizielle Flüchtlingsunterkunft, stattdessen würden die Menschen auf Kartons unter Brücken und in Parks schlafen. Wie die junge Frau in Istanbul erfahren musste, überleben viele der Flüchtlinge nur mit einfachen Jobs wie dem Sammeln von Plastik oder dem Verkauf von Wasserflaschen. Mayer, die in Leipzig an der HHL studiert, rief daher in der Türkei ein Hilfsprojekt ins Leben. Das teilte die HHL am Mittwoch mit.

Im Gastland, nach dem Einkaufen neuer Kleidung, stellte sich der Studentin die Frage: Wohin mit der alten? „Wegschmeißen ist zu schade“, so die gebürtige Augsburgerin. Da sie weder eine tiefere Kenntnis des sozialen Sektors in der Stadt hatte und es zudem eine Sprachbarriere gab, holte die 24-Jährige weitere Partner mit ins Boot. Eine lokale Flüchtlingsorganisation und ihre Gast-Hochschule – die private Sabanci-Universität mit 4000 Lernenden – unterstützten das „Weihnachts- und Neujahrs-Spenden-Projekt“. Einige der Professoren hätten gar in den Vorlesungen für das Vorhaben geworben.

Studenten sammeln Geld und Sachspenden

Neben Sachspenden haben die Studierenden auch Geld für Flüchtlinge gesammelt. „Fast jeder Austauschstudent, den ich getroffen habe, hat eine großzügige Erasmus-Förderung bekommen.“ Ihrer Ansicht nach, sei es nur fair gewesen, einen Teil dessen für die Bedürftigen zu spenden oder vor der Rückkehr in die Heimat die restlichen Lira an Flüchtlinge weiterzugeben.

Bis zum 21. Dezember wurde Kleidung und Ähnliches gesammelt. Anschließend packten Julia Mayer und weitere Helfer jeweils Hose, Pullover, T-Shirt, neue Socken und Unterwäsche sowie Hygieneartikel in kleine Päckchen. Die Übergabe der 60 Geschenk-Pakete hätte die 24-Jährige tief berührt: „Es war sehr ergreifend, weil die Flüchtlinge, die derzeit in Istanbul leben, sehr schwere Zeiten durchmachen.“ Wegen der hohen Zahl der Flüchtlinge in der Türkei – nach Angaben Regierung in Ankara derzeit 2,5 Millionen Menschen – sähen sich Migranten immer wieder Anfeindungen ausgesetzt.

Die Flüchtlinge seien daran gewöhnt, beschimpft und verjagt zu werden. „Die Asylanten waren sehr zögerlich. Als sie gemerkt haben, dass dies keine Falle ist, wollten sie plötzlich nicht nur ein Geschenk-Paket.“ Doch nicht nur die Päckchen, auch die Kartons, in denen sie angeliefert wurden, waren bei den Menschen begehrt. „Sie wollten die Kartons, um sich später darauf setzen oder legen zu können“, so Mayer und bezieht sich dabei auf die prekäre Wohnsituation der Menschen.

Die Erfahrungen in Istanbul hätten die 24-Jährige nachdenklich gestimmt. Der Kontrast zur „heilen Welt“ in Leipzig, „da wird man demütig.“ Julia Mayer ist mittlerweile wieder in Leipzig zurück und studiert wieder an der HHL. Ihr Projekt indessen lebt in Istanbul weiter – betreut von Studierenden der Sabanci-Universität.

In den kommenden Wochen sollen mindestens 800 Leipziger mit Migrationshintergrund zu ihrer Lebenssituation, ihren Problemen, Wünschen und Hoffnungen befragt werden. Das soll unter anderem die Ausrichtung der Integrationsbemühungen verbessern.

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